„Vielleicht sind wir vom Mars“: Mikroben können Transport durchs All überstehen
Laut einer Hypothese könnte Leben auf dem Mars entstanden und dann zur Erde transportiert worden sein. Ein Experiment soll gezeigt haben, dass das möglich wäre.
(Bild: buradaki/Shutterstock.com)
Mikroorganismen können den extremen Druck eines Asteroideneinschlags überleben, dabei ins All geschleudert werden und dann den Weg zu einem anderen Planeten überbrücken. Das schließt ein US-Forschungsteam aus einem Experiment zur Widerstandsfähigkeit eines besonders resilienten Bakteriums aus der chilenischen Wüste. Dafür haben sie Deinococcus radiodurans zwischen Metallplatten platziert, die sie dann mit einer Gaskanone beschossen haben. Das habe genau jene Bedingungen simuliert, die beim Einschlag eines Asteroiden etwa auf dem Mars herrschen dürften. Überraschenderweise haben die Bakterien das Experiment sogar besser überstanden als das Equipment, das auseinanderderbrach. Das unterstützt laut den Forschern eine Hypothese zur Ausbreitung des Lebens, die Lithotransspermie genannt wird.
„Lebewesen könnten es tatsächlich überleben, von einem Planeten weggeschleudert und zu einem anderen gebracht zu werden“, fasst der Ingenieur K.T. Ramesh zusammen: „Das ist eine wirklich große Sache, die verändert, wie man über die Frage nach dem Ursprung des Lebens und wie das Leben auf der Erde entstanden ist, denkt.“ Vorstellbar wäre es also, dass das Leben einst auf dem Mars entstanden ist und durch Asteroiden auf die Erde getragen wurde. Gleichzeitig meint das Team aber auch, dass der Befund für eine Überarbeitung von Regeln sorgen sollte, mit denen verhindert werden soll, dass es beim Transport außerirdischer Proben zur Erde zu Kontaminationen kommt.
„Richtig hart zu töten“
(Bild: Lisa Orye / Johns Hopkins University)
Die Forschungsgruppe erläutert jetzt, dass sie mit dem Experiment herausfinden wollte, mit welchem Druck zwei Metallplatten aneinandergepresst werden müssen, damit dazwischen eingeklemmte Mikroben sterben. Dafür sei ein Projektil mit fast 500 km/h auf den Forschungsaufbau geschossen worden, was dazwischen einen Druck von 1 bis 3 Gigapascal generiert habe. Das sei zehnmal mehr, als am Boden des Marianengrabens, dem tiefsten Punkt in den Ozeanen der Erde herrscht, und trotzdem haben die Bakterien überlebt. Erst bei dem höchsten Druck habe man Schäden an den Mikroorganismen festgestellt. Überlebt hätte trotzdem mehr als die Hälfte: „Wir haben immer wieder versucht, es zu töten, aber es war richtig schwer zu töten“, sagt Erstautorin Lily Zhao.
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Gleichzeitig erklärt das Team aber auch, dass bei Asteroideneinschlägen auf dem Mars ein Druck von 5 Gigapascal und noch mehr erreicht werden kann. Das ist mehr als im Experiment. Trotzdem sind sie sicher, dass zumindest einige der besonders resilienten Bakterien das überstehen könnten. Ihr Experiment zeige, dass das möglich ist: „Das heißt, dass sich Leben potenziell zwischen Planeten hin- und herbewegen kann. Vielleicht sind wir sogar vom Mars“, meint Zhao. Als Nächstes möchte das Forschungsteam jetzt testen, ob möglicherweise auch andere Organismen diese Bedingungen überstehen könnten, insbesondere Pilze. Herausfinden wollen sie auch, ob durch solche Ereignisse resilientere Organismenpopulationen entstehen können. Ihre jetzige Arbeit wurde im Fachmagazin PNAS Nexus veröffentlicht.
(mho)