Freelancer: Die Unsicherheit wächst, die Honorare sinken

Die kriselnde deutsche Wirtschaft macht auch vor den Freelancern nicht halt: Weniger Honorar, zurückhaltende Auftraggeber und mehr Arbeit beuteln das Geschäft.

vorlesen Druckansicht 13 Kommentare lesen
MĂĽder Mann vor einem Laptop

(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Erstmals seit Jahren sind die durchschnittlichen Stundensätze für Freiberufler gesunken, wie aus dem aktuellen Freelancer-Kompass der Plattform freelancermap hervorgeht. Demnach liegt der durchschnittliche Stundensatz nun bei 103 Euro – ein Euro weniger als noch im Vorjahr.

(Bild: freelancermap)

Mit 55 Prozent zeigte sich noch die Mehrheit zufrieden mit ihrem Einkommen. Aber auch hier ist der Wert deutlich gesunken – im Vorjahr waren es noch 66 Prozent. Angesichts des geschrumpften durchschnittlichen Einkommens aus Projektarbeit pro Monat verwundert das nicht: Für 2025 hatte freelancermap einen Wert von 8432 Euro ermittelt (abzüglich Steuern, Sozialabgaben, Pflichtversicherungen) – aktuell seien es dann noch 6653 Euro. Das sind rund 21 Prozent weniger.

Spielraum nach oben bei den Stundensätzen sehen die meisten Freelancer offenbar nicht. 62 Prozent planen keine Erhöhung ihrer Preise, 9 Prozent wollen 2026 sogar weiter heruntergehen. Gründe dafür sind vor allem ausbleibende Aufträge (61 Prozent) und starker Wettbewerb (31 Prozent). 29 Prozent wollen erhöhen.

(Bild: freelancermap)

„Viele Freelancer spüren die angespannte wirtschaftliche Lage am eigenen Leib. Gerade jetzt kommt es darauf an, den eigenen Marktwert zu kennen und aktiv zu gestalten“, kommentierte freelancermap-Chef Thomas Maas die Ergebnisse. Eigenen Angaben nach hat freelancermap insgesamt 5412 Freelancer, Freiberufler und Selbstständige in vier Umfragen zwischen dem 17. November 2025 und dem 8. Februar 2026 befragt.

Die Stundensätze unterscheiden sich je nach Fachgebiet. Im Feld Beratung und Management liegen sie im Schnitt bei 121 Euro, SAP- und ERP-Projekte erreichen 113 Euro, Data-Analytics 108 Euro und Software- sowie Webentwicklung 91 Euro. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die Zufriedenheitswerte zur eigenen Lage aus. Während bei SAP und ERP die Zufriedenen deutlich in der Mehrheit sind (71 Prozent), halten sich bei der Software-Entwicklung Zufriedene (54 Prozent) und Unzufriedene (46 Prozent) fast die Waage.

Trotz deutlich sinkender Einkommen steigt aber laut den Befragungen die Arbeitsbelastung für die Freiberufler. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit hat sich demnach von 40 Stunden im Jahr 2025 auf 42 Stunden erhöht. Fast jeder Fünfte (19 Prozent) kommt sogar auf bis zu 50 Stunden. Zwölf Prozent der Befragten arbeiten noch mehr.

Die Zurückhaltung der Auftraggeber bekommen die Freelancer deutlich zu spüren. 62 Prozent nennen die Akquise als größte Herausforderung, 43 Prozent berichten von unsicherem Einkommen und längeren Projektpausen. 49 Prozent der Befragten melden auch eine schlechtere Auftragslage im Vergleich zum Vorjahr. 52 Prozent sehen in der unsicheren Lage ihr größtes Risiko für die Zukunft. Als größtes rechtliches Defizit sehen 62 Prozent die Problematik der Scheinselbstständigkeit.

Videos by heise

Insgesamt schätzt jeder Vierte der Befragten seine eigene wirtschaftliche Lage als schlecht ein, jeder Zehnte sogar als sehr schlecht. Dennoch steht eine Mehrheit trotz der aktuellen Unsicherheit zu ihrem Schritt in die Selbstständigkeit: 84 Prozent würden sich wieder so entscheiden.

(axk)