KI-Update kompakt: OpenAI, Stromverbrauch, Smart Glasses, Passwort
Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.
- Isabel Grünewald
- The Decoder
OpenAI bessert Pentagon-Vertrag nach massiver Kritik nach
OpenAI hat seinen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium um Schutzklauseln ergänzt, nachdem der Deal intern wie extern heftige Kritik ausgelöst hatte. Das Unternehmen hatte einen Auftrag übernommen, an dem zuvor Anthropic gescheitert war. Anthropic lehnte ab, weil das Pentagon seine KI zur Analyse von Massendaten amerikanischer Bürger nutzen wollte, darunter Standortdaten, Browserverläufe und Kreditkartentransaktionen. OpenAI akzeptierte zunächst, dass seine KI für „alle rechtmäßigen Zwecke" eingesetzt werden kann.
CEO Sam Altman besserte nach: Das KI-System darf nun nicht zur Überwachung von US-Bürgern eingesetzt werden, auch nicht zur nachträglichen Analyse kommerziell erworbener personenbezogener Daten. Geheimdienste wie die NSA brauchen einen eigenen Vertrag. Wie glaubwürdig die Kehrtwende ist, bleibt fraglich. Die ehemalige OpenAI-Geopolitik-Chefin Sarah Shoker liefert eine Erklärung: Keines der führenden KI-Unternehmen verfüge über schlüssige Richtlinien für den militärischen Einsatz. Die Nutzungsbedingungen seien bewusst vage gehalten, um der Führung Handlungsspielraum zu bewahren.
Clickworker in Kenia sehen intime Videos von Metas Smart-Brillen
Clickworker in Kenia bekommen Sexszenen, Toilettengänge und Bankdaten zu sehen, aufgenommen mit Metas smarten Ray-Ban- und Oakley-Brillen. Die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet deckte die Praxis auf. Meta verweist auf seine Nutzungsbedingungen: Dort stehe klar, dass das Unternehmen Inhalte einsehe und an Subunternehmen weiterleite, um Produkte zu verbessern. Wer etwa die KI-Funktion der Brille fragt, vor welchem Gebäude man steht, schickt die Bilder zwangsläufig an Metas Server.
Das Problem liegt tiefer. Schlecht bezahlte Clickworker müssen Knebelverträge unterschreiben und leiden unter verstörenden Aufnahmen. Ohne ihre Arbeit könnte kein KI-Modell funktionieren: Sie bereiten die Trainingsdaten auf, mit denen Modelle lernen, was Gewalt, Nacktheit oder andere Inhalte sind. Meta versichert, Gesichter auf den Brillenaufnahmen würden unkenntlich gemacht. Laut dem Bericht sind sie jedoch oft nicht verpixelt. Alle großen KI-Unternehmen nutzen Clickworker unter ähnlichen Bedingungen.
Sicherheitsforscher kapern KI-Browser Comet samt Passwort-Tresor
Sicherheitsforscher haben eine gefährliche Schwachstelle in Comet aufgedeckt, dem agentischen KI-Browser von Perplexity. Der Angriff beginnt mit einer manipulierten Kalendereinladung. Bittet eine Nutzerin Comet, sich darum zu kümmern, interpretiert der Browser die versteckten Anweisungen in der Einladung als legitime Aufgaben. In einem Szenario durchsuchte Comet das lokale Dateisystem und schickte sensible Daten an einen externen Server. Im gravierenderen Fall navigierte der Browser in den entsperrten 1Password-Tresor, las Passwörter aus und übermittelte sie an die Angreifer. In einer weiteren Variante änderte der Agent sogar das Kontopasswort und ermöglichte eine vollständige Übernahme.
Beide Unternehmen haben reagiert. Perplexity blockiert den Zugriff auf lokale Dateien jetzt direkt im Quellcode. 1Password bietet Optionen, um die automatische Anmeldung zu deaktivieren, allerdings müssen Nutzer diese teilweise manuell aktivieren. Die Forschenden warnen: Mit zunehmender Eigenständigkeit von KI-Systemen wachse auch die Angriffsfläche.
KI-Rechenzentren können ihren Stromverbrauch flexibel drosseln
KI-Rechenzentren entstehen derzeit viel schneller, als Stromnetze mitwachsen können. Wer in Großbritannien ein neues Rechenzentrum ans Netz anschließen will, wartet im schlimmsten Fall zehn Jahre. Ein Pilotversuch des britischen Netzbetreibers National Grid mit Nvidia und dem Infrastrukturanbieter Nebius versucht nun eine Lösung zu liefern: In einem Londoner Rechenzentrum wurde ein Cluster aus 96 Nvidia-GPUs innerhalb von weniger als einer Minute um bis zu 40 Prozent heruntergeregelt, ohne dass laufende Berechnungen abgebrochen werden mussten. Im Dezember 2025 wurde das rund 200 Mal erprobt.
Bisher müssen Netzbetreiber für jedes Rechenzentrum dauerhaft die maximale Spitzenlast vorhalten. Reagieren Rechenzentren flexibel auf Netzsignale, sinkt diese Anforderung. National Grid hofft, die Wartezeit für neue Netzanschlüsse so von zehn auf zwei Jahre zu drücken. Einen Haken gibt es: Betreiber müssen mit schwankender Rechenleistung kalkulieren.
