Offene Formate gewinnen: EU-Kommission reagiert auf LibreOffice-Kritik

Nach Kritik der Document Foundation hat die EU-Kommission das Feedback-Template fĂĽr die CRA-Leitlinien auch als ODS-Datei bereitgestellt.

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EU-Flagge im Hintergrund, Polizist, Frau mit Laptop, BĂĽcher, Smartphone, Security-Symbole

(Bild: heise medien)

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Die Document Foundation hat einen Erfolg im Ringen um offene Dateiformate bei EU-Konsultationen erzielt. Wie die Organisation hinter LibreOffice mitteilte, hat die EU-Kommission das Feedback-Template für die Leitlinien zum Cyber Resilience Act (CRA) nun zusätzlich im ODS-Format bereitgestellt – dem Tabellenformat des offenen ODF-Standards.

In ihrem aktuellen Blogbeitrag zeigt sich die Document Foundation erfreut über die schnelle Reaktion: Innerhalb von 24 Stunden hätten Verantwortliche der Generaldirektion CONNECT positiv auf die Forderung reagiert und das Template im ODS-Format ergänzt. Die Organisation spricht von einem „wichtigen ersten Schritt hin zu der Interoperabilität, die proprietäre Formate nicht erlauben“.

Die EU-Kommission hatte Anfang März Entwürfe für Leitlinien zum CRA veröffentlicht und eine öffentliche Konsultation gestartet, die bis zum 31. März 2026 läuft. Das dafür vorgesehene Feedback-Template stand jedoch zunächst ausschließlich im XLSX-Format zur Verfügung – Microsofts proprietärem Tabellenformat. Die Document Foundation hatte scharfe Kritik geübt und eine strukturelle Benachteiligung von Open-Source-Nutzern moniert. Denn obwohl XLSX als OOXML nach ISO/IEC 29500 standardisiert ist, weichen Microsofts Implementierungen häufig von den Spezifikationen ab, was zu Kompatibilitätsproblemen zum Beispiel mit LibreOffice führen kann.

ODF (Open Document Format) hingegen ist ein vollständig anbieterneutraler ISO-Standard (ISO/IEC 26300), der anwendungs- und plattformunabhängig funktioniert. Die Document Foundation ruft nun alle Beteiligten dazu auf, das ODS-Template für ihr Feedback zu nutzen, um die Bedeutung des offenen Formats zu unterstreichen.

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Der Fall reicht über eine einzelne Konsultation hinaus. Die Forderung nach offenen Dateiformaten bei EU-Verfahren berührt unmittelbar die Frage europäischer digitaler Souveränität. Wer öffentliche Konsultationen ausschließlich in proprietären Formaten durchführt, schafft faktisch eine Abhängigkeit von einzelnen Softwareanbietern – und schließt Bürger sowie Organisationen aus, die auf freie Software setzen. Offene Standards wie ODF ermöglichen dagegen einen freien Zugang und verhindern monopolartige Lock-in-Effekte.

Das European Interoperability Framework (EIF) und die EU Open Source Software Strategy 2020–2023 (und Nachfolger) zielen genau auf solche Szenarien ab. Die schnelle Reaktion der Kommission im Fall der CRA-Konsultation könnte als Präzedenzfall dienen – auch für andere EU-Institutionen und nationale Behörden, die öffentliche Verfahren bislang noch ausschließlich in proprietären Formaten abwickeln. Der CRA selbst, der seit Dezember 2024 in Kraft ist und dessen Meldepflichten ab September 2026 und Hauptanforderungen ab Dezember 2027 verbindlich werden, fordert Transparenz und Sicherheit bei Produkten mit digitalen Elementen. Offene Standards unterstützen beide Ziele.

(fo)