Weltgrößtes Unterseekabelsystem: Fertigstellung im Persischen Golf gestoppt
Das weltgrößte Unterseekabelsystem soll unter anderem Afrika mit Asien verbinden. Im Persischen Golf mussten die abschließenden Arbeiten jetzt gestoppt werden.
Verlegeschiff für 2Africa
(Bild: 2Africa)
Der Krieg im Nahen Osten hat jetzt auch Folgen für die Arbeit an wichtigen Unterseekabeln, ein Teil des weltweit größten Unterseekabelsystems kann derzeit nicht erweitert werden. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf das Unternehmen, das den Ausbau von 2Africa vor der Nordküste der Arabischen Halbinsel durchführen soll. Dessen Kabelverlegeschiff Ile De Batz liegt derzeit in einem Hafen in Saudi-Arabien und könne seine Arbeit nicht abschließen. Den Betreibern von 2Africa sei eine Mitteilung über höhere Gewalt zugesandt worden. Zu denen gehört auch der US-Konzern Meta. Laut Bloomberg liegt das Unterseekabel zwar größtenteils im Persischen Golf, aber noch sei es nicht an alle Landepunkte angeschlossen.
Nicht die erste Verzögerung wegen eines Konflikts
(Bild: 2Africa)
Das rund 45.000 Kilometer lange 2Africa verbindet vorrangig zahlreiche afrikanische Staaten und Europa miteinander, das Unterseekabel umrundet den Kontinent einmal. Die Abzweigung, deren Fertigstellung sich jetzt verzögert, läuft durch das Arabische Meer in den Persischen Golf und bindet Indien, Pakistan sowie die Golfstaaten an das Kabelsystem an. Erst vor wenigen Monaten waren die Arbeiten an dem Teilstück im Roten Meer unterbrochen worden, dort gab es immer wieder Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Schiffe. Wann die Lücke geschlossen und die Arbeiten an der Verbindung in den Nahen Osten abgeschlossen werden können, ist angesichts der Konflikte in der Region unklar.
Die Lage im Persischen Golf hat sich verschärft, nachdem Israel und die USA begonnen haben, Luftangriffe auf den Iran zu fliegen. Gleich zu Beginn wurde dabei Ali Chamenei, der Oberste Führer der Islamischen Republik, getötet. Der Iran hat im Gegenzug zahlreiche Staaten in der Region angegriffen und zuletzt ist die Schifffahrt in den Fokus gerückt. Die Islamische Republik hat die Straße von Hormus blockiert, die Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean. Dort wurden mehrere Schiffe angegriffen, weswegen die Arbeit an dem Unterseekabel nun zu gefährlich ist. Laut Bloomberg wurden auch Arbeiten an anderen Projekten eingestellt, keins davon sei aber so weit fortgeschritten gewesen wie 2Africa.
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2Africa sollte mehr als die Gesamtkapazität aller Unterwasserkabel bieten, die Afrika damals versorgt haben, hieß es zur Anlandung in Südafrika Anfang 2023. Schon damals war aber auch drauf verwiesen worden, dass das Kabelsystem „in weiten Teilen des Nahen Ostens, Indiens, Pakistans und Afrikas dringend benötigte Internetkapazitäten und -zuverlässigkeit bereitstellen und das Wachstum von 4G, 5G und festen Breitbandzugängen für Hunderte von Millionen Menschen unterstützen“ werde. Wichtig ist das Projekt zudem als Verbindung zwischen Afrika und dem Rest der Welt. Dem machen die Konflikte im Nahen Osten jetzt vorerst einen Strich durch die Rechnung.
(mho)