Meteoriteneinschlag in Koblenz: Mit Seismometern die genaue Flugbahn ermittelt

Am Sonntagabend hat ein Feuerball für Aufsehen gesorgt, der über weiten Teilen Südwestdeutschlands zu sehen war. Nun wurde dessen präzise Flugbahn ermittelt.

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Aufnahme eines blauen Himmels, unten über einem Gebäude ein heller Fleck

Aufnahme einer Meteorkamera

(Bild: ALLSKY7 / Bernd Klemt – AMS76 Herkenrath/DE)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Eine Forschungsgruppe vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat mithilfe von Daten aus Seismometern die Flugbahn des Meteoriten vom Sonntag berechnet und eine leichte Abweichung zur Analyse der International Meteor Organization (IMO) ermittelt. Das hat die Forschungseinrichtung mitgeteilt und damit auch unter Beweis gestellt, wie hilfreich die Methode zur Analyse solcher Ereignisse ist. Geholfen hat demnach ein dichtes Netz an seismischen Messstationen in der Eifel, das das Geophysikalische Institut des KIT für seismologische Untersuchungen dort betreibt. Die Analyse bestätigt demnach, dass der Meteoroid aus westlicher Richtung kam und zuerst Luxemburg sowie dann die Eifel überflogen hat, bevor er im Raum Koblenz niedergegangen ist. Die ermittelte Flugbahn weicht leicht von der des IMO ab.

Die ermittelte Flugbahn (in Orange), in blau die der IMO

(Bild: KIT)

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Der Feuerball war am Sonntagabend in weiten Teilen Südwestdeutschlands und mehreren Nachbarstaaten zu sehen. Bei der American Meteor Society, die dafür ein eigenes Internetportal betreibt, sind inzwischen mehr als 3000 Berichte eingegangen, die stammen außer aus Südwest- und Westdeutschland auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Auch die legen eine Flugbahn nahe, bei der das Objekt aus einer südlicheren Richtung kam, als es die Analyse des KIT nun nahelegt. Ein Bruchstück des Meteoriten hat das Dach eines Gebäudes im Koblenzer Stadtteil Güls beschädigt. In der Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein wurden danach noch weitere Bruchstücke entdeckt.

Die Forschungsgruppe erklärt jetzt, dass ihre Seismometer schwache Schallwellen registrieren können, die auf die Druckwelle zurückgehen, die ein Meteorit beim Flug durch die Atmosphäre erzeugt: „Aus den Ankunftszeiten an verschiedenen Messstationen lässt sich die Flugbahn des Meteoroids rekonstruieren.“ Weil es viel mehr solcher Erdbebenmessstationen gibt als spezielle Meteorkameras, könne man die Bahn damit präziser und vor allem schneller bestimmen. Das ist auch wichtig, um mögliche Fragmente rasch zu finden, bevor sie zu lange den Einflüssen der Erdatmosphäre ausgesetzt waren. Diese Proben stammen aus der Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems und sind damit von großem wissenschaftlichem Wert.

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Dass sich Seismometer für die Nachverfolgung von Objekten bei einem schnellen Flug durch die Atmosphäre eignen, ist nicht neu. Erst vor wenigen Wochen haben zwei Forscher vorgeschlagen, die Geräte gezielt auch für die Suche nach abgestürztem Weltraumschrott zu verwenden. Anhand des Überschallknalls konnten sie versuchsweise den Weg eines abstürzenden Orbitalmoduls der chinesischen Raumkapsel Shenzhou-15 fast in Echtzeit nachverfolgen. Die Forschungsgruppe aus Karlsruhe ergänzt nun noch, dass die Methode auch zur Ermittlung der Flugbahn in der sogenannten Dunkelflugphase geeignet ist, in der der Meteor nicht mehr leuchtet. Zudem sind seismische Messungen der Schallwellen auch „unabhängig von Tageslicht oder Bewölkung möglich“.

(mho)