Blender 5.1: Audio-, Text- und Strahleneffekte

Die freie 3D-Software Blender 5.1 bringt Vulkan-Support, Raycast-Funktionen fĂĽr Strahleneffekte und enge Verzahnung von Videoschnitt und Compositor.

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Gerendertes Blender-Bild mit niedlichem Tierchen

Der Splash Screen von Blender 5.1 zeigt eine Szene aus dem neuen Open Movie “Singularity” der Blender Animation Studios.

(Bild: blender.org)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Gottfried Hofmann
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Open-Source-3D-Software Blender steht ab sofort in Version 5.1 zum Download für Windows, macOS und Linux sowie als Quellcode zum Download zur Verfügung. Die neue Version kommt unter der Haube mit vollständiger Unterstützung für die Grafikschnittstelle Vulkan, kann Nodes über Blender-Instanzen hinweg transportieren und bringt den Compositor, in dem man fertige Sequenzen oder Bilder nachbearbeitet, und den Video Sequence Editor näher zusammen.

Über die neue Raycast-Node kann man beim Rendern zusätzliche Strahlen verschicken lassen, um die nähere Umgebung abzutasten. So kann man beispielsweise Strahlen beim Auftreffen auf der Haut eines Characters nach Innen schicken, um wie bei einem Röntgenbild das Skelett darzustellen. Die Funktion lässt sich auch für cartoonartige Effekte nutzen.

Blender 5.1 führt eine neue Raycast-Node ein, mit der sich beim Rendern zusätzliche Strahlen aussenden lassen, wie hier für einen Röntgen-Effekt.

Blender bringt ein eigenes System zum Schneiden und Bearbeiten von Videos mit, den Video Sequence Editor (VSE). Dieser arbeitet in Version 5.1 besser mit dem anderen Bereich von Blender für die Nachbearbeitung von Videos zusammen, dem Compositor. Letzterer hat eine neue Node mit dem Namen “Sequencer Strip Info” erhalten. Sie greift auf Attribute eines Strips im VSE zu wie dessen Start- und Endzeitpunkt. Die Effekte im Compositor lassen sich auf diese Weise mit dem Videoschnitt synchronisieren. Außerdem lässt sich im Compositor ein Setup für den VSE erstellen.

Bei Audiospuren im VSE lassen sich jetzt die Tonhöhen anpassen. Der Effekt kann klassisch über Halbtöne gesteuert werden oder über die Angabe eines Verhältnisses, etwa dass eine Tonspur 30 Prozent tiefer klingen soll. Außerdem kann man Audiostrips jetzt einen Echoeffekt hinzufügen.

Metastrips sind im VSE Spuren, bei denen mehrere Elemente zusammengefügt wurden, etwa zwei Audiospuren. In Blender 5.1 haben Metatstrips jetzt eine übergreifende Lautstärkekorrektur, wodurch sich die gemeinsame Lautstärke aller Audiospuren auf einmal anpassen lässt.

In Blender kann man seine Szenen auch mittels VR-Brillen ansehen. Dabei wird vielen Nutzern übel, vor allem, wenn sie sich vorwärtsbewegen. Daher hat sich eingebürgert, zu teleportieren. Für Blender 5.1 haben die Entwickler die Bedienung der Teleportfunktion mächtig aufgebohrt und an gewachsene VR-Konventionen angepasst. Jetzt macht die Software deutlich, wohin man teleportiert. Ein Widget verhindert mit einem roten Signal versehentliches teleportieren in eine Wand.

Links eine gĂĽltige Teleportvorschau mit Ziel auf dem Boden. Rechts der Versuch, sich auf die Wand zu teleportieren. Die Szene istammt aus dem Hallwyl Museum in Stockholm, erstellt von Realityscan.

Bisher setzte Blender auf OpenGL als Grafikschnittstelle. In naher Zukunft wollen die Entwickler auf das modernere Vulkan wechseln und durch die Bank von besserer Performance und schnelleren Ladezeiten profitieren. Das Vulkan-Backend war bei der VR-Szenenvorschau bisher deutlich langsamer als OpenGL. In Blender 5.1 ist diese letzte PerformancelĂĽcke geschlossen und Vulkan damit in allen Punkten mindestens gleichauf mit OpenGL. Daher dĂĽrfte die Grafikschnittstelle in einer der kommenden Blenderversionen zum Standard werden.

Viele Bereiche in Blender werden ĂĽber sogenannte Nodes gesteuert. Das sind Knoten mit Funktionen, die ĂĽber Eingangs- und Ausgangswerte mit anderen Knoten verbunden werden. Die dabei entstehenden Node-Trees lassen sich jetzt zwischen Blender-Instanzen per Copy & Paste in der Zwischenablage austauschen. Das funktioniert auch zwischen unterschiedlichen Arten von Node-Editoren, zum Beispiel zwischen dem Shader Editor und dem Compositor.

Das Bild zeigt einen groĂźen Node-Tree, deren Kontenpunkte alle erdenklichen grafischen Eigenschaften steuern. In Blender 5.1 lassen sich die einzelnen Nodes ĂĽber Blender-Instanzen hinweg kopieren.

Mit Geometry-Nodes kann man in Blender eigene Werkzeuge bauen. In Blender 5.1 wurde der Umgang mit Text deutlich verbessert. Die Node “Strings to Curves” hat dafür zahlreiche Eingangssockets bekommen. Damit kann man jetzt nahezu jeden Parameter eines Textes animieren, sei es der Zeichenabstand, die Ausrichtung oder eine Box um den Text.

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Die Blender-Community hat eine Reihe neuer Nodes zum Bearbeiten von Voxel-Gittern beigesteuert. Voxel sind eine dreidimensionale Form von Pixeln, die fĂĽr volumetrische Effekte genutzt werden.

Die neue Clip-Grid-Node deaktiviert alle Voxel außerhalb eines definierten Würfels. Die Node “Cube Grid Topology” hingegen erzeugt einen Würfel, in dessen Gitter alle Voxel aktiviert sind. “Grid Mean” und “Grid Median” berechnen den Mittelwert beziehungsweise Median aller Voxel in einem Gitter. Mit “Grid Dilade” und “Grid Erode” werden die aktiven Bereiche in einem Gitter verkleinert respektive erweitert. Wenn man zuerst ein Dilade, dann ein Erode durchführt, lassen sich damit Löcher im Gitter schließen.

Die Node “Grid to Points” erzeugt auf jedem aktiven Voxel eines Gitters einen Punkt. Diese Punkte lassen sich verwenden, um Instanzen von Objekten zu erzeugen. So kann etwa jeder Voxel eines Gitters als Würfel dargestellt werden, was wiederum beim Debugging von Voxelgittern hilft.

(akr)