Schauspieler sollen Künstlicher Intelligenz Emotionen antrainieren
Die KI-Plattform Handshake AI sucht nach Menschen mit Schauspielerfahrung. Sie sollen KI-Modellen helfen, authentisch wirkende Emotionen darzustellen.
Schauspieler üben Szenen und Dialoge: KI-Anbieter wollen offenbar ihre Sprachmodelle mit solchem Material trainieren. Symbolbild.
(Bild: LightField Studios / Shutterstock.com)
Handshake AI sucht in einer Stellenanzeige nach Menschen mit Erfahrung in Schauspiel, Improvisation, Theater oder Sketch-Comedy. Die Darsteller sollen in Online-Sitzungen gemeinsam improvisierte Szenen spielen und spontane Dialoge entwickeln. Zu den geforderten Qualifikationen gehört unter anderem die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, auszudrücken und zwischen ihnen zu wechseln, und zwar auf eine Weise, „die authentisch und menschlich wirkt“. Für die Schauspieler stellt Handshake rund 75 US-Dollar pro Stunde in Aussicht.
Was genau mit den Aufnahmen bezweckt wird, schreibt Handshake AI nicht. Die Stellenanzeige legt jedoch nahe, dass das von Menschen produzierte Trainingsmaterial KI-Systemen helfen soll, Emotionen und Gesprächssituationen besser zu verstehen und nachzuahmen. Davon könnten etwa KI-Assistenten mit natürlicher Sprachinteraktion profitieren, wie sie etwa OpenAI oder Google anbieten.
Das Unternehmen schreibt selbst, es suche „Experten“, die dabei helfen sollen, die Grenzen der weltweit führenden Sprachmodelle auszuloten, wobei Ergebnisse zur Entwicklung der nächsten Generation von KI-Modellen beitragen sollen. Handshake AI fungiert dabei als Vermittlerin und Schnittstelle zwischen den gesuchten Fachkräften und KI-Anbietern. Dazu zählt nach Medienberichten auch OpenAI.
Sorge vor der Entwertung des eigenen Berufs
Neu ist es nicht, Menschen für Sprachaufnahmen in KI-Projekten einzusetzen. Auch andere KI-Jobvermittler wie Mercor und Scale AI suchen nach entsprechenden Profilen. Bemerkenswert an der Stellenanzeige ist, wie explizit sie Schauspiel und Improvisation selbst zur eigentlichen Aufgabe macht. Gesucht werden nicht nur Sprecher, sondern gezielt Darsteller, die in „ungeskripteten und ergebnisoffenen Szenen“ natürlich wirkende Interaktionen entwickeln sollen.
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Handshake wurde 2014 gegründet und war ursprünglich eine Jobplattform für Studierende und Berufseinsteiger. Mit dem KI-Boom hat Handshake dieses Modell erweitert: Unter dem Namen Handshake AI vermittelt die Plattform heute Fachkräfte an KI-Anbieter, die menschliches Feedback, Trainingsdaten und Tests für ihre Modelle benötigen. Gesucht werden dabei weniger allgemeine Clickworker als vielmehr gezielt gut ausgebildete Experten, etwa aus Medizin, Recht, Naturwissenschaften oder Technik, mit Schauspielern und Performern als offenbar neuester Ergänzung. Das Ziel ist dabei stets, Lücken im Wissen oder in den Fähigkeiten der KI-Modelle zu schließen.
Wie andere Plattformen in diesem rasch wachsenden Markt sieht sich auch Handshake AI teilweise mit Vorwürfen konfrontiert. So soll das Unternehmen in einigen Fällen Zahlungen zurückgehalten haben. Beim Konkurrenten Mercor berichteten Auftragnehmer dagegen von unregelmäßiger Aufgabenvergabe und sinkender Vergütung. Hinzu kommt die grundsätzliche Sorge vieler Beteiligter, mit dieser Arbeit KI-Systeme zu trainieren, die den eigenen Beruf langfristig entwerten könnten.
(tobe)