KI-Nutzung: Claude-Nutzer offenbaren ihre Hoffnungen und Ängste
Der KI-Entwickler Anthropic hat 80.508 Nutzer des Sprachmodells Claude befragt. Die Ergebnisse zeigen eine tiefe Spaltung zwischen Hoffnungen und Ängsten.
(Bild: Jirsak / Shutterstock.com)
Ist Künstliche Intelligenz ein Beitrag dazu, dass Menschen mehr und besser lernen können? Oder ist sie Wegbereiter einer globalen Verblödung? Die Meinungen von Nutzern gehen weit auseinander. Der KI-Entwickler Anthropic hat jetzt die Ergebnisse einer Befragung vorgelegt, in der 80.508 Nutzer des Sprachmodells Claude nach Hoffnungen, Ängsten und Erfahrungen mit KI befragt wurden. Laut Anthropic sind die im Dezember 2025 per KI geführten Interviews mit Teilnehmern aus 159 Ländern und 70 Sprachen die größte und mehrsprachigste qualitative Untersuchung dieser Art.
Dadurch, dass es sich ausschließlich um KI-Nutzer handelt, schwingt in der Anthropic-Umfrage natürlich eine gewisse Voreingenommenheit mit – zu erkennen ist dies auch daran, dass unter dem Strich tendenziell doch mehr Vor- als Nachteile gesehen werden. Positiv betrachtet wissen die Befragten durch den KI-Gebrauch aber zumindest, worüber sie sprechen.
Sorge vor Halluzinationen
Wo drückt der Schuh am meisten? Wenig verwunderlich führt die Sorge vor Unzuverlässigkeit und halluzinierten Ergebnissen als größtes Risiko für die Zuverlässigkeit von KI-Anwendungen mit 26,7 Prozent, gefolgt von Sorgen vor Arbeitsplatzverlust und den Auswirkungen auf die Wirtschaft (22,3 Prozent). 21,9 Prozent der Befragten sorgen sich vor einem Verlust menschlicher Autonomie.
Auf der Positivseite steht die Freude darüber, dass KI Routineaufgaben im Job abnimmt. Während allerdings einige Studien kaum messbare Produktivitätsgewinne durch KI in Unternehmen feststellen, hoffen viele Nutzer auf eine Entlastung, um sich auf bedeutungsvollere Arbeit zu konzentrieren (18,8 Prozent), Hilfe bei der persönlichen Weiterentwicklung (13,7 Prozent) oder in der Lebensorganisation unterstützt zu werden (13,5 Prozent). In spezifischen Bereichen wie dem Finanzwesen wird diese Unterstützung zwar geschätzt, doch die Sorge vor Datenlecks bei KI-gestützten Finanzgeschäften bleibt laut Umfragen ein dominierendes Thema.
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Bei den Sorgen und Hoffnungen kommt aber auch oft zur Sprache, was die KI mit den Menschen macht. 33 Prozent der Befragten sehen KI als eine gute Lernhilfe an. Ein Nutzer aus Indien schwärmt zum Beispiel davon, dass er nach seiner Schulzeit noch einmal erfolgreich Lerninhalte in Mathematik aufgegriffen habe, die er als Schüler nie verstanden habe. Das habe sein Selbstbewusstsein gestärkt. Aber viele sorgen sich auch darum, dass sie langfristig Fähigkeiten verlieren, weil sie bestimmte Arbeiten von der KI erledigen lassen. „Ich denke nicht mehr so viel nach wie früher. Es fällt mir schwer, die Ideen, die ich habe, in Worte zu fassen“, wird ein häufiger KI-Nutzer aus den USA zitiert.
Auffallend sind auch regionale Unterschiede: Menschen aus Ländern in Südamerika, Afrika und Teilen Asiens zeigten sich beim Thema KI deutlich optimistischer als solche aus Europa und den USA. Dies ist offenbar eng verknüpft mit dem jeweiligen Wohlstand. In Entwicklungsländern wird die KI stärker als Werkzeug für den Aufstieg gesehen, sei es in der Bildung oder als Unternehmer. Westliche Nutzer organisieren dagegen im Vergleich stärker ihr Leben mit der KI, haben dafür aber auch die größeren Sorgen um Jobs und Wirtschaft.
Nimmt KI die falschen Aufgaben ab?
Interessanter als die Zahlen sind die eingeflochtenen Zitate aus den Befragungen. Ein Nutzer aus Deutschland beklagt darin, dass die KI doch besser seine Fenster putzen und den Geschirrspüler leeren solle, sodass er malen und Gedichte schreiben könne. „Derzeit ist es genau andersherum“, spricht er einen Punkt an, den viele beklagen, die in Kreativberufen arbeiten. Ein Unternehmer aus Honduras singt hingegen ein Loblied: Er könne sich entspannen, während die KI die Arbeit erledige und seinen Wohlstand vergrößere. Sie sei sein Schatten, aber ein sehr langer.
(mki)