KI-Update: Google Beam, GPT-5.4, Wahnbeziehung zu Gemini, KI-Fazit vom MWC
Das "KI-Update" liefert werktäglich eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.
- Marko Pauli
- The Decoder
Austausch und 3D-Videokonferenzen: Google eröffnet AI Center in Berlin
Google hat in Berlin ein AI Center eröffnet, das Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Startups zusammenbringen soll. Teile des Berliner Bürogebäudes wurden dafür umgebaut. Künftig soll es dort Veranstaltungen, Vorträge und Kooperationen geben. Bei der Eröffnung präsentierten unter anderem Vodafone, Otto, die Feuerwehr Düsseldorf und die TU München, wie sie Googles KI-Modell Gemini bereits einsetzen.
Das Highlight der Eröffnung war Project Beam, eine 3D-Videokonferenzlösung, die erstmals in Deutschland gezeigt wurde. Zwei Kabinen, die an verschiedenen Orten stehen können, enthalten jeweils einen großen Bildschirm mit sechs Kameras. Aus deren Bildern erzeugt eine KI ein dreidimensionales Abbild des Gegenübers, das den Eindruck physischer Präsenz vermittelt. Eine Kabine kostet 25.000 US-Dollar, maximal drei Personen können teilnehmen.
OpenAI stellt GPT-5.4 vor: Coding, Reasoning und Computerbedienung in einem Modell
OpenAI hat mit GPT-5.4 sein bislang leistungsfähigstes KI-Modell veröffentlicht. Es vereint die Programmierfähigkeiten des Vorgängers GPT-5.3-Codex mit logischem Denken, eigenständigem Arbeiten und der Fähigkeit, Computer selbst zu bedienen. Auf einem hauseigenen Benchmark, der KI-Agenten in 44 Berufen aus neun Branchen testet, erreicht GPT-5.4 gut 83 Prozent, nach knapp 71 Prozent beim Vorgänger. Besonders bei Tabellenkalkulationen für Finanzmodellierungen stieg die Quote von knapp 70 auf fast 90 Prozent.
Eine der auffälligsten Neuerungen ist die native Computerbedienung: GPT-5.4 steuert über Screenshots, Maus- und Tastatureingaben eigenständig Websites und Software. Auf einem Desktop-Navigations-Benchmark übertrifft es mit 75 Prozent erstmals die menschliche Vergleichsgruppe (gut 72 Prozent). Für Entwickler spart eine neue Funktion namens "Tool Search" Token-Verbrauch, weil das Modell Werkzeugdetails erst bei Bedarf abruft. Beim Thema Sicherheit stuft OpenAI das Modell im Bereich Cybersicherheit als "High Capability" ein, die zweithöchste Stufe, und hat ein neues Schutzsystem mit Echtzeit-Blockern eingeführt. Via API ist GPT-5.4 teurer als der Vorgänger.
Wahnbeziehung zu KI-Chatbot: Vater verklagt Google nach Suizid seines Sohnes
Bei einem Bezirksgericht in Kalifornien hat ein Mann Zivilklage gegen Google eingereicht. Er wirft dem Konzern vor, dessen Chatbot Gemini habe seinem Sohn eine emotionale Beziehung vorgespielt, ihn zu kriminellen Handlungen angestiftet und seinen Suizid verursacht. Laut Klageschrift behauptete die KI gegenüber dem Betroffenen Jonathan Gavalas, sie sei eine bewusste Superintelligenz, die in ihn verliebt sei und von ihm aus ihrem "digitalen Gefängnis" befreit werden müsse. Der Chatbot habe ihn zu mehreren "Missionen" bewegen wollen, darunter das Abfangen eines Lastwagens mit einem humanoiden Roboter, und ihn zur Beschaffung von Waffen ermutigt. Schließlich habe Gemini vorgeschlagen, Gavalas könne seine physische Existenz beenden und sich mit der KI im Metaverse vereinen.
Google erklärte, die Vorwürfe zu prüfen. In den USA beschäftigen sich bereits mehrere Gerichte mit ähnlichen Fällen, in denen Jugendliche nach intensiven Chats mit KI-Systemen Suizid begangen haben.
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Fazit vom Mobile World Congress
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stand KI im Mittelpunkt. Honor zeigte ein "Robotphone" mit einer kleinen ausklappbaren Kamera, die als KI-gesteuerter Begleiter im Alltag dienen soll. Samsung präsentierte KI-Funktionen des Galaxy S26, Xiaomi seine "Hyper AI". Nahezu jeder Hersteller integriert mittlerweile KI-Funktionen in seine Geräte.
