Speicherkrise soll jetzt mit voller Wucht SSDs treffen
Die Preise für NAND-Flash-Chips könnten sich im ersten Quartal beinahe verdoppeln. Hersteller ändern die Spielregeln.
(Bild: Andreas Wodrich / heise medien)
NAND-Flash-Bausteine für SSDs und andere Speichermedien werden offenbar immer knapper. Infolge dessen stehen weitere Preissteigerungen an, die insbesondere Endkunden treffen dürften. Der auf Speicher spezialisierte Marktbeobachter Trendforce schätzt, dass die NAND-Flash-Preise im laufenden ersten Quartal um 85 bis 90 Prozent steigen. SSD-Hersteller legen die zusätzlichen Kosten auf Kunden um, was sich spätestens in den kommenden Monaten im Handel bemerkbar machen dürfte.
Die hohe Nachfrage kommt auch hier von Cloud-Hyperscalern, die KI-Rechenzentren bauen. Der Bedarf an SSDs steigt dort auch, weil HDDs knapp sind. Als Ersatz konzentrieren sich Speicher- und SSD-Hersteller vor allem auf Modelle mit 122 und 245 TByte Kapazität, die QLC-Bausteine (Quadruple Level Cells, vier Bit pro Zelle) verwenden. Solche Modelle schlucken mitunter einen ganzen Silizium-Wafer und mehr an Speicherbausteinen.
So stark profitieren Speicherhersteller bereits
SK Hynix soll im vierten Quartal 2025 am stärksten von bereits steigenden Preisen profitiert haben. Trendforce attestiert dem Hersteller einen Umsatz von 5,2 Milliarden US-Dollar nur mit NAND-Flash, fast 48 Prozent mehr als im dritten Quartal. Der Marktbeobachter schafft eine bessere Vergleichbarkeit, als es über die Geschäftsberichte der Hersteller möglich wäre: Zum einen unterscheiden sich die Zeiträume der Fiskaljahre, zum anderen gibt etwa Samsung keine getrennten Kennzahlen für NAND-Flash an.
Mit dem Wachstum rückt SK Hynix dem Weltmarktführer Samsung auf die Fersen, der mit zehn Prozent auf 6,6 Milliarden US-Dollar am wenigsten wuchs. Schuld ist offenbar unter anderem eine Produktionsumstellung, wodurch Samsung vorübergehend weniger Speicher produzierte. Der Umsatz der fünf größten NAND-Flash-Hersteller soll um fast 24 Prozent auf knapp 21,2 Milliarden US-Dollar gestiegen sein, hauptsächlich durch höhere Verkaufspreise.
Kleine Hersteller in Schwierigkeiten
Die taiwanische Nachrichtenagentur Digitimes teilt derweil eine Mitteilung des Controller-Herstellers Phison an dessen Geschäftskunden. Sie bestätigt bereits spekulierte, neue Spielregeln am Markt: Speicherhersteller wie Samsung, Sk Hynix und Micron verlangen Bezahlungen jetzt im Voraus oder in kürzester Zeit nach dem Kauf.
Abnehmer können folglich nicht mehr Speicher bestellen und erst nach dem Verkauf ihrer eigenen Produkte bezahlen. Das stellt insbesondere kleine und mittelgroße Hersteller vor Herausforderungen. Wer keine großen Geldreserven für Speicherkäufe hat, steht potenziell vor dem Aus.
Phison hat einen guten Einblick in den Speichermarkt, da die Firma nicht nur einer der größten Controller-Hersteller für SSDs ist, sondern selbst auch massenhaft Speichermedien herstellt. Phison entwirft etwa SSDs, Speicherkarten und USB-Sticks, die andere Firmen unter eigener Marke verkaufen. Im Jahr 2025 soll Phison dafür 16 Exabyte NAND-Flash eingekauft haben.
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(mma)