Eine Million SpaceX-Satelliten und Sonnenspiegel: Dramatische Appelle an die FCC

Eine etablierte US-Raumfahrtfirma und ein Start-up wollen viel mehr und noch hellere Satelliten ins All schießen. Die Folgen wären gravierend, wird gewarnt.

vorlesen Druckansicht 28 Kommentare lesen
Das VEry Large Telescope unter der MilchstraĂźe

Abseits der Bevölkerungszentren kann der Nachthimmel so aussehen, aber wie lange noch?

(Bild: J. Looten/ESO)

Lesezeit: 3 Min.

Einflussreiche Astronomieorganisationen üben scharfe Kritik an Plänen der US-Unternehmen SpaceX und Reflect Orbital, die hunderttausende Satelliten ins All schicken wollen. Die Vorhaben seien „inakzeptabel“ und würden nicht nur für die Forschung „desaströse“ Folgen haben, mahnt etwa der Geschäftsführer der Royal Astronomical Society (RAS) aus Großbritannien. Ähnliche Warnungen kommen von der Europäischen Südsternwarte ESO und der Internationalen Astronomischen Union. Die Wissenschaftsorganisationen protestieren bei der US-Kommunikationsaufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC), die über die Anträge der Satellitenfirmen entscheidet.


Reflect Orbital will laut seinem im Herbst gestellten Antrag langfristig hunderttausende Satelliten in eine Erdumlaufbahn schießen. Aus 625 km Höhe sollen sie Sonnenlicht auf Solaranlagen reflektieren, um dort noch etwas Energie zu produzieren. Erklärtes Ziel ist, in den Morgen- und Abendstunden 20 Prozent der Energie der Mittagssonne auf die Erde zu reflektieren. Weil sich die Satelliten mit großer Geschwindigkeit bewegen und eng begrenzte Gebiete immer nur kurzzeitig beleuchten können, sollen sich die Geräte ablösen. Deshalb plant das Unternehmen mit einer großen Zahl an Satelliten. Während das Potenzial für Energiegewinnung begrenzt scheint, wären die Folgen der hell leuchtenden Satelliten für den Nachthimmel aber voraussichtlich katastrophal, warnen Astronomen.

SpaceX wiederum hat im Januar bei der FCC beantragt, für ein gigantisches Rechenzentrumsprojekt bis zu einer Million Satelliten in die Erdumlaufbahnen schießen zu dürfen. Das „SpaceX Orbital Data Center System“ soll in 500 bis 2000 km Höhe aufgebaut werden und sei der „erste Schritt auf dem Weg zu einer Zivilisation des Typs II auf der Kardaschow-Skala“, meint das US-Raumfahrtunternehmen von Elon Musk gewohnt unbescheiden. In der Theorie sind das Zivilisationen, die die gesamte Energie ihres Sterns nutzen können. SpaceX will dafür Satelliten ins All schießen, die mit ausgeklappten Sonnensegeln größer sind als das riesige Starship, die bisher größte Rakete der Menschheitsgeschichte.

Videos by heise

Laut der Royal Astronomical Society würden tausende der SpaceX-Satelliten mit dem bloßen Auge zu sehen sein – „viel mehr als es sichtbare Sterne gibt“. Zwar sollen sie in größerer Höhe um die Erde kreisen als die Starlink-Satelliten, dort werden sie aber auch länger von der Sonne angestrahlt. Die ESO ergänzt, dass die Megakonstellation dafür sorgen würde, dass von jeder astronomischen Aufnahme des Very Large Telescopes (VLT) 10 Prozent wegen der Leuchtspuren verloren gehen. Sollten die Pläne von Reflect Orbital für 50.000 Sonnenspiegel im All realisiert werden, würde der Nachthimmel drei- bis viermal heller als er es jetzt ist. „Das würde das Recht aller Menschen beeinträchtigen, den Nachthimmel zu genießen, das ist inakzeptabel“, meint der Geschäftsführer der RAS: „Wir hoffen, dass die FCC diese Pläne entschieden ablehnt.“


(mho)