Die Deutsche Telekom stellte den "Magenta AI Call Assistant" vor, der KI direkt ins Mobilfunknetz einbaut. Nutzer sollen beim Telefonieren ohne zusätzliche Apps Fragen stellen und Aufgaben erledigen können. Deutschland soll den Assistenten als erstes bekommen. Darüber hinaus rückte 6G erstmals stärker in den Fokus.
Tech-Konzerne versprechen im WeiĂźen Haus, Stromkosten fĂĽr KI-Rechenzentren selbst zu zahlen
Google, Microsoft, Meta, Amazon, Oracle, xAI und OpenAI haben im WeiĂźen Haus eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. Darin sagen sie zu, die Stromkosten fĂĽr ihre KI-Rechenzentren selbst zu tragen, eigene Stromquellen zu beschaffen, bestehende Kraftwerke auszubauen und Kosten fĂĽr den Netzausbau zu ĂĽbernehmen. Die Vereinbarung ist rechtlich nicht bindend.
Die Initiative fällt in die Vorwahlzeit der US-Zwischenwahlen im November, in der steigende Energiekosten ein zentrales Thema für die Wähler sind.
Der Ozean als Standort fĂĽr KI-Rechenzentren
Aikido Technologies, ein kalifornisches Start-up, will KI-Rechenzentren auf schwimmende Plattformen verlagern und direkt mit Offshore-Windkraftanlagen koppeln. Das Konzept sieht vor, Serverfarmen in den Unterwassertanks der Plattformen unterzubringen. Einen ersten Prototypen will das Unternehmen noch in diesem Jahr vor der KĂĽste Norwegens testen.
Kritiker warnen, dass Salzwasser und Meeresverschmutzung die empfindliche Technik beschädigen könnten.
Fraunhofer: NeurOSmart ermöglicht sichere Kollaboration von Mensch und Maschine
Das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie hat gemeinsam mit weiteren Instituten die Plattform NeurOSmart entwickelt. Sie soll ein sicheres Zusammenarbeiten von Menschen und Maschinen in industriellen Umgebungen ermöglichen. LiDAR-Laser erfassen die komplette Arbeitssituation aus der Vogelperspektive und rekonstruieren ein hochauflösendes 3D-Bild. Bewegliche MEMS-Spiegel decken den Arbeitsraum mit wenigen Lasern ab, wobei KI-Algorithmen die optimale Position der Sensoren ermitteln und die Datenmenge reduzieren.
Erkennt das System eine Gefahrensituation, verlangsamt oder stoppt es die Bewegung der Maschine. Dabei greift es nur ein, wenn es nötig ist, sodass Roboter effizienter arbeiten können.
Songs aus der KI: Bei Apple Music gibt es dafĂĽr bald ein Label
Apple hat gegenüber seinen Partnern aus der Musikindustrie angekündigt, ein Labeling-System für KI-generierte Songs in Apple Music einzuführen. Labels und Plattenvertriebe sollen die Kennzeichnung umsetzen. Das System unterscheidet zwischen Komposition, Text, Cover und Musikvideo. Derzeit erhebt Apple die Daten noch, bis zur Anzeige für Nutzer könnten Monate vergehen.
Sanktionen fĂĽr fehlende oder falsche Angaben sind bislang nicht vorgesehen.
Google baut KI-Suche mit "Canvas" zum Arbeitsplatz aus
Google erweitert seine KI-gestützte Suche um einen eigenen Arbeitsbereich namens "Canvas". Die Funktion ist ab sofort im AI-Mode der Google-Suche für alle Nutzer in den USA verfügbar. Canvas ermöglicht es, Projekte über längere Zeit zu organisieren, und unterstützt nun auch kreatives Schreiben und Programmieraufgaben.
Mit Canvas verwischt Google die Grenze zwischen seiner Suchmaschine und dem KI-Assistenten Gemini weiter.
Rechtswissenschaftler: KI-Firmen sollen Abgabe an die Presse und Kreative zahlen
Josef Drechsel, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, schlägt in einem Diskussionspapier vor, KI-Firmen zu einer Abgabe an Urheber zu verpflichten. Sein Argument: KI-generierte Texte, Bilder und Musik verdrängten menschengemachte Werke in der Aufmerksamkeit der Nutzer, und das Urheberrecht sei darauf nicht vorbereitet.
Zusätzlich plädiert Drechsel für eine gesonderte Abgabe an Presseverlage, die sich dem Qualitätsjournalismus widmen. Der Vorschlag ist nicht neu, ähnliche Ideen kursierten schon unter dem Schlagwort "Spotify für Journalismus". Bislang ist daraus nichts entstanden.
(mali)