10 Jahre Medizininformatik-Initiative: „Vernetzte Struktur statt Flickenteppich“

Zehn Jahre nach ihrem Start feiert die Medizininformatik-Initiative eine bundesweite Dateninfrastruktur und setzt dabei auch auf Vertrauen.

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Herr Hauer und Herr Semler

Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, und Sebastian Claudius Semler, Geschäftsführer der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung nebeneinander.

(Bild: TMF)

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Vor zehn Jahren startete die Medizininformatik-Initiative (MII) mit dem Ziel, die fragmentierte Gesundheitsdatenlandschaft in Deutschland zu vernetzen und für Forschung und Versorgung nutzbar zu machen. Was damals von heterogenen Systemen, rechtlichen Hürden und fehlenden Standards geprägt war, ist heute eine gewachsene Dateninfrastruktur.

Zum Auftakt des Jubiläumssymposiums machte Prof. Björn Eskofier vom LMU Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München deutlich, „dass natürlich Daten die Grundlage für moderne, präzise und personalisierte Medizin sind.“ Gleichzeitig zeigte er, wie sich Datenschutz und Datennutzung verbinden lassen, etwa durch verteilte Ansätze: „dass die Daten vorerst unter lokaler Kontrolle bleiben in den einzelnen […] Kliniken und trotzdem eine verteilte Analyse ermöglicht wird.“ Viele KI-Modelle schaffen es jedoch bisher nicht in den klinischen Alltag: „Es gibt kein Algorithmenproblem in der Medizin, es gibt ein Inverkehrbringungsproblem“, so Eskofier.

Sebastian C. Semler, Geschäftsführer der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF), blickte auf die Entwicklung der Initiative zurück. Begonnen habe es damit, „als Deutschland einen starken Rückstand in der Digitalisierung im Gesundheitswesen und im Bereich E-Health hatte“ und Daten kaum übergreifend nutzbar waren. „Wir haben eine bundesweit föderierte Dateninfrastruktur geschaffen“, so Semler. Dazu gehören Datenintegrationszentren an allen Universitätskliniken, ein gemeinsamer Kerndatensatz und mit dem Forschungsdatenportal Gesundheit (FDPG) eine zentrale Anlaufstelle. Inzwischen finde die Nutzung der Daten statt, das sei Semler zufolge ein entscheidender Schritt über den reinen Infrastrukturaufbau hinaus. „Ganz wichtig“ sei auch die gemeinsame Zusammenarbeit als Grundlage für die Zukunft.

Im anschließenden Grußwort sagte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Matthias Hauer: „Wir alle wissen, Daten sind der Rohstoff der Zukunft.“ Die MII habe gezeigt, „was möglich ist, wenn Wissenschaft, Versorgung und Politik gemeinsam den digitalen Aufbruch wagen“. Zugleich verwies er auf konkrete Fortschritte, dank denen „mehr als 200 Millionen Vitaldaten aus der Intensivmedizin“ verfügbar sind. Insgesamt habe man „aus den über 500 Millionen Euro Unterstützung“ eine leistungsfähige Infrastruktur aufgebaut. Über 450.000 Menschen haben bereits freiwillig ihre Daten zur Verfügung gestellt. „Das ist ein Erfolg, der nur durch Vertrauen möglich ist“, so Hauer.

Mit Initiativen wie dem European Health Data Space (EHDS) oder der Hightech-Agenda des BMFTR sollen mehr Daten für die Forschung bereitstehen. Aus einem „Flickenteppich“ ist laut Hauer eine „starke vernetzte Struktur“ geworden. Das MII-Jubiläum fällt in das Wissenschaftsjahr 2026, das unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ steht und eine Medizin in den Fokus rückt, die „präventiv, personalisiert, digital und partizipativ ist“. Experten diskutieren in diesem Zusammenhang bereits über aktuelle Trends der digitalen Gesundheit und deren soziale Folgen.

(mack)