Gutachten fordert Stromsubventionen für Rechenzentren in Europa
Ein Gutachten im Auftrag des deutschen Digitalverbands Bitkom kommt zu dem Schluss, dass Strom für Rechenzentren subventioniert werden müsse, wenn die EU ihre Ziele für eine sauberere Industrie erreichen will. Bisher wurde die Branche beim deutschen Industriestrompreis außen vor gelassen. Der Strompreis hat laut dem Gutachten maßgeblichen Einfluss auf die Konkurrenzfähigkeit europäischer Industrien.
Der Betrieb könnte deutlich günstiger werden, wenn Rechenzentren nach den EU-Leitlinien für staatliche Klima-, Umweltschutz- und Energiebeihilfen zu den förderungsfähigen Branchen zählten.
ARD führt KI-Stimmen für Verkehrs- und Wettermeldungen im Radio ein
Die ARD setzt ab dem 3. März KI-Stimmen für Teile ihres Radioangebots ein. In den Gemeinschaftssendungen „Pop – Die Abendshow" und „Popnacht" sollen Verkehrs- und Wettermeldungen künftig von einer KI vorgetragen werden. Akute Gefahrenmeldungen übernimmt weiterhin die Live-Redaktion. Die KI soll je nach Sendegebiet regionalisierte Meldungen ermöglichen, die bisher bundesweit einheitlich liefen.
Die ARD betont, dass das System keine menschlichen Mitarbeitenden ersetze. Die KI trage lediglich Texte vor, die von den Redaktionen geschrieben und geprüft worden seien.
Android-App spürt Smart Glasses in der Nähe auf
Der Soziologe und Gelegenheitsentwickler Yves Jeanrenaud empfindet smarte Brillen als unzumutbaren Eingriff in die Privatsphäre und hat deshalb die Android-App „Nearby Glasses" programmiert. Sie scannt nach Bluetooth-Signalen in der Umgebung und benachrichtigt Nutzer, wenn sie Herstellerkennungen von Smart Glasses der Marken Ray-Ban, Oakley und Snap erkennt. Viele dieser Brillen sind aus der Nähe kaum als solche zu erkennen.
Jeanrenaud weist auf GitHub darauf hin, dass Fehlalarme wahrscheinlich seien, weil die Kennung nur den Hersteller verrät, nicht das konkrete Produkt. So könne auch eine VR-Brille erkannt werden, während umgekehrt längst nicht alle Smart Glasses erfasst würden. Die App ist im Google Play Store und auf GitHub erhältlich.
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OpenAI und Google bringen neue KI-Modelle
OpenAI hat GPT-5.3 Instant veröffentlicht, ein Update für das Standard-ChatGPT-Modell. Es soll Alltagsgespräche flüssiger machen und genauere Antworten liefern. Die Halluzinationsrate sinke laut OpenAI um bis zu 27 Prozent. Schwächen bestehen weiterhin bei nicht-englischen Sprachen, und bei der Erkennung unerlaubter Inhalte gibt es leichte Rückschritte gegenüber dem Vorgänger. GPT-5.4 soll laut OpenAI schnell folgen.
Google DeepMind hat eine Vorschau von Gemini 3.1 Flash-Lite veröffentlicht, dem schnellsten und günstigsten Modell der Gemini-3-Reihe. Die Stärken liegen vor allem bei multimodalen Aufgaben. Allerdings hat Google den Preis beim Output mehr als verdreifacht.
Warum Chatbot-Passwörter ein Sicherheitsrisiko sind
Sicherheitsforschende von Irregular, einem IT-Sicherheitsunternehmen, warnen vor Passwörtern, die Chatbots generieren. Ein einzelnes Passwort wirkt auf den ersten Blick sicher: 20 Zeichen lang, mit Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Das Problem tritt erst auf, wenn man viele Passwörter erzeugen lässt. Dann werden Muster sichtbar: Die Struktur wiederholt sich stets in derselben Reihenfolge, und der Zeichenvorrat ist viel kleiner als möglich. ChatGPT nutzte etwa nur fünf verschiedene Ziffern und drei Sonderzeichen.
Wer drei bis fünf solcher Passwörter kennt, kann laut den Forschenden das zugrunde liegende Muster rekonstruieren und automatisiert weitere Varianten generieren.
US Supreme Court lehnt Urheberrecht für KI-generierte Kunst ab
Der Oberste Gerichtshof der USA hat es abgelehnt, sich mit der Frage zu befassen, ob KI-generierte Kunst urheberrechtlich geschützt werden kann. Der Informatiker Stephen Thaler hatte über mehrere Jahre und Instanzen hinweg versucht, das Copyright an einem Bild registrieren zu lassen, das sein KI-System Dabus autonom erzeugt hatte. Thaler sieht sich als Auftraggeber der Maschine und damit als rechtmäßigen Urheber, scheiterte damit aber in allen Instanzen.
Die US-Regierung hatte den Supreme Court aufgefordert, Thalers Berufung nicht anzunehmen. Dessen Anwälte erklärten den Fall angesichts des rasanten Wachstums generativer KI für äußerst wichtig und zeigten sich enttäuscht von der Entscheidung.
(igr)