Google Maps bekommt Gemini-KI für komplexe Suche und „Immersive Navigation“

Künftig beantwortet Gemini komplexe Suchanfragen und erweitert die visuelle Navigation in Google Maps. Es sei das größte Update in mehr als einem Jahrzehnt.

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Google Maps Symbol mit Immersive Navigation und Ask Maps

(Bild: Google)

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Google hat die Integration seines KI-Modells Gemini in den eigenen Kartendienst angekündigt. Künftig wird Gemini komplexe Suchanfragen in Google Maps wie bei einer normalen Unterhaltung beantworten können. Dabei wird der Chatbot nicht nur Orte, sondern auch lokale Merkmale berücksichtigen, die er aus Berichten von Maps-Nutzern lernt. Gleichzeitig nutzt Google Gemini auch für die Erweiterung der Navigationsfunktionen von Maps. Das KI-Modell erstellt eine aktuelle 3D-Ansicht für die sogenannte „Immersive Navigation“ zur besseren Veranschaulichung der Route.

Damit erweitert Google die KI-Unterstützung von Maps um einen weiteren Schritt, nachdem der Konzern erst Ende Januar angekündigt hatte, dass Gemini Fußgänger bei Google Maps navigiert. Fahrradfahrer können seitdem per Sprache navigieren. Auch hier betonte Google, dass die Navigation funktioniert, als würde man sich mit „einem Freund oder einer Freundin auf dem Beifahrersitz unterhalten“. Diese Funktion wird nun auf Google Maps insgesamt ausgeweitet, wobei dies zunächst in den USA ausgerollt wird. Weitere Länder sollen in den kommenden Monaten folgen.

Analog zu Googles KI-gestütztem „Ask Photos“ erlaubt „Ask Maps“ umfangreiche Suchanfragen, bei denen es um mehr als nur die Lokalisierung eines Ortes geht. Miriam Daniel, Vizepräsidentin und General Manager von Google Maps, nennt in einem Blog-Beitrag Fragen wie diese: „Mein Handy-Akku ist fast leer – wo kann ich es aufladen, ohne lange in der Schlange auf Kaffee warten zu müssen?“ Vor allem für Eltern junger Kinder wäre es etwa nützlich zu erfahren, wo sich die nächste öffentliche, einigermaßen saubere Toilette befindet. Dies soll Gemini in Google Maps künftig beantworten können.

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Laut Google greift Gemini dabei auf Maps-Informationen von über 300 Millionen Orten sowie Berichte aus der Maps-Community von mehr als 500 Millionen Nutzern zurück. Die künstliche Intelligenz (KI) beschränkt sich dabei auf Daten von Google Maps und verwendet keine anderen Google-Apps wie Gmail. Personalisierte Antworten erfolgen nur auf Basis früherer Suchanfragen oder favorisierten Orten. Wenn Nutzer zuvor nach vegetarischen Restaurants gesucht oder diese als Favorit markiert haben, wird Gemini solche daraufhin bei Antworten auf weitere Suchen bevorzugen.

Für den Weg zum gesuchten Ort hat Gemini die Navigation zusätzlich mit einer erweiterten 3D-Ansicht aufgebohrt, was Google jetzt „Immersive Navigation“ nennt. Gebäude, Brücken und das umliegende Gelände werden nun auf Basis neuer Daten von Street View und Luftaufnahmen visuell dargestellt. Auch wichtige Details wie Ampeln, Stopp-Zeichen und Fußgängerüberwege werden angezeigt. Das soll den Nutzern helfen, sich besser zurechtzufinden. Dies ist laut Google das „größte Navigations-Upgrade seit über einem Jahrzehnt“.

Immersive Navigation in Google Maps

(Bild: Google)

Die Navigationsfunktion erklärt auch, warum eine bestimmte Route empfohlen wurde, sodass Nutzer eventuelle Alternativen besser vergleichen können. Diese Informationen basieren auf aktuellen Verkehrsdaten sowie Berichten von Nutzern über Baustellen oder Unfälle. Bei der Ankunft soll Gemini dann weitere Details wie Parkmöglichkeiten oder zusätzliche Wegbeschreibungen für den letzten Fußweg innerhalb Google Maps offerieren, wenn diese benötigt werden. All dies soll laut Google von einer überarbeiteten Sprachführung begleitet werden, die sich natürlicher anhört, „wie ein Freund, der dich durch den Weg begleitet“.

Die immersive Navigation wird derzeit in den Vereinigten Staaten für geeignete Android- und iOS-Geräte eingeführt und soll in den nächsten Monaten auf weitere Länder erweitert werden. „Ask Maps“ kommt zunächst zusätzlich nach Indien, erst auf Mobilgeräte, aber in Kürze auch für Desktop-Systeme.

(fds)