Ende vom E-Rezept-Dienst PrescribeIT: Kanada plant Wechsel zu offenem System

Mit dem Aus von PrescribeIT endet ein zentraler E‑Rezept‑Dienst. Künftig sollen Anbieter auf Basis eines offenen Standards eigene Lösungen entwickeln.

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Medikamente in der Apotheke. Dahinter ein Mann im weiĂźen Kittel.

(Bild: juanma Cuevas/Shutterstock.com)

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Das E-Rezept in Deutschland sorgt vor allem aufgrund von Störungen rund um den zentralen Dienst nach wie vor für Kritik. International verfolgen die Länder unterschiedliche Wege bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dort zeigt sich, dass die Strategien sich auch im laufenden Betrieb ändern können. Das E-Rezept „PrescribeIT“ wird in Kanada Ende Mai 2026 eingestellt. Das geht aus Angaben der staatlich finanzierten Organisation Canada Health Infoway hervor, die das System betreibt. PrescribeIT ist, anders als das E-Rezept in Deutschland, ein freiwilliger Dienst und gilt als zentraler, landesweit koordinierter E‑Rezept‑Dienst, während andere Lösungen meist regional oder an einzelne Softwareanbieter gebunden sind.

Als Gründe nennt Infoway in einer Stellungnahme ein fehlendes langfristig tragfähiges Finanzierungsmodell sowie eine insgesamt zu geringe Verbreitung. Mehrere Medien wie Canadian Healthcare Network berichten ebenfalls, dass PrescribeIT nicht die erforderliche Verbreitung im Gesundheitssystem erreicht habe. Statt eine zentrale Plattform weiterzuführen, plant die Organisation demnach die Einführung eines offenen nationalen Standards für elektronische Verschreibungen, der ab 1. Mai 2026 bereitgestellt werden soll.

Wie Infoway weiter mitteilt, soll dieser Standard es verschiedenen Softwareanbietern ermöglichen, eigene, miteinander kompatible Lösungen zu entwickeln. Ziel sei es, Wettbewerb zu fördern und die Integration in bestehende Systeme zu erleichtern.

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Ärztinnen und Ärzte verweisen unterdessen auf praktische Herausforderungen beim Übergang. Gegenüber dem kanadischen Sender CBC sagte ein Hausarzt aus Ontario, PrescribeIT ermögliche derzeit eine schnelle elektronische Übermittlung von Rezepten sowie die Bearbeitung von Verlängerungen direkt in der Patientenakte. Ohne ein unmittelbar verfügbares Ersatzsystem könnten Praxen wieder auf andere Verfahren wie Fax zurückgreifen müssen. Mehrere Ärzte erklärten laut CBC, dass damit teils eine Rückkehr zur Fax-Kommunikation im Praxisalltag drohen könnte.

Aus der Politik kommt vor allem der Ruf nach klarer Kommunikation. Der Abgeordnete Andrew Lawton erklärte gegenüber CBC, es müsse frühzeitig deutlich gemacht werden, welche Lösungen nach dem 29. Mai bereitstehen. Unklar bleibt, wie schnell auf Basis des angekündigten offenen Standards konkrete Anwendungen flächendeckend verfügbar sein werden.

(mack)