Wurlitzer E-Pianos: Kultmarke kommt zurĂĽck nach Deutschland

Nach Jahren im Besitz großer Konzerne liegt die Marke wieder bei der Familie. Ein Gespräch über Plug ins, Markenstrategie und neue Instrumente.

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Wurlitzer

(Bild: Wurlitzer)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Dr. Andreas Polk

Die legendären E-Pianos der Marke Wurlitzer sollen zurückkommen. Mehr als ein halbes Jahrhundert prägten sie den Klang von Soul, Jazz und Pop. Künstler wie Supertramp, Beck oder Joe Zawinul stehen exemplarisch für den Wurlitzer-Sound und prägten wegweisende Aufnahmen. Die originalen Instrumente sind jedoch schwer zu bekommen, dazu teuer und wartungsaufwendig. Plug-ins, die exakt den Klang des Originals nachbilden, sind attraktiv fürs digitale Studio.

Die Marke Wurlitzer war lange vom Markt verschwunden. Die Namensrechte haben nach einer langen Odyssee von Übernahmen zwischen Banken und Konzernen den Weg aus Amerika zurück nach Deutschland gefunden. Die hier ansässige Familie Wurlitzer beabsichtigt, die Marke über die neu gegründete Wurlitzer Licensing UG (Neustadt a. d. Aisch) wiederzubeleben.

Luise Wurlitzer wacht ĂĽber die Namensrechte ihrer Familie.

(Bild: Wurlitzer)

Den Anfang macht ein offizielles Plug‑in des legendären Wurlitzer 200A, entwickelt in Zusammenarbeit mit Rhodes (ob es gelungen ist, lesen Sie in unserem Test des offiziellen Plug-ins Wurlitzer 200A). Wir haben mit Luise Wurlitzer, Chefin der neuen Wurlitzer Licensing UG, über den Hickhack um die Namensrechte und die Pläne für künftige Instrumente gesprochen.

c’t: Frau Wurlitzer, Sie haben die Markenrechte am Namen Wurlitzer inne. Sind Sie denn auch eine „echte“ Wurlitzer?

Luise Wurlitzer: Wir waren eigentlich schon immer Musikinstrumentenbauer, Nikolas Wurlitzer hat seine erste Laute bereits 1659 gebaut. Richtig bekannt wurde die Marke dann durch Rudolph Wurlitzer, der in die USA gegangen ist und dort 1853 die Rudolph Wurlitzer Company gegrĂĽndet hat.

Mein Zweig der Familie, der in Deutschland geblieben ist, hat beispielsweise die Herbert Wurlitzer Klarinettenmanufaktur gegrĂĽndet. So splitten sich die Geschichten der Familienzweige auf.

c’t: Wie sind die Namensrechte zu Ihnen zurückgekommen?

Wurlitzer: In der Coronazeit haben wir uns in der Familie die Frage gestellt, was eigentlich aus dem Namensrecht Wurlitzer geworden ist und angefangen zu recherchieren. Nach der Insolvenz der Marke Wurlitzer lagen die Namensrechte unter anderem bei der Bank of America, dann bei Baldwin, dem Klavierbauer, und zuletzt bei Gibson, wo die Marke mehr oder weniger brach lag. Wir konnten uns mit ihnen einigen, die Namensrechte zu ĂĽbertragen. Der gesamte Transfer war 2024 endlich abgeschlossen.

Die Marke ist immer noch sehr stark, aber wenn wir jetzt nichts mit ihr tun, stirbt sie irgendwann aus. Wir hatten zu Beginn eine kleine Markenstudie in den USA gemacht. Dabei kam raus, dass rund 30 Prozent der US-Bevölkerung den Namen noch kennt. Das ist Wahnsinn, vor allem wenn man bedenkt, dass der Bekanntheitsgrad gerade bei den Älteren noch viel größer ist.

c’t: Haben Sie die weltweiten Markenrechte?

Wurlitzer: Wir haben die Rechte in den wichtigsten Regionen wie Nordamerika, Europa, Asien.

c’t: Und was machen Sie jetzt damit?

Wurlitzer: Unsere Strategie ist zunächst einmal, die Klassiker wieder zurückzubringen. Wir haben die Jukebox jetzt gemeinsam mit einem Unternehmen aus Leeds wieder herausgebracht, ein Exemplar ist zurzeit bei einem großen Kulturkaufhaus in Berlin ausgestellt. Das sind echte Liebhaberstücke, die mit LPs, Singles, CDs und natürlich auch Streaming funktionieren.

Klar ist auch das elektromechanische Piano ein Thema. Da war es ein natĂĽrlicher Schritt, es erstmal als Plug-in herauszubringen. Wir mĂĽssen aber realistisch sein, denn wir bauen zwar Klarinetten, sind aber kein Softwareentwickler. Da war es fast natĂĽrlich, auf Rhodes zu kommen fĂĽr das Plug-in.

c’t: Wie haben Sie Ihren Kooperationspartner ausgewählt?

Wurlitzer: Wir haben wahnsinnig viel Respekt vor dem, was Rhodes in den letzten vier, fünf Jahren gemacht hat. Mit dem Mk8, aber auch mit ihren eigenen Plug-ins und der Anthology. Wenn sich die Marken auf Augenhöhe begegnen können, war es eine relativ einfache Entscheidung.

Das Wurlitzer 200A war ja immer bekannt fĂĽr seinen "bite", dieses Kippen ins Aggressive, je nach Anschlag. Ein Plug-in wird vielleicht nie ein Original ersetzen, aber das kommt schon echt nah dran.

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c’t: Was sind die Pläne für die Zukunft, wohin geht es?

Wurlitzer: Die Zukunft hat für mich zwei Dimensionen. Erstens: Welche ikonischen Produkte können wir zurückbringen? Ein elektromechanisches Piano als Hardware würde Sinn machen, aber es müsste wirklich an das 200A rankommen – mit hoher Qualität, aber bezahlbar. So etwas ist kostspielig zu entwickeln. Rhodes Music hat mit dem Mk8 ja gezeigt, wie so etwas gehen kann.

Zweitens schauen wir uns sehr gezielt den Consumer Audio Bereich an. Die Marke Marshall ist diesen Weg recht erfolgreich gegangen. Aber uns ist wichtig, nicht ein reines Lifestyle-Produkt zu sein, sondern für hohe Qualität zu stehen.

(hag)