Stromspeicher-Inspektion 2026: Große Unterschiede bei Effizienz und Garantie
Zwölf Solarstromspeicher im Labortest: Der neue Spitzenreiter erreicht eine Gesamteffizienz von 97 Prozent. Bei den Garantiebedingungen gibt es große Lücken.
(Bild: Crovik Media / Shutterstock.com)
Die HTW Berlin und das Ausgründungsunternehmen aquu haben zwölf Solarstromspeicher in den Leistungsklassen 5 kW und 10 kW getestet und bewertet. Neben einem neuen Spitzenreiter in der 10-kW-Klasse liefert die Studie erstmals eine systematische Analyse der Garantiebedingungen von 20 Herstellern – mit teils erheblichen Unterschieden. Zum Testfeld gehörten die Produkte von den üblichen Verdächtigen: BYD, Fox ESS, Fronius, Kostal, Sax Power und SMA.
Herzstück der Stromspeicher-Inspektion ist die Ermittlung des System Performance Index (SPI). Es handelt sich vereinfacht gesagt um eine Effizienzkennzahl, die vier Verlustkategorien berücksichtigt: Dimensionierungsverluste, Umwandlungsverluste, Regelungsverluste und Bereitschaftsverluste.
10-kW-Klasse mit neuem Effizienzsieger
In der 10-kW-Klasse setzte sich laut den Testergebnissen der Hybridwechselrichter PQ-H3-Ultra-10.0 von Fox ESS in Kombination mit der Batterie EQ3300-5 mit einem SPI von 97,0 Prozent an die Spitze. Es ist ein neuer Rekordwert, wie die Autoren schreiben. Dahinter landet nun das Power Storage DC 10.0 von RCT Power mit der Power Battery 11.5, das einen SPI von 96,4 Prozent erreicht. Auf dem dritten Platz folgt der Centurio 10 von Energy Depot zusammen mit der Batterie Domus 2.5 mit einem SPI von 95,4 Prozent.
(Bild: HTW Berlin)
Das Schlusslicht der 10-kW-Klasse ist ein anonym geführtes System. Es erreichte laut der Studie nur einen SPI von 89,3 Prozent und landete in der Effizienzklasse G. Die SPI-Verluste dieses Systems sind damit um den Faktor 3,5 höher als beim Testsieger von Fox ESS. Ursächlich sind vor allem ein Batteriewirkungsgrad von nur 87,9 Prozent und ein Standby-Verbrauch von 64 Watt, so die Autoren.
In der kleineren Leistungsklasse bis 5 kW setzte sich laut der Studie das AC-gekoppelte Batteriesystem Sax Power Home Plus mit einem SPI von 93,2 Prozent als Spitzenreiter durch. Das System basiert auf der sogenannten Multi-Level-Technologie, bei der Leistungselektronik und Batteriezellen in einem Gerät vereint sind.
Dahinter folgt SMA mit dem Sunny Boy Smart Energy 5.0 und der Batterie Home Storage 6.5 mit einem SPI von 92,8 Prozent. Kostal ist mit dem Plenticore MP G3 M 4.6 in der DC-gekoppelten Variante samt BYD Battery-Box HVS+ 7.7 mit einem SPI von 92,7 Prozent dicht auf den Fersen. Die detaillierte Verlustanalyse der Studie offenbart dabei interessante Unterschiede: Der SMA-Wechselrichter hatte geringere Umwandlungsverluste als das Kostal-System, doch Kostal kompensierte dies durch eine präzisere Regelung und einen sparsameren Standby-Betrieb.
Finanzielle Auswirkungen der Effizienzunterschiede
Die Gesamtsystemeffizienz wirkt sich laut den Berechnungen der Wissenschaftler direkt auf die jährliche Kosteneinsparung aus. Grundlage ist ein Referenzhaushalt mit 10-kW-PV-Anlage, Wärmepumpe und Elektroauto, der 9363 kWh pro Jahr verbraucht und 40 Cent pro Kilowattstunde für den Netzbezug zahlt.
In diesem Szenario kostet laut der Studie jeder SPI-Verlustprozentpunkt in der 10-kW-Klasse im Schnitt 26 Euro pro Jahr. Bei 7,7 Prozentpunkten Unterschied zwischen dem Testsieger von Fox ESS und dem Schlusslicht summiert sich der jährliche Kostenvorteil des effizienteren Systems auf rund 200 Euro auf.
