Licht, Linien, leise Momente: Die Bilder der Woche 11
Polarlicht, Eisstrukturen und stilles Wasser: Diese Auswahl zeigt, wie Fotografie aus Licht, Form und Timing eindrucksvolle Bildgeschichten formt.
Auch in dieser Woche zeigt die c’t‑Foto-Community, wie vielseitig Fotografie sein kann. Die ausgewählten Bilder reichen von stillen Landschaften und architektonischen Linien bis zu experimentellen Nahaufnahmen. Licht spielt dabei oft die Hauptrolle: Es zeichnet Strukturen nach, lässt Farben aufleuchten oder formt grafische Kontraste. Manche Motive wirken fast abstrakt, andere erzählen leise Geschichten aus Natur und Alltag.
Auffällig ist das Gespür der Fotografen für klare Bildgestaltung. Linien führen den Blick, reduzierte Kompositionen schaffen Ruhe, und gezielt eingesetzte Schärfe trennt Motiv und Hintergrund. Ob Winterwald, Ostseestrand oder nächtlicher Himmel – jedes Bild nutzt fotografische Technik und Perspektive, um vertraute Motive neu zu zeigen. So entsteht eine abwechslungsreiche Reise durch unterschiedliche Stimmungen und Bildideen.
Königsberg – Discolights von dg9ncc
(Bild:Â dg9ncc)
Auf einem Hügel stehen kahle Bäume als schwarze Silhouetten. Über ihnen leuchten Polarlichter in Rosa und Grün. Der Sternenhimmel wirkt klar und ruhig. Die Baumgruppe steht genau auf der Kuppe. Der Horizont teilt das Bild sauber. Die senkrechten Lichtstrahlen erinnern an Scheinwerfer und setzen starke Akzente im weiten Himmel. Es ist kein grelles Spektakel, sondern ein stiller Moment mit der Aurora Borealis.
Zur Entstehung der Aufnahme berichtet der Fotograf: „Eine Besonderheit ist die verwendete Linse: Eine 14mm-20 mm f/2.0 Tokina APS-C Linse adaptiert auf "fullframe" und ein wenig geschnitten, um die Vignette zu verbergen. Die Fotografie besteht aus einer einzigen Aufnahme, sie ist nicht gestackt, es war einfach hell genug, um auch den Vordergrund herauszuarbeiten und um etwas Tiefe ins Bild zu bekommen. Mit dem Stacking gingen die einzelnen Leuchterscheinungen der Aurora in einem Summenbild unter. Diese Aufnahme habe ich ausgewählt, weil wenig grünes Licht enthalten ist und das rote Band mit den helleren Vorhängen mehr Ruhe ausstrahlt.“
jemand zuhause? von uschi1956
(Bild:Â uschi1956)
Ein Schneckenhaus leuchtet von innen wie eine kleine Laterne. Das warme Gelb und Orange strahlt durch die spiralförmigen Windungen und zieht den Blick ins Zentrum. Davor liegen dunkle Pflanzen, die das Licht rahmen. Die Fotografin rückt ganz nah heran. Das Licht macht die feinen Strukturen sichtbar und trennt das helle Haus klar vom schwarzen Hintergrund. So wirkt das Schneckenhaus wie ein bewohntes Miniaturhaus. Das Bild verwandelt die Natur in ein stilles Bühnenmotiv.
Alles schmilzt von Rudolf Wildgruber
(Bild:Â Rudolf Wildgruber)
Das Bild zeigt Eis aus einer Regentonne, dessen wellige Oberfläche ein intensives Farbspektrum in den Farben Rot, Grün, Blau und Gold zaubert. Der Fotograf ist sehr nah an das Motiv herangegangen und zeigt so die Strukturen und Muster in einer fast abstrakten Ansicht. Linien und Blasen durchziehen die Fläche wie flüssiges Glas. Die Farben setzen starke Akzente in diesem Gewirr aus Formen. So wird ein Stück Eis zum Experiment mit Licht. Das Bild zeigt eindrucksvoll, wie aus Alltäglichem ein Farbrausch entstehen kann.
Über das Bild berichtet der Fotograf: „Es ist immer wieder faszinierend, welche Strukturen sich in einer Eisplatte durch geschickte Beleuchtung entdecken lassen. In diesem Fall war das Eis bereits einige Zeit der Sonne ausgesetzt, die die harten Kanten durch Schmelzen gerundet hat. Mithilfe eines Prismas leite ich das Sonnenlicht auf ein Stück Eis und verstärke die Farben und die Konturen anschließend in einem Bildbearbeitungsprogramm.“
S t u t t g a r t von Joachim Kiner
(Bild:Â Joachim Kiner)
Der Stuttgarter Fernsehturm ragt klar und schlank in den fast weißen Himmel. Keine Ablenkung, kein Beiwerk, nur dieses eine Bauwerk. Der Fotograf setzt auf Highkey: Der helle Hintergrund lässt den Turm wie eine grafische Linie im Raum wirken. In Schwarz-Weiß gehalten und mit Colorkey auf den roten Antennenelementen zieht der Blick sofort nach oben. Die Komposition und die strenge Vertikale geben dem Bild Ruhe und Kraft zugleich. So wird aus Architektur ein Statement.
Lichtspuren im Schatten von Matthias.Portrait
(Bild:Â Matthias.Portrait)
Ein Passant kreuzt einen Platz, doch die Hauptrolle spielt hier das Licht. Auf dem gepflasterten Boden liegen dichte Schatten und helle Bahnen, als hätte jemand ein Muster auf die Steine gemalt. Die Backsteinfassade mit ihren runden Fenstern und der gezackten Kante oben verstärkt dieses Spiel der Formen, das nur bei hohem Sonnenstand zu sehen ist. Die Schwarzweiß-Umsetzung schärft die Kontraste und nimmt jede Ablenkung durch Farbe heraus.
Videos by heise
Stille von Lula
(Bild:Â Lula)
Sanfte Wellen laufen über den winterlichen Strand der Ostsee bei Rerik. Im Vordergrund liegen dunkle Steine im flachen Wasser. Der helle Schaum umspült sie und zeichnet feine Linien in den Sand. Dahinter ruht der Horizont in kühlen, gedämpften Farben.
dry my wings von anbeco4macro
(Bild:Â anbeco4macro)
Ein Kormoran steht am Wasser und breitet seine Flügel aus, um das Gefieder zu trocknen. Sein dunkles Federkleid wirkt fast metallisch, und im Licht zeigt sich die feine Struktur der Federn. Der gelbe Bereich am Schnabel setzt einen starken Farbakzent. Der dunkle Hintergrund verstärkt den Kontrast und hebt das Tier klar hervor. Die ausgebreiteten Flügel füllen das Bild aus und betonen dessen Größe und Form. So entsteht ein eindrucksvolles Porträt dieses Wasservogels in einer ruhigen, starken Pose.
Galeriefotografin Anne Bender erläutert den Hintergrund: „Bei einem Fotospaziergang im Bühler Schlosspark entdeckte ich den Kormoran am Ufer. Er saß ruhig, mit ausgebreiteten Flügeln, in der Sonne und trocknete sein Gefieder. Die Gelegenheit habe ich genutzt und einige Fotos geschossen. Die anschließende Bildbearbeitung, zum Beispiel Abdunkelung des Hintergrundes und Erhöhung des Kontrastes auf dem Gefieder, gibt dem Bild Dramatik, stellt den Vogel in den Vordergrund und betont den metallischen Charakter seines Federkleides.“
(vat)