Bitkom-Umfrage: Unternehmen oft von KI-Kosten überrascht

Unternehmenschefs in Deutschland setzen verstärkt auf Künstliche Intelligenz, zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Doch das Bild ist gemischt.

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C-Level sagt, KI steigere die Effizienz.

(Bild: Blue Planet Studio/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Wie stehen die Unternehmen zur Digitalisierung? Eine Befragung von 604 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom soll das regelmäßig herausfinden. 93 Prozent der Unternehmen sehen durch die Digitalisierung Vorteile für sich, nur 5 Prozent Nachteile. Allerdings gibt die Hälfte der Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Digitalisierung zu haben, zwei Drittel sehen Nachteile durch zu langsame eigene Schritte.

Als Haupthemmnisse werden intern von zwei Dritteln fehlende Zeit und etwa der Hälfte fehlende finanzielle Mittel angesehen, wobei letztere im Vergleich zum Vorjahr etwas abzunehmen scheinen. Eine deutliche Zunahme auf insgesamt aber niedrigem Niveau gibt es hingegen bei der mangelnden Bereitschaft in der Belegschaft und der Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen. Extern werden weiterhin Datenschutzanforderungen (77 Prozent), der Mangel an Fachkräften (70 Prozent) und Anforderungen an die technische Sicherheit (61 Prozent) gesehen – wobei in den vergangenen Jahren auch zunehmend ein Mangel an marktfähigen Lösungen beklagt wird.

Drei von fünf Unternehmen sehen noch deutlich Luft nach oben, wenn es um die Nutzung eigentlich vorhandener Daten geht. 29 Prozent geben an, bereits konkrete Maßnahmen ergriffen zu haben, und 43 Prozent, dies zu planen. Immerhin fünf Prozent glauben, bereits alle Daten zu nutzen. Da es sich bei der Erhebung um die Befragung der Geschäftsführungen und Vorstände handelt, ist diese Datengrundlage jedoch mit Vorsicht zu genießen – welche Daten real vorhanden und somit nutzbar wären, ist auf diesem Level nicht zwingend überhaupt bekannt.

Ganz eindeutig angekommen ist auf dem „C-Level“ das Thema Künstliche Intelligenz. 41 Prozent geben an, bei sich im Unternehmen KI einzusetzen, 48 Prozent planen oder diskutieren dies. Zwar sehen sich nur 30 Prozent der einsetzenden Unternehmen davon als Vorreiter, aber kein befragter Vertreter der Unternehmensführungen sah den Zug bereits als abgefahren an.

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Entsprechend wollen zwei Drittel den KI-Einsatz künftig ausbauen, ein Drittel will ihn niveaugleich beibehalten. Der Hauptgrund dafür liegt in der gefühlten Effizienzsteigerung: Ein Fünftel der Unternehmen gibt an, infolge des KI-Einsatzes Stellen abgebaut zu haben. Knapp die Hälfte glaubt zudem, dass dadurch die Qualität der eigenen Produkte oder Dienstleistungen verbessert worden sei. Vor allem interne Prozesse seien durch KI-Einsatz beschleunigt worden, sagt gut die Hälfte der befragten Unternehmensvorstände und -Geschäftsführer, die Künstliche Intelligenz einsetzen. Nachweisbar ist dies auch hier nicht.

Der große Wermutstropfen dabei: Ein Drittel dieser Unternehmen ist von den Kosten überrascht worden, so die Umfrageergebnisse. Er könne sich das im Detail noch nicht erklären, erläutert Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst auf heise online-Nachfrage, aber im Gespräch würden viele Unternehmen darlegen, dass KI-Agenten eben häufig doch etwas mehr Aufmerksamkeit durch klassische Mitarbeiter benötigen würden als vorher gedacht. Von Naivität gegenüber den KI-Kosten wolle er dabei aber nicht sprechen. Dass die Nutzung von KI-Anwendungen höhere Rechtsberatungskosten verursacht habe, sei bislang zumindest im Bitkom kein größeres Thema geworden.

Noch verhalten ist das Unternehmensführungsinteresse am Thema Quantencomputing: Knapp hinter dem Thema Blockchain liegend, planen oder diskutieren gerade einmal fünf Prozent der Unternehmen laut Auskunft ihrer Chefebene über das Thema, als im Einsatz befindlich benannte es niemand. Zum Vergleich: Drohnen sollen angeblich bei einem Viertel der Unternehmen im Einsatz sein, ein weiteres Viertel plant oder diskutiert das.

(emw)