KI-Update kompakt: Gesundheits-KI, AI-Overviews, Ideenfindung, KI-Betrug

Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

Nach OpenAIs ChatGPT Health haben Microsoft und Perplexity eigene Gesundheitsdienste vorgestellt. Beide nutzen Daten aus Fitness-Trackern, Patientenakten und Telemedizin-Plattformen, um Nutzer bei Symptomen und medizinischen Fragen zu unterstützen. Microsofts „Copilot Health“ soll Patienten auf Arzttermine vorbereiten, Perplexity wirbt mit „Perplexity Health“ mit individuellen Trainings- und Ernährungsplänen. Alle Anbieter betonen: Ihre Systeme sollen ergänzen, nicht diagnostizieren.

Dennoch bleiben Bedenken. Microsoft stand wiederholt wegen Sicherheitslücken in der Kritik, und die Zusammenführung sensibler Gesundheitsdaten aus vielen Quellen birgt Risiken. Details zur Datensicherung fehlen weitgehend. Ob die Dienste nach Deutschland kommen, ist offen.

Die Gesundheitsorganisation Medact warnt vor einer zunehmenden Abhängigkeit des englischen NHS von Palantir, einem US-Datenanalyse-Unternehmen. Dessen „Federated Data Platform“ könnte laut Medact zur staatlichen Überwachung oder zur Durchsetzung restriktiver Migrationspolitik missbraucht werden, etwa durch Zusammenführung von Gesundheits-, Finanz- und Polizeidaten. Amnesty International fordert die vollständige Kündigung des Vertrags, der Anfang 2027 ausläuft. Mehr als 50.000 Bürger unterstützen die Kampagne „No Palantir in the NHS“.

Das Pentagon will Palantirs KI-System „Maven Smart System“ als festen Bestandteil seiner Militärstrategie verankern. Laut einem von Reuters eingesehenen Memo soll Maven ein offizielles „Program of Record“ werden, was langfristige Finanzierung und den Einsatz über alle Teilstreitkräfte sichert. Das System verbindet Sensordaten, Software und Algorithmen für schnellere Lagebilder, Logistik und Zielerfassung. Menschen behalten laut Pentagon die Kontrolle. Auch die NATO nutzt seit 2025 eine angepasste Version.

Google will Webseitenbetreibern künftig erlauben, ihre Inhalte aus KI-Zusammenfassungen herauszuhalten, ohne aus den regulären Suchergebnissen zu verschwinden. Bisher galt: alles oder nichts. Wer Googles Crawler blockierte, verschwand komplett aus der Suche. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hatte diese Praxis kritisiert, worauf Google nun reagiert.

Auch die EU-Kommission untersucht Googles Crawler-Praktiken in einem formellen Verfahren. Sie sieht in der bisherigen Kopplung eine Art Erpressung und kritisiert, dass Google anderen KI-Unternehmen die Nutzung von Inhalten, etwa von YouTube, untersagt, während es selbst fremde Inhalte für KI-Funktionen verwendet. Konkrete Details zum geplanten Opt-out nennt Google bislang nicht.

Die Welthandelsorganisation warnt, dass steigende Energiekosten den KI-Boom ausbremsen könnten. In Nordamerika entfallen rund 70 Prozent der Investitionen auf KI, eine starke Abhängigkeit, die bei hohen Ölpreisen zum Risiko wird. Ein lang anhaltender Konflikt im Nahen Osten würde die Betriebskosten der energieintensiven KI-Infrastruktur massiv treiben. Die WTO sieht die Weltwirtschaft vor einem Jahr, in dem Rechenleistung gegen Ölförderung antritt.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Elon Musk hat in Austin, Texas, das Projekt „Terafab“ angekündigt: die größte vollintegrierte Chipfabrik der Welt. Sie soll KI-Beschleuniger, Solarzellen und Speicherbausteine herstellen. Besonders ist der integrierte Ansatz: Von der Maskenherstellung über die Belichtung bis zum Packaging soll alles im selben Gebäude stattfinden, was laut Musk die Entwicklungszyklen verkürzen soll.

Allerdings blieb Musk konkrete Angaben schuldig. Weder Basistechnologien noch Zulieferer, weder Zeitpläne noch Kosten nannte er in seinem halbstündigen Vortrag.

Der Mathematiker Terence Tao argumentiert in einem neuen Essay, dass KI die Kosten der Ideenfindung fast auf null gesenkt habe, ähnlich wie das Internet die Kommunikationskosten. Der Engpass liege nun woanders: bei der Überprüfung und Bewertung der Ergebnisse. Tao vergleicht die Lage mit dem Automobil, das zwar schneller war als jedes frühere Transportmittel, aber Straßen verstopfte, die für Pferde gebaut waren.

