Nach EU-Druck: Meta lässt KI-Chatbots auf WhatsApp zu – aber nur gegen Gebühr
Meta öffnet WhatsApp für KI-Chatbots der Konkurrenz. Doch eine neue Gebühr wirft Zweifel an Metas Kompromissbereitschaft auf.
Meta beugt sich dem Druck der EU, die Untersuchung läuft jedoch weiter.
(Bild: Tatiana Diuvbanova / Shutterstock.com)
KI-Chatbots, die mit Metas eigenem Assistenten Meta AI konkurrieren, sind jetzt wieder auf WhatsApp zugelassen. Zumindest temporär und gegen eine Gebühr.
„In den nächsten zwölf Monaten werden wir in Europa allgemeine KI-Chatbots über die WhatsApp Business API unterstützen – als Reaktion auf das regulatorische Verfahren der Europäischen Kommission“, teilt Meta via Reuters mit. „Wir glauben, dass dadurch ein unmittelbares Eingreifen nicht erforderlich ist, da die Kommission so die Zeit erhält, die sie braucht, um ihre Untersuchung abzuschließen.“
Der Haken: Meta erhebt je nach Land eine Gebühr zwischen 0,049 und 0,13 Euro pro KI-Antwort, berichtet das US-Techmagazin TechCrunch unter Hinweis auf Angaben des Unternehmens. Dadurch entstehen für konkurrierende KI-Anbieter schnell hohe Kosten, was entsprechende Angebote auf WhatsApp wirtschaftlich unattraktiv machen dürfte.
Die EU-Kommission teilte mit, dass sie derzeit analysiere, welche Auswirkungen die Änderungen sowohl auf ihre Prüfung möglicher einstweiliger Maßnahmen als auch auf ihre umfassendere kartellrechtliche Untersuchung haben könnten.
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Kritik an Metas Gebühren
Die im Februar eingeleitete Untersuchung der EU-Kommission läuft damit weiter. Die Behörden sind der Ansicht, dass Meta seinen Konkurrenten den Zugang zu WhatsApp erschwert und damit gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt. Die EU-Kommission drohte Zwangsmaßnahmen an, auf die Meta nun reagiert hat.
Meta argumentierte bislang, dass fremde KI-Chatbots die eigene Plattform zu stark beanspruchen würden und WhatsApp für deren Anbieter kein unverzichtbarer Vertriebskanal sei, da zahlreiche alternative Plattformen zur Verfügung stünden.
Das Unternehmen hatte im Oktober angekündigt, den Zugang zur „WhatsApp Business API“ für konkurrierende KI-Chatbots zu sperren. Die EU und Italien kündigten daraufhin Untersuchungen an. Trotzdem setzte Meta die neue Regelung am 15. Januar um. In Italien reagierte Meta noch im selben Monat auf Druck der Behörden und erlaubte Entwicklern wieder, ihre KI-Chatbots über die Schnittstelle anzubieten, allerdings auch dort nur gegen Gebühr.
Die Entscheidung stößt bei Metas Konkurrenten auf Widerstand. Einer der lautesten Kritiker ist Marvin von Hagen, CEO des KI-Start-ups The Interaction Company, das einen KI-Chatbot speziell für Messaging-Dienste wie WhatsApp entwickelt.
Meta stelle die Öffnung der Plattform als Entgegenkommen dar, tatsächlich ersetze das Unternehmen das Verbot lediglich durch neue Hürden, sagt von Hagen zu Reuters. Die eingeführten Gebühren machten es für KI-Anbieter praktisch genauso schwierig, ihre Dienste auf WhatsApp anzubieten, wie zuvor das vollständige Ausschließen der Konkurrenz.
(tobe)