Bund fördert regionale Wasserstoff-Projekte, in Thüringen ein H2-Netz für Lkw
Der Bund bezuschusst ein Projekt in Thüringen, durch das Wasserstoffinfrastruktur für schwere Lkw entstehen soll. Es beginnt am Güterverkehrszentrum Erfurt.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und die Vertreter der geförderten Regionen
(Bild: BMV)
- Florian Pillau
- mit Material der dpa
Um die Wasserstoffwirtschaft auch auf den Verkehrssektor auszudehnen, stellt das Bundesverkehrsministerium Investitionszuschüsse von rund 30 Millionen Euro für Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Betankung bis hin zur Nutzung von Wasserstoff im Verkehr bereit. Mit diesen Mitteln werden in einer weiteren Runde nun entsprechende Projekte in den Regionen Rügen-Stralsund, Erfurt und Rhein-Ruhr angegangen. Die drei Regionen hatten zwar schon 2023 den Wettbewerb um die Mittel gewonnen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds mussten die Vorhaben jedoch zunächst ruhen.
Für Thüringen stehen demnach in den nächsten drei Jahren 13,5 Millionen Euro bereit. Ziel des Vorhabens in der Region Erfurt sei es, den Schwerlastverkehr schrittweise auf emissionsfreie Antriebe umzustellen und eine leistungsfähige Infrastruktur aus Wasserstoffproduktion, Transport und Betankung aufzubauen, teilte das Projektkonsortium TH2ECO mit. Zentraler Bestandteil ist demnach der Bau einer Wasserstofftankstelle am Güterverkehrszentrum (GVZ) Erfurt.
Chancen für Speditionen und Logistik
Die Anlage solle speziell für Lastwagen ausgelegt sein und schnelles Betanken ermöglichen, hieß es. Parallel sei geplant, Wasserstoff an zwei Standorten in Thüringen zu produzieren und zum GVZ zu transportieren. Perspektivisch soll die Infrastruktur an das bundesweite Wasserstoffnetz angebunden werden.
Mit dem Neustart der Förderung sehen die Projektbeteiligten neue Chancen für die Speditions- und Logistikbranche. Wasserstoff könne gerade im Schwerlastverkehr mit hohen Reichweiten eine wirtschaftliche Alternative sein und die batterieelektrische Mobilität sinnvoll ergänzen, hieß es. Zudem erhoffen sich die Initiatoren mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und stabilere Energiepreise. Perspektivisch könnten die Treibstoffkosten unter dem Niveau eines Diesel-Lkw liegen, hieß es. Für Fahrzeuge mit emissionsfreien Antrieben entfällt der CO₂-Mautaufschlag.
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Langfristig soll in Thüringen ein umfassendes Wasserstoff-Ökosystem von Produktion über Transport und Speicherung bis hin zur Nutzung in verschiedenen Sektoren entstehen. Neben den Fördermitteln investieren beteiligte Unternehmen nach eigenen Angaben rund 19 Millionen Euro in den Aufbau der Infrastruktur.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) begleitet das Vorhaben mit den Worten: „Mit unserer Förderung ermöglichen wir den realen Einsatz innovativer Wasserstofflösungen im Verkehr. Wir unterstützen Regionen, die tragfähige Strukturen aufgebaut haben und nun den nächsten Schritt gehen wollen, von der Planung hin zur praktischen Anwendung im Verkehr zu kommen.“
Woher die Energie zur Erzeugung der dafür nötigen Mengen H₂ kommen soll, ist indes noch offen. Die Umwandlung von Wasser mithilfe von Elektrizität in H₂, dessen Verteilung und die Rückverstromung in einer Brennstoffzelle in einem Fahrzeug sind deutlich stärker verlustbehaftet als eine direkte Stromspeicherung in Akkus.
(fpi)