Kalifornische Brauerei benutzt CO₂ aus der Luft für Bierproduktion
CO₂ aus der Umgebungsluft kann dazu genutzt werden, um Bier damit zu versetzen. Brauereien sind so nicht mehr von CO₂-Zulieferern und ihren Preisen abhängig.
Die „Flow – Clean Air Edition“ des Biers von Almanac wird mit CO₂ aus der Luft versetzt.
(Bild: Almanac Beer / Aircapture)
Die US-amerikanische Craft-Beer-Brauerei Almanac Beer hat ein Bier herausgebracht, das mit direkt aus der Luft gewonnenem Kohlendioxid versetzt wird. Vertrieben wird das Bier unter der Bezeichnung Almanc x Aircapture Flow West Coast Pale Ale. Um das CO₂ aus der Luft gewinnen zu können, hat sich die Brauerei mit Aircapture zusammengetan, einem US-Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, CO₂ aus der Luft zu gewinnen und auf Lebensmittelqualität zu reinigen. Almanac will so die Abhängigkeit von Lieferketten für lebensmitteltaugliches CO₂ umgehen und das CO₂ selbst vor Ort kostengünstiger gewinnen.
CO₂ für die Lebensmittelproduktion kann immer mal wieder verknappen, wie in den USA etwa 2022. Denn ein großer Teil dieses CO₂ ist ein Nebenprodukt aus industriellen Prozessen, die fossile Brennstoffe nutzen, um etwa Ammoniak oder Ethanol herzustellen. Aufgrund des starken klimaunfreundlichen CO₂-Ausstoßes bei der Produktion etwa von Ammoniak nutzten die Unternehmen weniger das energieintensive Haber-Bosch-Verfahren, bei dem Stickstoff und Wasserstoff unter hohem Druck miteinander reagieren. Vielmehr steigt die Industrie nun auf erneuerbare Energien um und nutzt Elektrolyse, um so „grünen“ Ammoniak herzustellen. Das führt dazu, dass CO₂ für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie zur Mangelware werden können, was zu Betriebsunterbrechungen und Kostensteigerungen führen kann. Besonders Brauereien mit hohem CO₂-Bedarf sind davon betroffen.
Gewinnung von CO₂ aus der Luft
Aircapture hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kohlendioxid nicht nur als Nebenprodukt anzusehen, sondern als Rohstoff. Entsprechend haben sie ein Verfahren entwickelt, das CO₂ aus der Umgebungsluft herausfiltert. Dazu wird Umgebungsluft in die Direct-Air-Capture-Anlage angesaugt. Das darin enthaltene CO₂ wird von einer Reihe spezialisierter Adsorbentien aufgenommen. Sobald sie gesättigt sind, setzt Dampf das reine CO₂ in flüssiger Form frei. Die vom CO₂-bereinigten Luft wird dann wieder in die Atmosphäre abgegeben.
Details zu dem genauen Prozess verrät Aircapture nicht. Das verflüssigte CO₂ soll aber einen hohen Reinheitsgrad von 99,999 Prozent aufweisen und damit die vorgeschriebenen Reinheitsanforderungen von CO₂ für die Lebensmittelproduktion übertreffen.
Aircapture extrahiert das CO₂ nicht selbst, sondern bietet seine Anlage zur Gewinnung von CO₂ zur Integration in bestehende Fertigungsanlagen an. Im Fall der Almanac-Brauerei kann das CO₂ vor Ort aus der Atmosphäre gewonnen und direkt dem Brauprozess zugeführt werden. Die Almanac-Brauerei mit Sitz im kalifornischen Alameda spart sich so nicht nur die Kosten industriell produzierten CO2s und dessen Anlieferung, sondern ist außerdem unabhängig von Produktionsengpässen und Marktpreisen.
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Almanac Beer teilt einen Teil seines Erlöses für die „Flow – Clean Air Edition“ seines Biers mit Carbon180, einer gemeinnützigen Umweltorganisation, die sich politisch für den Klimaschutz durch Entfernung von CO₂ aus der Luft einsetzt.
(olb)