Astronomie: Zweiter Babyplanet in Staubscheibe eines anderen Sterns entdeckt
Bei WISPIT 2 wurde erst voriges Jahr ein Exoplanet entdeckt, der eindeutig eine protoplanetare Staubscheibe leerräumt. Jetzt wurde dort ein zweiter gefunden.
Aufnahmen der beiden Exoplaneten
(Bild: ESO/C. Lawlor, R. F. van Capelleveen et al.)
In der protoplanetaren Staubscheibe um den noch jungen Stern WISPIT 2 haben Wissenschaftler einen zweiten entstehenden Exoplaneten gefunden. Das hat die Europäische Südsternwarte ESO mitgeteilt, deren Instrumente einen entscheidenden Anteil an der Entdeckung hatten. Der werdende Himmelskörper trägt die Bezeichnung WISPIT 2c und kreist deutlich enger um seinen Stern als WISPIT 2b.
Eine spektakuläre Aufnahme von WISPIT 2b war im vergangenen August veröffentlicht worden und gilt als Meilenstein der astronomischen Forschung. Es gibt überhaupt nur ein anderes Objekt, das direkt beim Freiräumen einer solchen Staubscheibe beobachtet wurde. Nur bei WISPIT 2 gilt es bisher als sicher, dass beiden jungen Planeten tatsächlich für die beobachteten Lücken in der ausgedehnten Staubscheibe verantwortlich sind.
Noch ein dritter Exoplanet?
Die ersten Hinweise auf den zweiten entstehenden Exoplaneten in der Staubscheibe um WISPIT 2 haben zwei Teleskope in Chile und in den USA gefunden, erklärt die ESO weiter. Bestätigt worden sei der Fund dann mit Very Large Telescope und dem VLT-Interferometer der ESO in Chile. Er befindet sich demnach viermal näher an seinem Stern als WISPIT 2b und ist doppelt so massereich. Damit kommt er auf etwa zehn Jupitermassen und ist etwa 15 AE von dem Stern entfernt (eine Astronomische Einheit entspricht der Distanz zwischen Erde und Sonne). In der äußeren Staubscheibe existiert demnach noch eine weitere Lücke, in der ein weiterer Gasriese vermutet wird, der auf etwa eine Saturnmasse kommen müsste, meint das Forschungsteam. Das Extremely Large Telescope (ELT) sollte ihn nach der Fertigstellung abbilden können.
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Als protoplanetare Scheiben werden scheibenförmige Strukturen aus Gas und Staub bezeichnet, die junge Sterne umschließen. Aus kleinen Unregelmäßigkeiten darin können Klumpen von Material entstehen, die dann weiter wachsen und zu Planeten werden. Weil die sich dafür aber vor allem aus Material bedienen, das auf derselben Umlaufbahn um den Stern kreist, reißen sie damit Lücken in diese Scheiben. Solche wurden schon öfter entdeckt, die Exoplaneten darin sind aber nur sehr schwer auszumachen. Erst ihr Nachweis kann aber bestätigen, dass der Prozess so abläuft, wie beschrieben. Mit einem Instrument namens GRAVITY+ konnte die ESO nun zudem die Eigenschaften WISPIT 2c ermitteln, „die das Objekt eindeutig als Planeten charakterisieren“. Vorgestellt wird der Fund in den Astrophysical Journal Letters.
(mho)