Pentagon beginnt Ablösung von Anthropic, KI-Dienste von OpenAI stehen bereit
Nach der Eskalation im KI-Streit mit Anthropic werden Claude & Co. langsam ersetzt. Die US-Regierung beginnt, KI von OpenAI über die Amazon-Cloud zu nutzen.
(Bild: Ivan Cholakov/Shutterstock.com)
Das US-Verteidigungsministerium hat erste Schritte eingeleitet, KI-Dienste von Anthropic aus den eigenen Prozessen wie den aktuellen Militäroperationen im Iran durch Alternativen zu ersetzen. Das ist die Folge der Eskalation im Streit um die Nutzung der KI-Technik für das US-Militär. Nach Angaben hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter wird die Ablösung von Anthropic-Produkten wie Claude mehr als einen Monat dauern, aber man arbeitet derzeit an der Integration anderer großer Sprachmodelle. Dazu dürften KI-Dienste von OpenAI gehören, die jetzt über Amazons Cloud-Angebote auch an US-Behörden verkauft werden.
In einem Interview hat Cameron Stanley, Leiter der Abteilung für Digitales und KI im Pentagon, ChatGPT als Alternative zu Claude allerdings nicht genannt. „Das Ministerium bemüht sich aktiv um die Integration mehrerer LLMs in den entsprechenden staatlichen Einrichtungen“, sagte er lediglich bezüglich großer Sprachmodelle (LLMs) für das US-Verteidigungsministerium. „Die Entwicklungsarbeiten an diesen LLMs haben begonnen und wir gehen davon aus, dass sie sehr bald einsatzbereit sein werden.“
Pentagon und Anthropic zerstritten
Zwar wurden Anthropic im Sommer letzten Jahres wie anderen KI-Firmen hunderte Millionen US-Dollar vom Pentagon versprochen, doch der Einsatz der KI-Technik geriet Anfang dieses Jahres zum Streit. Anthropic verweigerte dem Verteidigungsministerium, die KI-Modelle für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen. Zudem dürften damit keine Waffen entwickelt werden, die ohne menschliche Beteiligung feuern. Daraufhin hatte das Pentagon Anthropic mit weitreichenden Sanktionen gedroht. Letztlich setzte das Pentagon Anthropic auf die Schwarze Liste und stufte die KI-Firma als Sicherheitsrisiko ein. Gegen diese Maßnahme wehrt sich Anthropic juristisch und verklagt die US-Regierung.
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Damit scheint das Tischtuch zwischen der Trump-Administration und Anthropic zerschnitten und der Millionen-Auftrag für die KI-Firma stark gefährdet. Verteidigungsminister Pete Hegseth und US-Präsident Donald Trump haben laut Bloomberg bereits einen sechsmonatigen Zeitrahmen festgelegt, in dem das US-Militär und andere Bundesbehörden zu Lösungen anderer KI-Firmen wechseln sollen. Bislang war das Anthropic-System der einzige KI-Dienst, der für vertrauliche Informationen und Prozesse im Pentagon eingesetzt werden durfte, und Claude ist aufgrund der Benutzerfreundlichkeit bei den Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums sehr beliebt.
ChatGPT als Claude-Ersatz?
Diese werden sich umstellen und an ChatGPT gewöhnen müssen, denn nach dem Bruch mit Anthropic hat das Pentagon einen KI-Deal mit OpenAI geschlossen. Das war Ende Februar und jetzt berichtet Reuters, dass die KI-Dienste von OpenAI den US-Behörden über die Amazon-Cloud bereits zur Verfügung stehen. Das schließt das US-Verteidigungsministerium sowohl für vertrauliche als auch nicht geheime Arbeit ein. Davon versprechen sich die ChatGPT-Entwickler Verträge mit größeren Unternehmenskunden, da solche Regierungsaufträge Vertrauen und Zuverlässigkeit zeigen würden.
Ob Anthropic erneut von der US-Regierung beauftragt wird, kann zwar nicht ausgeschlossen werden, aber zunächst wohl nicht mehr vom US-Verteidigungsministerium. Kurz nachdem Anthropic die Klage gegen die US-Regierung eingereicht hatte, erklärte Emil Michael, Unterstaatssekretär für Forschung und Entwicklung im Pentagon, dass das US-Militär diese Sache abschließt und er kaum noch Chancen für eine Wiederaufnahme der Gespräche sieht. „Ich glaube nicht, dass es ein Szenario gibt, in dem dies auf diese Weise gelöst wird“, sagte Michael.
(fds)