„Verrückte“ Lichtkurve: Wohl Kollision zweier Exoplaneten in Echtzeit beobachtet
In alten Messdaten haben zwei US-Forscher einen Stern gefunden, der „völlig verrückt“ wirkte. Offenbar gab es in seinem Orbit eine katastrophale Kollision.
Künstlerische Darstellung der Kollision
(Bild: Andy Tzanidakis)
Zwei Forscher aus den USA haben offenbar Beobachtungsdaten mehrerer Teleskope entdeckt, die in Echtzeit die Kollision zweier Exoplaneten in einem anderen Sternsystem zeigen. Das hat die University of Washington aus dem gleichnamigen US-Bundesstaat jetzt öffentlich gemacht. Gefunden wurde das Sternsystem Gaia20ehk demnach in Daten des europäischen Weltraumteleskops Gaia, das „völlig verrückte“ Daten zur Helligkeit des 11.000 Lichtjahre entfernten Sterns geliefert hat. Aber erst eine Analyse von Infrarotdaten habe dann den entscheidenden Hinweis darauf gegeben, was das chaotische Flackern des Sterns wohl ausgelöst hat. Die dafür verantwortliche Kollision erinnert das Forschungsteam an jene der frühen Erde vor viereinhalb Milliarden Jahren. Die Trümmerwolke ist von ihrem Stern sogar in etwa so weit entfernt wie die Erde von der Sonne.
„Vollkommen verrückte“ Daten
Die Helligkeitswerte von Gaia20ehk waren bis 2016 unauffällig, erklärt Studienleiter Anastasios Tzanidakis. Das heißt, auf einer Zeitachse ergeben die Messwerte einen „schönen, flachen“ Strich. Ab 2016 zeigen sich aber drei merkliche Helligkeitsabfälle, von denen der erste der deutlichste war. „Aber dann, mitten im Jahr 2021, wurde alles plötzlich vollkommen verrückt“, erklärt der Astronom und ergänzt: „Ich kann gar nicht genug betonen, dass sonnenähnliche Sterne so etwas nicht tun.“ Er und sein Team hätten sich gedacht, „Hallo, was ist hier los?“ Schon diese Messungen hätten auf eine gewaltige Staubwolke hingedeutet, die den Stern verdunkelte und bei einer gigantischen Kollision entstanden sein musste. „Es ist unglaublich, dass verschiedene Teleskope diesen Einschlag in Echtzeit erfasst haben“, meint Tzanidakis.
(Bild: Tzanidakis et al./The Astrophysical Journal Letters)
Diese Abfolge von Helligkeitsabfällen und einem sich anschließenden völligen Chaos habe man so vorher noch nie beobachtet, schreibt der Astronom. Sein Kollege James Davenport habe dann vorgeschlagen, Messdaten im infraroten Spektrum zurate zu ziehen. Und tatsächlich war die Messkurve in diesem Spektrum das völlige Gegenteil. Als das sichtbare Licht zu flackern angefangen habe, sei der Stern im infraroten Spektrum immer heller geworden. Das könnte heißen, dass das blockierende Material sehr heiß ist, meint das Team vorsichtig. Eine katastrophale Kollision zwischen zwei Exoplaneten in dem Sternsystem „würde mit Sicherheit genug Hitze produzieren“. Zudem würde sie zu den Helligkeitsabfällen passen, die dann zeigen würden, wie sich die beiden Planeten einander immer weiter angenähert haben.
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Einen abschließenden Beweis für ihre Hypothese hat das Forschungsteam nicht, die Indizien sprechen ihnen zufolge aber stark dafür. Damit könnten Gaia und die anderen Teleskope bei Gaia20ehk ein Ereignis beobachtet haben, das die Erde auch schon durchgemacht hat. Vor 4,5 Milliarden Jahren ist unser Heimatplanet mit dem gigantischen Protoplaneten Theia kollidiert, wobei unter anderem der Mond entstanden ist. Beide Himmelskörper waren vorher Nachbarn. Die weitere Untersuchung von Gaia20ehk kann nun möglicherweise auch erhellen, was damals genau passiert ist. Unklar ist beispielsweise, wie lange die gigantische Staubwolke den Stern jetzt verdecken wird. Das könnte Jahre oder Millionen von Jahren dauern, schreibt das Team. Die Entdeckung hat es in The Astrophysical Journal Letters vorgestellt.
(mho)