Open Source statt horrende Lizenzkosten: Wettbewerb fĂĽr die Verwaltung startet

Die Open Source Business Alliance ruft erneut zur Teilnahme am Wettbewerb fĂĽr moderne Verwaltung auf. Neu dabei: eine Kategorie fĂĽr KI-Anwendungen.

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Logo mit Schriftzug Open Source, lila Hintergrund

(Bild: heise medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Open Source Business Alliance (OSBA) hat die zweite Runde ihres Wettbewerbs für Open Source in der öffentlichen Verwaltung gestartet. Behörden und Verwaltungen können sich bis zum 30. Juni 2026 mit innovativen Projekten bewerben, die unter dem Motto „Moderne Verwaltung. Innovation. Digitale Souveränität“ stehen. Neben den drei bekannten Kategorien Fachverfahren, interne Verwaltungsanwendungen und Transformation kommt in diesem Jahr erstmals die Kategorie künstliche Intelligenz hinzu. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Smart Country Convention (13. bis 15. Oktober 2026) in Berlin statt.

Bei der ersten Auflage des Wettbewerbs im vergangenen Jahr waren 42 Bewerbungen eingereicht worden, von denen 39 zugelassen wurden. Knapp 5.700 Stimmen wurden beim Community-Voting abgegeben. Den Community Award erhielt der Government Site Builder (GSB 11) vom Bundesministerium fĂĽr Digitales und Staatsmodernisierung sowie dem Informationstechnikzentrum Bund mit 588 Stimmen. Der TYPO3-basierte Baukasten fĂĽr einheitliche, barrierefreie Verwaltungswebsites wird mittlerweile fĂĽr mehr als 250 Websites genutzt und soll Lizenz- und Betriebskosten reduzieren.

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In der Kategorie Transformation gewann die Datenplattform CIVITAS/CORE des Vereins Civitas Connect. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz siegte mit dem Projekt „Zugang zum Recht“ in der Kategorie Fachverfahren.

Der Wettbewerb gewinnt im Kontext der stark gestiegenen Abhängigkeit des Bundes von Microsoft deutlich an Bedeutung. Wie jüngst eine Analyse zeigte, hat der Bund im Jahr 2025 rund 481 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen ausgegeben – ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 75 Prozent seit 2023. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu den im Koalitionsvertrag formulierten Zielen zur Förderung digitaler Souveränität und europäischer Alternativen. Die OSBA kritisiert, dass Millionen in Lizenzgebühren fließen, die bei echter IT-Modernisierung mit Open Source fehlen.

Das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) unterstützt den Wettbewerb als ideeller Träger. Die 2022 vom Bundesinnenministerium gegründete Institution soll Bund, Länder und Kommunen beim Aufbau digitaler Souveränität unterstützen. Leonhard Kugler, Leiter Plattform und Entwicklung beim ZenDiS, betont: „Open-Source-Software ist ein starker Hebel für digitale Souveränität.“ Die Institution betreibt mit openCode eine kollaborative Entwicklungsplattform und mit openDesk eine Online-Office-Suite als Microsoft-Alternative.

Finanzielle und organisatorische Unterstützung erhält der Wettbewerb von den Unternehmen SUSE und Capgemini. Holger Pfister, General Manager DACH bei SUSE, sieht in Open Source „enorme Chancen für Deutschland“, die heimische Industrie zu stärken und wirtschaftliche Resilienz zu schaffen. Stefan Zosel, Vice President und Global Cloud Lead Public Sector bei Capgemini, verweist auf den kontinuierlich steigenden Bedarf an Open-Source-Lösungen zur Stärkung digitaler Souveränität im öffentlichen Sektor. OSBA-Vorsitzender Peter Ganten kündigte an, den Wettbewerb auch in den kommenden Jahren fortführen zu wollen.

Weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Bewerbung finden sich auf der Website der OSBA.

(fo)