NASA-Sonde Dart: Kollision hat auch Sonnenorbit der Doppelasteroiden verändert

Die gezielte Kollision einer Weltraumsonde mit einem Asteroidenmond kann die Bahn des Hauptasteroiden um die Sonne ändern. Das hat das Dart-Experiment gezeigt.

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Unscharfe Bilder zweier Himmelskörper, der kleiner unten ist von einer Staubwolke umgeben.

Die kleine italienische Sonde LICIACube hat die Kollision vor Ort beobachtet.

(Bild: ASI/NASA)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Als die NASA-Sonde Dart mit dem Asteroiden Dimorphos kollidiert ist, hat sie nicht nur dessen Bahn um den zweiten Asteroiden in dem System verändert, erstmals hat die Menschheit damit auch die Bahn eines Himmelskörpers um die Sonne messbar verändert. Das hat eine Forschungsgruppe ermittelt, hat die NASA jetzt mitgeteilt. Die 770 Tage lange Umlaufbahn des Doppelsystems aus zwei Asteroiden wurde demnach um 0,15 Sekunden verändert. Die Geschwindigkeit der Asteroiden auf dem Weg durchs Sonnensystem habe sich um 4,3 cm/h verändert, hat die Gruppe errechnet. Parallel dazu hat eine weitere Forschungsgruppe beobachtet, dass die umeinander kreisenden Asteroiden kontinuierlich Material austauschen und damit viel dynamischer interagieren als vorher angenommen.

Dart (Double Asteroid Redirection Test) war am 27. September 2022 um 01:14 Uhr MESZ in den Asteroidenmond Dimorphos gerast. Kurze Zeit später war klar, dass die Menschheit damit erstmals gezielt die Bewegung eines Himmelskörpers verändert hat. Damals ging es aber nur um die des kleinen Asteroiden um seinen größeren Partner Didymos. Jetzt ist klar, dass dabei so viel Material aus dem Doppelsystem geschleudert wurde, dass die gemeinsame Bahn verändert wurde. Damit habe man bestätigt, dass ein System aus zwei Asteroiden auf seiner Umlaufbahn abgelenkt werden kann, indem man lediglich einen von beiden ablenkt, so die NASA. Zwar klingt die Ablenkung minimal, aber bei der Abwehr eines Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde könnte sie den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Mit dem Experiment sollte genau diese Methode der planetaren Verteidigung praktisch ausprobiert werden. Die Hoffnung ist, dass ein für die Erde gefährlicher Asteroid durch solch einen Einschlag zwar nur minimal, aber trotzdem ausreichend weit abgelenkt werden könnte, dass er unseren Heimatplaneten verfehlt. Weil die Sonde selbst bei ihrem Einschlag zerstört wurde, hat die ESA im Oktober 2024 die Hera-Mission gestartet. Sie soll die Auswirkungen des Einschlags vor Ort untersuchen und dürfte dann auch herausfinden, welche Folgen genau die unkontrolliert weggeschleuderten Felsbrocken auf die Bahn des Asteroiden hatten. Sie soll diesen November in dem System ankommen.

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Die Streifen auf Dimorphos

(Bild: NASA/JHU-APL/UMD.)

Obwohl in dem System also aktuell keine Sonde unterwegs ist, ermöglichen die vor der Kollision gesammelten Daten aber noch immer spannende Einblicke. So hat die University of Maryland mitgeteilt, dass ein Forschungsteam Beweise dafür gefunden hat, dass die Asteroiden Didymos und Dimorphos kontinuierlich Material austauschen. So deuten sie streifenartige Strukturen auf der Oberfläche von Dimorphos an, die nach akribischer Bildbearbeitung sichtbar gemacht wurden. Erst habe man gedacht, dass etwas mit der Kamera nicht gestimmt habe, zitiert die Universität die Studienleiterin Jessica Sunshine. Aber dann habe man erkannt, dass sie zu langsamen Einschlägen auf dem Himmelskörper passen. Ihre Entdeckung hat die Gruppe in The Planetary Science Journal erläutert.

(mho)