WTF

Wegen Wette auf Polymarket: Bedrohter Journalist sollte Bericht ändern

Ein israelischer Zeitungsbericht hätte eine Wette auf Polymarket entscheiden müssen. Das wollten nicht alle akzeptieren, stattdessen wurde der Autor bedroht.

vorlesen Druckansicht 10 Kommentare lesen
Polymarket-Schriftzug auf einem Display

(Bild: PJ McDonnell/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Internetwettenportal Polymarket hat Belästigungen und Drohungen gegen einen israelischen Journalisten verurteilt, dessen Bericht eine millionenschwere Wette aufgelöst hat. Der Reporter Emanuel Fabian hat die Geschehnisse vorher selbst in einem Artikel bei der Times of Israel öffentlich gemacht. Polymarket versichert, die Konten aller Beteiligten gelöscht zu haben und die dazugehörigen Informationen an die relevanten Behörden weitergegeben zu haben. Ob die Angelegenheit damit für den Journalisten ausgestanden ist, ist noch nicht klar.

WTF
WTF

Das Internet ist voll von heiĂźen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind fĂĽr /dev/null.

Wie Fabian ausführt, hat er am 10. März den Einschlag einer ballistischen Rakete aus dem Iran in ein Waldstück nahe der Stadt Bet Schemesch publik gemacht. Das war Teil der Berichterstattung zum Krieg zwischen Israel sowie den USA gegen den Iran. Verletzte gab es dabei nicht. Noch am selben Tag habe er aber die erste E-Mail bekommen, in der er aufgefordert wurde, ein Detail zu ändern. Er solle schreiben, dass keine iranische Rakete eingeschlagen ist, sondern das Fragment einer israelischen Abfangrakete. Das habe offiziellen Stellungnahmen aber widersprochen. Danach habe er unter anderem auf Discord, auf X und über WhatsApp immer mehr solcher Aufforderungen bekommen, verbunden mit zunehmend drastischen Drohungen.

Erst Tage später hat der Journalist laut seiner eigenen Aussage verstanden, dass eine Wette auf Polymarket hinter den Drohungen stand. In der haben Menschen darauf oder dagegen gewettet, ob am 10. März eine iranische Rakete oder Drohne auf israelische Erde einschlagen würde. Abgefangene Waffen zählen nicht. Der Bericht in der Times of Israel habe nun dafür gesorgt, dass hier diejenigen den Gewinn einstreichen können, die dabei mit „Ja“ gestimmt haben. Ein Konsens aus Berichten glaubwürdiger Medien kann solche Wetten auflösen. Der Journalist legt nahe, dass die vorgeschlagene Änderung an seinem Artikel dazu führen sollte, dass die Wette doch zugunsten der „Nein“-Stimmen gewertet werden würde. Stattdessen hat er sich an die Polizei gewandt und wurde bereits befragt.

Videos by heise

Auf Internetportalen wie Polymarket kann man auf das Eintreten bestimmter Ereignisse wetten. Zuletzt standen die Plattformen in der Kritik, weil es immer wieder Hinweise auf den Einsatz von Insiderwissen gab. Mitte Februar wurden in Israel sogar schon zwei Personen angeklagt, die mit internen Informationen aus dem Militär auf das Eintreten bestimmter Ereignisse Wetten auf Polymarket abgeschlossen haben sollen. Anfang des Jahres hat ein Account auf der Plattform 400.000 US-Dollar eingenommen, weil er richtig getippt hatte, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro nicht mehr lange im Amt sein würde. Der bedrohte israelische Journalist sorgt sich nun, dass andere nicht so moralisch handeln würden – vor allem wenn ihnen ein Anteil am Gewinn geboten würde.

(mho)