Die bestehende Infrastruktur der Mathematik, Fachzeitschriften, Konferenzen, Mentoring, sei für Menschen gemacht. KI-Beweise könnten zwar effizient zum Ergebnis führen, dabei gingen aber wertvolle Nebeneffekte verloren: Expertise, neue Forschungsrichtungen, dokumentierte Sackgassen. Tao schlägt vor, neue maschinenfreundliche Strukturen zu schaffen, etwa mathematische Wettbewerbe mit formalen Beweisassistenten oder eine neue Disziplin der „KI-Planung“.

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Digitalminister Karsten Wildberger erwartet massive Jobverluste durch KI. „Die Zeit, in der die Industrie eine Jobmaschine war, geht zu Ende“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er fordert höhere Steuereinnahmen, um den Arbeitsmarkt umzubauen, und bringt ein bedingungsloses Grundeinkommen als Teil der Lösung ins Spiel.

Wildberger appelliert an Arbeitgeber, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. „Wenn die KI den Informatikern, Mathematikern und vielen anderen ihre Jobs wegnimmt, dann brauchen diese Menschen eine andere sinnvolle Betätigung“, so der Minister.

OpenAI plant, seine Belegschaft bis Jahresende von 4.500 auf 8.000 Mitarbeiter aufzustocken, berichtet die Financial Times. Die meisten neuen Stellen entstehen in Produktentwicklung, Technik, Forschung und Vertrieb. Im Fokus steht das Geschäft mit Unternehmenskunden: Sogenannte technische Botschafter sollen Firmen bei der Einführung von OpenAI-Werkzeugen unterstützen.

Am britischen High Court of Justice hat ein Kläger bei seiner Aussage eine smarte Brille getragen und sich darüber von einer Drittperson beraten lassen. Die Richterin bemerkte zunächst nichts, wurde aber stutzig, als der Mann auffällig lange vor jeder Antwort zögerte. Die Anwältin der Gegenseite hörte verdächtige Geräusche. Schlussendlich verwarf die Richterin die Aussage und entschied zugunsten der Beklagten.

Der Fall offenbart eine Kontrolllücke. Moderne Smart Glasses sind kaum von normalen Brillen zu unterscheiden. In Deutschland ist der Einsatz technischer Hilfsmittel im Gericht zwar grundsätzlich geregelt, eine Pflicht zur Offenlegung von Smart Glasses gibt es aber nicht. Der wachsende Markt, etwa durch Metas Ray-Ban-Brillen, verschärft das Problem.

An britischen Universitäten nutzen 95 Prozent der Vollzeitstudierenden generative KI-Tools, vor zwei Jahren waren es 66 Prozent. Die meisten lassen sich Konzepte erklären oder Material zusammenfassen. Doch der Anteil derer, die KI-generierten Text direkt in Prüfungsarbeiten einfügen, hat sich seit 2024 vervierfacht. Gleichzeitig wächst die Angst, fälschlich des Betrugs beschuldigt zu werden.

Eine Fallstudie mit Medizinstudierenden liefert ein warnendes Ergebnis: Wer bei klinischen Übungen nur KI ohne menschliches Feedback nutzte, schnitt am schlechtesten ab, war aber am selbstsichersten. Mehr als zwei Drittel der Studierenden halten KI-Kompetenzen für unverzichtbar, doch weniger als die Hälfte erhält Unterstützung von ihren Lehrkräften.

Pearl Abyss, ein südkoreanisches Spielestudio, hat eingeräumt, dass sein Open-World-Spiel „Crimson Desert“ KI-generierte 2D-Grafiken enthält. Diese seien in einer frühen Entwicklungsphase erstellt worden, um schnell Stimmung und Atmosphäre zu testen, hätten aber vor Veröffentlichung ersetzt werden sollen. Erst nach Hinweisen der Community fiel auf, dass einige dieser Grafiken in der finalen Version verblieben waren. Das Studio hat zugesagt, sie zu korrigieren.

Der Fall reiht sich in eine wachsende Debatte ein. Die Spieleplattform Steam verlangt seit Anfang 2024, dass der Einsatz von KI-generierten Inhalten transparent gemacht wird.

In den USA muss sich ein Mann aus North Carolina wegen KI-gestützten Streaming-Betrugs verantworten. Er gestand, hunderttausende KI-generierte Songs auf große Streaming-Plattformen hochgeladen und mit einer Bot-Armee künstlich abgerufen zu haben. Zu Spitzenzeiten fälschte er über 660 000 Streams pro Tag und kassierte so zwischen 2017 und 2024 Millionen an Vergütungen.

Durch sein Geständnis reduziert sich der mögliche Strafrahmen von bis zu 60 auf maximal fünf Jahre Haft. Zudem droht die Einziehung von über acht Millionen US-Dollar. Laut US-Behörden ist es der erste Strafverfolgungsfall dieser Art in den USA.

(igr)