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Die Studie zeigt zudem: Ein hocheffizientes System kann mit weniger Batteriekapazität die gleichen Stromkosten einsparen wie ein weniger effizientes mit größerem Speicher. Konkretes Beispiel der Autoren: Der RCT-Power-Speicher mit nur 10,6 kWh nutzbarer Kapazität und einem SPI von 96,4 Prozent senkt die jährliche Stromrechnung fast genauso stark wie ein System mit 14,2 kWh Kapazität, das aber nur einen SPI von 92,3 Prozent erreicht. Wer ein effizienteres System wählt, kann sich also zusätzliche Kapazität sparen – ein Vorteil auch für die Ressourceneffizienz, so die Autoren.
Große Bandbreite im Teillastbereich und bei Reaktionszeiten
Besonders praxisrelevant sind die Wirkungsgrade im sogenannten Teillastbereich. Immerhin liegt etwa nachts, wenn nur der Kühlschrank vor sich hin brummt, der Stromverbrauch von Haushalten meist unterhalb von 300 Watt.
Bei einer Entladeleistung von nur 100 Watt reichen die Wirkungsgrade der 10-kW-Wechselrichter von 54 Prozent beim ineffizientesten bis zu 86 Prozent beim RCT-Power-System. Sax Power führt bei den kleineren 5-kW-Geräten mit 84 Prozent bei 100 Watt Ausgangsleistung. Ganz konkret bedeutet das im schlimmsten Fall, dass man die Hälfte des Batteriestroms, der in den Wechselrichter hineingeht, in Form von Abwärme verliert.
Verbraucher sollten zudem einen genauen Blick auf die Einschwingzeiten werfen. Das ist die Zeit, die ein System benötigt, um auf Lastwechsel zu reagieren. Die Ergebnisse variieren zwischen 0,2 Sekunden bei Energy Depot und RCT Power und 13,7 Sekunden beim anonymen System.
(Bild: HTW Berlin)
Dass PV-Speichersysteme schnell auf Lastschwankungen reagieren können, ist relevant, wenn man den Wasserkocher anschaltet, der sich sofort 1500 Watt gönnt, oder taktende Verbraucher wie ein Kochfeld anschmeißt. Geschwindigkeit ist entscheidend, damit man nicht unnötig Strom aus dem Netz bezieht – oder eben einspeist.
Erhebliche Unterschiede: Garantiebedingungen von 20 Herstellern analysiert
Neben der Effizienz haben die Berliner Wissenschaftler die Garantiebedingungen von 20 namhaften Herstellern systematisch untersucht. Dabei offenbaren die Ergebnisse zum Teil große Unterschiede. So variiert die garantierte Restkapazität am Ende des Garantiezeitraums je nach Hersteller zwischen 60 und 85 Prozent des Anfangswerts.
Die Produktgarantie liegt bei den namentlich genannten Teilnehmern zwischen 5 und 10 Jahren, die Leistungsgarantie zwischen 10 und 12 Jahren. SMA gewährt mit 12 Jahren die längste Leistungsgarantie unter den Testteilnehmern, garantiert jedoch nur eine Restkapazität von 60 Prozent – der niedrigste Wert im Vergleich.
Ferner identifiziert die Studie zahlreiche Unterschiede bei den Garantievoraussetzungen und -ausschlüssen. So verlangen manche Hersteller eine Registrierung innerhalb von 30 Tagen, andere gewähren bis zu 12 Monate. Eine dauerhafte Internetverbindung ist bei vielen Herstellern Grundvoraussetzung für den Garantieanspruch.
Auch im Schadensfall variiert der Umfang der Kostenübernahme erheblich: Während einzelne Hersteller sämtliche Nebenkosten inklusive Ein- und Ausbau sowie Anfahrt tragen, liefern andere lediglich ein Ersatzgerät und stellen die Arbeitskosten – teils mit 150 Euro pro Stunde – in Rechnung.
„Ein Blick in die Garantiebedingungen vor dem Speicherkauf kann unangenehme Überraschungen im Schadensfall vermeiden“, sagt Nico Orth von der HTW Berlin. Vorteilhafte Bedingungen erkenne man unter anderem daran, dass der Hersteller keine umfassenden Nachweispflichten auferlege und im Schadensfall die Kosten für den Austausch übernehme.
(ssi)