Weltmodell statt LLM: Start-up von Yann LeCun erhält 890 Millionen Euro
Das von Yann LeCun gegrĂĽndete Start-up AMI Labs hat rund 1 Milliarde US-Dollar eingesammelt. Es entwickelt KI-Weltmodelle, die die reale Welt verstehen sollen.
Yann LeCun grĂĽndete nach seinem Abschied von Meta das KI-Startup AMI Labs.
(Bild: Meta, Screenshot Blogbeitrag)
Das Start-up des KI-Pioniers, Turing-Preisträgers und ehemaligen Meta-KI-Chefwissenschaftlers Yann LeCun hat im Rahmen einer Seed-Finanzierung 890 Millionen Euro eingeworben. Das in Paris gegründete Unternehmen Advanced Machine Intelligence Labs (kurz: AMI Labs) verzeichnet damit die bislang größte Finanzierungsrunde dieser Art in Europa.
Zu den Investoren zählen neben zahlreichen Risikokapitalgebern auch namhafte Unternehmen und private Investoren, darunter Nvidia, Samsung, Toyota sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Investor Mark Cuban und Ex-Google-Chef Eric Schmidt.
LeCun hatte das Start-up zusammen mit ehemaligen Meta-Führungskräften sowie dem früheren Nabla-CEO Alex LeBrun gegründet.
Das Start-up ist erst wenige Monate alt und beschäftigt laut der New York Times nur zwölf Mitarbeiter, was sich dank der neuen Finanzmittel bald ändern dürfte. AMI Labs hat eine internationale Ausrichtung und unterhält neben seinem Hauptsitz in Paris auch Standorte in New York, Montreal und Singapur.
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AMI Labs setzt auf KI mit Weltverständnis
LeCun arbeitete zuvor zwölf Jahre lang bei Meta und gründete dort das KI-Labor FAIR. Er verließ Meta im November 2025, um sich mit einer eigenen Firma der Entwicklung von sogenannten Weltmodellen zu widmen. LeCun ist überzeugt, dass diese Art von KI-Modell und nicht generative Sprachmodelle wie ChatGPT den Weg zu wirklich intelligenten KI-Systemen ebnen werden.
„Wir teilen eine Überzeugung: Echte Intelligenz beginnt nicht mit Sprache. Sie beginnt in der realen Welt“, heißt es programmatisch auf der Webpräsenz des Start-ups. Demnach will das Unternehmen eine neue Generation von KI-Systemen entwickeln, die die Welt verstehen, über ein dauerhaftes Gedächtnis verfügen, schlussfolgern und planen können.
AMI Labs will seine Weltmodelle zunächst gemeinsam mit Unternehmen aus datenintensiven Branchen entwickeln, etwa aus der Industrie, der Biomedizin oder der Robotik. Auch im Bereich Verbrauchergeräte sieht LeCun mögliche Anwendungen. Obwohl Meta nicht zu den Investoren gehört, führt das Unternehmen Gespräche über eine Zusammenarbeit. Denkbar sei etwa, dass die Weltmodelle von AMI künftig KI-Assistenten in Metas Smart Glasses antreiben, sagt LeCun zu Wired.
Weltmodelle: Noch viel Grundlagenforschung nötig
Der erste offizielle Partner ist das Start-up Nabla, das KI-Software für Ärzte entwickelt, die etwa Patientengespräche automatisch dokumentiert und medizinische Notizen erstellt. Anders als große Sprachmodelle, die zu Halluzinationen neigen können, soll das Weltmodell von AMI Labs reale Prozesse besser abbilden und dadurch Risiken in sensiblen Bereichen wie der Medizin verringern.
Bis dahin ist jedoch noch viel Grundlagenforschung nötig. LeBrun sagt gegenüber Wired, es könne Jahre dauern, bis Weltmodelle von der Theorie zu kommerziellen Anwendungen gelangen.
Neben AMI Labs entwickelt auch das Start-up World Labs Weltmodelle. Es erhielt im Februar ebenfalls eine Finanzierung von rund einer Milliarde US-Dollar. Auch Meta mit seiner unter LeCuns Führung entwickelten JEPA-Architektur sowie Google mit Genie 3 experimentieren mit ähnlichen Ansätzen.
(tobe)