20 Tage offline: Internetsperre im Iran jetzt die längste der Landesgeschichte
Erst im Januar hat die Islamische Republik das Internet länger gesperrt als je zuvor. Nun wurde dieser Rekord gebrochen – mit dramatischen Folgen.
(Bild: gonin / Shutterstock.com)
Die aktuelle Internetsperre im Iran ist jetzt die längste in der Geschichte der Islamischen Republik. Das hat die Organisation Netblocks ermittelt, die solche Interneteinschränkungen in aller Welt analysiert. Ein Ende der iranischen Sperre ist angesichts des anhaltenden Kriegs gegen Israel und die USA derzeit auch nicht absehbar. Die bislang längste Internetsperrung der iranischen Geschichte war erst Anfang des Jahres nach Massenprotesten gegen das Regime in Teheran verhängt worden. Als die Verbindung zum Rest der Welt im Januar unterbrochen wurde, ist die Islamische Republik mit großer Brutalität gegen die Demonstrationen vorgegangen, dabei wurden laut Medienberichten mehr als 30.000 Menschen getötet.
Die aktuelle Internetblockade wurde am 28. Februar verhängt, als Israel und die USA begannen, Luftangriffe auf den Iran zu fliegen. Dabei wurde unter anderem der damalige Oberste Führer, Ali Chamenei, getötet, als Nachfolger wurde inzwischen sein Sohn installiert. Der Iran hat danach begonnen, verschiedene Nachbarstaaten anzugreifen. Getroffen wurden dabei unter anderem auch zwei Rechenzentren der Amazon-Tochter AWS. Mit der weitgehenden Internetsperrung will das Regime auch Proteste im Keim ersticken, für Regimetreue gab es aber Ausnahmen. Kurz vor dem persischen Neujahrsfest wurden die aber offenbar ebenfalls eingeschränkt, weitere Messenger blockiert und die Nutzung von VPN-Diensten erschwert.
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Die Internetsperre und der Krieg haben den Onlinehandel in dem Land nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Betroffen seien landesweit Hunderttausende Unternehmen, sagte ein Brancheninsider in Teheran der Nachrichtenagentur dpa. Die rund 90 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen haben aktuell nur Zugriff auf ein stark eingeschränktes nationales Netz, für die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen ist der Handel aber auf Apps wie Instagram angewiesen.
Auch die IT-Branche leidet demnach unter dem Krieg. Notebooks und Handys könne sich niemand mehr leisten, zitiert die Nachrichtenagentur einen 33 Jahre alten Inhaber eines kleinen Computergeschäfts: „Ich weiß nicht mehr, auf wen ich noch fluchen soll. Das Regime, das für das ganze Elend verantwortlich ist, die Amerikaner, die das Land statt zu befreien zerstören oder die Israelis, die sich für die Feindseligkeiten der letzten Jahrzehnte endlich rächen wollen.“
(mho)