Blase aus Sternenwind: Erstmals Astrosphäre von sonnenähnlichem Stern abgebildet
Ein stetiger Teilchenstrom bildet um die Sonne eine riesige Blase. Nun wurde solch eine Struktur erstmals bei einem sonnenähnlichen Stern gefunden.
(Bild: X-ray: NASA/CXC/Johns Hopkins Univ./C.M. Lisse et al.; Infrared: NASA/ESA/STIS; Optical: NSF/NoirLab/CTIO/DECaPS2; Image Processing: NASA/CXC/SAO/N. Wolk)
Einer Forschungsgruppe ist es erstmals gelungen, die sogenannte Astrosphäre eines sonnenähnlichen Sterns direkt abzubilden. Das ist die blasenförmige Struktur, die der kontinuierliche Teilchenstrom eines Sterns ins All bläst und die im Sonnensystem Heliosphäre heißt. In der Blase herrschen heiße Gasteilchen des Sonnenwinds vor, sie endet da, wo das kältere interstellare Gas überhandnimmt. Derartige Strukturen wurden zwar bereits bei anderen Sternen beobachtet, nicht aber bei solchen, die unserer Sonne so ähnlich sind wie HD 61005. Erist dafür mit einem Alter von gerade einmal rund 100 Millionen Jahren viel jünger: Sein Sternenwind ist 3-mal schneller und 25-mal dichter als der unserer Sonne. Deshalb ermöglichen die Beobachtungen auch einen Blick in die Frühzeit unserer Sonne. Nachgewiesen wurde die Astrosphäre mit dem Weltraumteleskop Chandra der NASA.
Viel dichtere Umgebung
Mit dem Röntgenteleskop ist das gelungen, weil die Blase dort Röntgenstrahlung produziert, wo der Sternenwind auf den interstellaren Staub und Gas trifft, erklärt die Forschungsgruppe. Hinzu komme, dass der Sternenwind von HD 61005 viel stärker und intensiver als der der Sonne ist. Dadurch werde der Prozess der Blasenbildung verstärkt, so wie es bei der Sonne vor mehreren Milliarden Jahren der Fall war. Weil der Stern aber in einer ganz anderen Umgebung unterwegs ist, hat seine Astrosphäre einen Durchmesser von etwa 200 Astronomischen Einheiten, also in etwa so viel wie die unserer Sonne. Deren Heliosphäre würde dort nur bis zum Saturn reichen, erklärt Studienleiterin Carey Lisse von der Johns Hopkins University: Die Astrosphäre von HD 61005 wäre bei uns zehnmal größer als die der Sonne.
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Im Sonnensystem ist die Heliosphäre und vor allem ihre Ausdehnung gar nicht so leicht zu erforschen. Bis vor einigen Jahren konnten außerhalb davon überhaupt keine Messungen vorgenommen werden, inzwischen sind mit den Weltraumsonden Voyager 1 und 2 zwei Geräte dazu in der Lage. Damit wurde unter anderem ermittelt, dass die Grenze überraschend scharf zu sein scheint. Beide Raumsonden haben die Grenze der Heliosphäre in fast gleicher Distanz passiert: Voyager 1 im Jahr 2012 in etwa 121 Astronomischen Einheiten Entfernung (eine Astronomische Einheit ist die Entfernung der Erde von der Sonne), Voyager 2 im Jahr 2018 in rund 119 AE Entfernung. Neue Einblicke könnte nun HD 61005 ermöglichen, wegen seiner Form wurde das Sternsystem „Moth“ getauft – englisch für Motte. Mit einem Fernglas ist es sichtbar.
(mho)