Schufa fĂĽhrt neuen Score und neues Nutzerkonto ein
Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei berechnet die Bonität von Verbrauchern ab sofort neu. Die Transparenz steigt stark, doch Probleme bleiben.
(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)
Die Schufa hat ein neues System eingefĂĽhrt, mit dem sie die KreditwĂĽrdigkeit von Verbrauchern berechnet. An die Stelle des bisherigen Prozentwertes, der theoretisch von 0 bis 100 Prozent reicht, tritt ab sofort ein Punktwert zwischen 100 und 999. Zugleich legt die Schufa deutlich transparenter als bisher offen, wie sie diesen sogenannten Score berechnet.
Ein vergleichsweise einfaches Verfahren lässt Verbraucher detailliert nachvollziehen, welche Parameter mit welcher Gewichtung in ihren Score einfließen. So lässt sich leichter nachvollziehen, wie sich beispielsweise ein neues Girokonto oder ein Ratenkredit darauf auswirken.
Begleitet wird der neue Score von einem neuen, direkt bei der Schufa angesiedelten Nutzerkonto. Verbraucher können darüber nach vorheriger Registrierung kostenlos ihren Score und seine Zusammensetzung sowie sämtliche bei Schufa gespeicherten Einträge einsehen.
Vereinfachtes Scoring soll aktuelle Trends berĂĽcksichtigen
Mit dem neuen Score will die Schufa bis voraussichtlich Ende 2028 die bisherigen sechs Branchenscores ersetzen. AuĂźerdem verschwindet der sogenannte Basisscore. Er lieferte Verbrauchern zwar einen Orientierungswert, konnte aber von den Branchenscores abweichen und war anders als diese fĂĽr Kredit- oder Vertragsentscheidungen nicht verbindlich.
Der neue Score hingegen soll für Verbraucher und Schufa-Geschäftskunden wie Banken oder Händler künftig derselbe sein. Die Schufa betont, dass die Werte der alten und des neuen Scores nicht vergleichbar seien und 98,5 Prozent nicht 985 Punkten entsprächen. Tatsächlich begann ein als hervorragend klassifizierter Score bisher bei 97,22 Prozent, fortan ist dies bei 776 Punkten der Fall.
Nach eigenen Angaben will die Schufa mit dem neuen Score sowie einem kostenlosen Nutzerkonto dem Trend zu mehr Transparenz und Datenkontrolle nachkommen – ganz im Sinne ihrer 2022 selbst verkündeten „Transparenzoffensive“. In einer FAQ heißt es unter anderem, das Verfahren und der persönliche Score seien „ganz ohne statistische Fachkenntnisse“ nachvollziehbar.
Zudem hätte sich seit Einführung des bisherigen Scores im Jahr 2016 das Verhalten vieler Menschen verändert, im Konsum etwa durch mehr kleine Kredite oder allgemein durch eine verstärkte Nutzung von Vergleichsplattformen (beispielsweise vor Kontowechseln oder Kreditaufnahmen). Das neue Scoring soll solche Szenarien berücksichtigen, indem mehrere bonitätsrelevante Anfragen zu Krediten oder Bankprodukten wie Girokonten und Kreditkarten innerhalb von 28 Tagen wie eine einzige behandelt werden.
Neues Nutzerkonto
Die Schufa ergänzt den neuen Score mit einem neuen Nutzerkonto namens „Schufa-Account“. Es ist direkt bei der Schufa angesiedelt und stand bislang nur als Beta-Version mit Warteliste zur Verfügung. Nunmehr können Verbraucher sich dort ohne diese Hürden registrieren und anschließend ihren Schufa-Score nach dem neuen Verfahren einsehen.
Möchte man einen „Schufa-Account“ einrichten, muss man sich zunächst identifizieren. Am schnellsten geht dies mithilfe des elektronischen Personalausweises (eID). Alternativ kann man sich einen PIN per Post zusenden lassen. Andere Verfahren bietet die Schufa nicht an. Da die Auskunftei bisher keine Zwei-Faktor-Authentifizierung eingerichtet hat (diese soll nachgerüstet werden), sollte man unbedingt ein starkes Passwort verwenden, am besten aus einem Passwort-Manager.
Angezeigt wird im neuen Nutzerkonto der Wert zu Quartalsbeginn. Tagesaktuelle Werte sind weiterhin dem „Meine Schufa“-Konto vorbehalten, das im Abo ab 5 Euro pro Monat kostet.
Das „Meine Schufa“-Konto liefert ab sofort ebenfalls den neuen Score aus. Gleiches gilt für den nicht unumstrittenen Dienst „Bonify“ der Schufa-Tochter Forteil GmbH. Auch die kostenlose schriftliche Auskunft nach Artikel 15 DSGVO, von der Schufa „Datenkopie“ genannt, enthält fortan den neuen Score. Zumindest dort sollten aber auch noch sogenannte Branchenscores nach dem bisherigen Prinzip auftauchen, zumindest dann, wenn Geschäftskunden der Auskunftei diesen innerhalb der vorherigen zwölf Monate angefordert haben.
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Die Ausgestaltung werden wir in den kommenden Wochen genauer beobachten, ebenso die kostenpflichtigen Angebote „BonitätsCheck“ und „BonitätsAuskunft“ sowie die Gestaltung des „Meine Schufa“-Kontos. So lieferte die Schufa die „BonitätsAuskunft“ bei Erstellung dieses Artikels weiterhin den „Orientierungswert“ sowie die Branchenscores nach dem bisherigen Muster aus. Ein Blick in das „Meine Schufa“-Konto ergab außerdem, dass dort registrierte Kunden für die detaillierte Aufschlüsselung ihres Scores zusätzlich den neuen „Schufa-Account“ benötigen.
Perspektivisch will die Schufa diese Konten zusammenführen. Auch Services wie gesonderte Benachrichtigungen bei Negativeinträgen sollen folgen.