Prozessorbetrug bei Chuwi und Ninkear: Notebooks gaukeln falsche CPU vor
Mehrere chinesische Hersteller bewerben einen Ryzen 5 7430U in ihren Notebooks. Tatsächlich sitzt jedoch ein alter Ryzen 5 5500U im Inneren.
(Bild: Chuwi)
In mehreren chinesischen Notebooks steckt nicht der Prozessor, den die Hersteller bewerben. Bekannt sind die Probleme bislang bei Modellen von Chuwi (CoreBook X, CoreBook Plus) und Ninkear (A15 Pro).
Statt des Ryzen 5 7430U mit sechs Zen-3-Kernen kommen betroffene Modelle mit dem Ryzen 5 5500U. Er verwendet zwar ebenfalls sechs CPU-Kerne, gehört aber zur Zen-2-Generation. Neben der älteren Architektur taktet der Prozessor niedriger und hat nur halb so viel Level-3-Cache. Unterm Strich ist er rund 15 Prozent langsamer.
Teilweise Verschleierung
Bei dem falschen Prozessor handelt es sich nicht bloß um ein Versehen. Die Firmware ist so manipuliert, dass Auslese-Tools wie CPU-Z, AIDA64 und Hwinfo64 den falschen Namen Ryzen 5 7430U anzeigen. Erkennen lässt sich der Betrug jedoch an den angegebenen Taktfrequenzen und dem Codenamen: Tools zeigen einen Basistakt von etwa 2,1 GHz und den Codenamen Lucienne an – beides passt zum Ryzen 5 5500U. Der Ryzen 5 7430U hat einen Basistakt von 2,3 GHz und gehört zur Familie Barcelo-R.
Ein eindeutiges Zeichen liefert auch der Prozessor selbst. Auf einem echten Ryzen 5 7430U steht die Modellnummer 100-000001471, auf einem Ryzen 5 5500U dagegen 100-000000375. Zum Überprüfen muss man allerdings das Notebook-Gehäuse öffnen, den Kühler abnehmen und die Wärmeleitpaste entfernen.
(Bild:Â heise medien)
Fälle häufen sich
Schon vor Monaten stellten Reddit-Nutzer Unstimmigkeiten bei Chuwi-Notebooks fest. Chinamobilemag bestätigte sie dann anhand mehrerer Modelle, gefolgt von Notebookcheck. heise online hat ebenfalls Zugriff auf ein betroffenes CoreBook X. Berichte über Ninkear-Notebooks kamen im Golem-Forum auf. Ninkear-Exemplare mit einem echten Ryzen 5 7430U verdeutlichen allerdings, dass nicht alle Chargen betroffen sind.
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Notebookcheck bringt derweil einen chinesischen Auftragsfertiger ins Spiel, der sowohl Chuwi als auch Ninkear beliefern könnte: Emdoor Digital alias Shenzhen Emdoor Information Technology. Auf diesen Hersteller deuten Modellnummern auf den Mainboards in Chuwi- und Ninkear-Notebooks hin.
Selbst wenn der Betrug vom Auftragsfertiger ausgeht, verhält sich zumindest Chuwi suspekt: Laut Notebookcheck hat die Firma wiederholt mit rechtlichen Schritten gedroht, sollten Meldungen zu den falschen Prozessoren nicht offline genommen werden.
(mma)