Enttäuschung für die Forschung: Asteroid 2024 YR₄ wird den Mond klar verfehlen

Der Asteroid 2024 YR₄ hat die Öffentlichkeit vor einem Jahr in Atem gehalten. Jetzt ist unerwartet früh klar, dass er auch für den Mond keine Gefahr darstellt.

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Der Mond von der Erde aus

(Bild: NASA)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der erdnahe Asteroid 2024 YR4 wird kurz vor Weihnachten 2032 auch den Mond verfehlen und stellt damit auch über diesen Umweg keine Gefahr mehr für die Erde dar. Das haben zwei Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop James Webb ergeben, die im Februar viel früher möglich wurden als erwartet, hat die Europäische Weltraumagentur ESA jetzt publik gemacht. Eigentlich hatte es geheißen, dass der Himmelskörper erst in mehreren Jahren wieder beobachtet und Gewissheit über dessen Bahn im Jahr 2032 erlangt werden könnte. Im Februar habe es aber nun eine unerwartete Gelegenheit gegeben, seine Bahn genauer zu ermitteln. Die Messungen haben demnach ergeben, dass der Asteroid den Mond um mehr als 20.000 km Entfernung verfehlen wird.

Wie die ESA erläutert, ist 2024 YR4 im Februar aus der Perspektive des modernsten Weltraumteleskops vor Sternen vorbeigeflogen, deren Position dank des Weltraumteleskops Gaia sehr präzise bekannt war. Trotz der Daten sei es aber eine enorme Herausforderung gewesen, einen der lichtschwächsten Asteroiden wiederzufinden. Gelungen ist das mit der Nahinfrarotkamera (NIRCam). „Jahrzehnte an Ingenieursarbeit, internationaler Zusammenarbeit und Innovationen in der Wissenschaft, Technik und bei planetarer Verteidigung gipfelten in der Nutzung des leistungsstärksten robotergesteuerten Weltraumteleskops der Menschheit, das von vielen Nationen gebaut wurde, um einen entfernten Staubfleck in der Leere zu entdecken und eine Frage von universeller Bedeutung für alle Bewohner unseres Planeten zu beantworten“, fasst die ESA jetzt zusammen.

2024 YR4 hat Anfang 2025 wochenlang für Aufsehen gesorgt, nachdem der Asteroid am 27. Dezember 2024 kurz nach seinem jüngsten Rendezvous mit der Erde entdeckt wurde. Folgebeobachtungen haben dann ergeben, dass ein Einschlag des Asteroiden bei seinem übernächsten Rendezvous mit unserem Heimatplaneten nicht ausgeschlossen werden konnte. Mehrere Wochen und damit ungewöhnlich lange stand der Asteroid deshalb an der Spitze der Listen von ESA und NASA mit den aktuell gefährlichsten Himmelskörpern. Erst vor einem Jahr haben die Beobachtungsdaten dann ergeben, dass der Erde keine Gefahr durch den etwa 60 Meter großen Himmelskörper droht.

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Nachdem eine Gefahr für die Erde ausgeschlossen werden konnte, rückte aber in den Fokus, dass der Asteroid immer noch den Mond treffen könnte. Auch da galt es aber immer noch als deutlich wahrscheinlicher, dass beide Objekte sich verfehlen. Nachdem der Asteroid aber vorerst nicht mehr mit unseren Instrumenten beobachtet werden konnte, lag die ermittelte Wahrscheinlichkeit einer Kollision bei 4,3 Prozent. In der Forschung wurden trotz dieser sehr geringen Wahrscheinlichkeit fleißig die Daumen gedrückt, denn solch ein Einschlag mit derart viel Vorlaufzeit wäre eine einzigartige Gelegenheit für die Wissenschaft gewesen. Jetzt ist es klar, dass das nicht passieren wird.

(mho)