Zum ersten Mal verkauft ARM ganze Prozessoren

Zusammen mit TSMC und Meta legt ARM die „AGI CPU“ auf. Die Firma konkurriert so primär mit AMD und Intel.

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Renderbild eines nackten Prozessors mit sichtbaren Chipstrukturen

(Bild: ARM)

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ARM ist nicht länger ein reiner Anbieter von Chipdesigns, sondern entwirft ab sofort ganze Prozessoren und verkauft sie an Betreiber von Rechenzentren. Das erste Produkt heißt AGI CPU, angelehnt an die viel beschworene echte KI „Artificial General Intelligence“. Mit so einer Super-KI hat der Prozessor aber nichts zu tun, er soll sich bloß gut für die Orchestrierung von KI-Agenten eignen.

Den Schritt bereitet ARM schon seit Jahren vor. Qualcomm warf ARM solche Pläne schon 2024 vor und klagte über Wettbewerbsverzerrung. Eigene Prozessoren sind ARMs stärkster Hebel, um den eigenen Umsatz zu erhöhen. Abseits von Lizenzgebühren verdient ARM bislang nur einen kleinen Betrag (Royalty) pro eingesetzten ARM-Prozessor.

Die AGI CPU nutzt in der größten Konfiguration 136 Rechenkerne vom Typ Neoverse V3, gepaart mit zwei 128-Bit-Vektoreinheiten. ARM nutzt allerdings nicht die stärkste Konfiguration: Anstelle der möglichen 3 MByte Level-2-Cache pro Kern begnügt sich ARM mit 2 MByte. Dazu gesellen sich 128 MByte System-Level-Cache, den sich alle Kerne ähnlich wie einen Level-3-Cache teilen.

Die Basisfrequenz liegt bei moderaten 3,2 GHz; ein Boost auf bis zu 3,7 GHz ist möglich. An 12 Speicherkanälen laufen DDR5-8800-Module vom Typ RDIMM. ARM sieht optional zwei Module pro Speicherkanal vor. Eine AGI CPU stellt 96 PCI-Express-6.0-Lanes bereit und beherrscht den Compute Express Link (CXL 3.0) zur Anbindung von weiterem Speicher. Bis zu zwei Prozessoren lassen sich per Mainboard aneinanderkoppeln.

Eine AGI CPU besteht aus zwei identischen Chiplets mit jeweils 68 CPU-Kernen, die der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC mit 3-Nanometer-Strukturen produziert. Abgespeckte Prozessorvarianten erscheinen mit 128 und 64 CPU-Kernen, aber weiterhin allen Speicherkanälen und PCIe-Lanes. Alle drei Modelle weisen eine Thermal Design Power (TDP) von 300 Watt auf.

ARMs AGI CPU und deren Serverplattform.

(Bild: ARM)

Auf den ersten Blick konkurriert ARM mit anderen Prozessoranbietern. Zumindest in der ARM-Welt gibt es davon aber fast keine Unabhängigen mehr. Der größte Konkurrent wäre Ampere Computing gewesen, allerdings fristete die Firma immer eine Randerscheinung. Außerdem hat die ARM-Mutter Softbank inzwischen auch Ampere geschluckt.

Leidtragender wäre künftig wohl Qualcomm, der eigene Serverprozessoren anbieten will und wegen Lizenzstreitigkeiten schon Clinch mit ARM hat. Zudem könnte ARM den x86-Boliden AMD und Intel Marktanteile streitig machen, die unabhängig CPUs an Hyperscaler verkaufen.

AMD wechselt dieses Jahr allerdings schon auf TSMCs 2-nm-Technik und erhöht auf 256 Kerne sowie 16 Speicherkanäle in einer CPU. Intels platzoptimierter Xeon 6+ alias Clearwater Forest hat schon heute 288 Kerne.

Nvidia bietet mit Vera inzwischen zwar auch Prozessoren einzeln an, allerdings liegt der Fokus auf Kombisystemen mit Vera-CPUs und Rubin-GPUs. In dieses Gehege dringt ARMs AGI CPU nicht vor.

Allen groĂźen Hyperscalern macht ARM mit einem kompletten Prozessor das Leben potenziell einfacher. Sie mĂĽssen keine eigenen Chips mehr entwerfen, wenn ihnen ARMs Angebot ausreicht.

Amazon AWS (Graviton), Google (Axion) und Microsoft (Cobalt) etwa legen bislang eigene ARM-CPUs auf, die ausschließlich in den eigenen Rechenzentren zum Einsatz kommen. Microsoft Azure Cobalt 200 ist mit 132 Neoverse-V3-Kernen ähnlich zur AGI CPU aufgebaut, verwendet aber größere Caches.

Meta hat bislang keine eigenen ARM-Prozessoren entworfen und setzt stattdessen im groĂźen Stil auf ARMs AGI CPU. Beide Firmen haben den Prozessor zusammen designt; auch bei kommenden Generationen soll Meta maĂźgeblich involviert sein.

ARM bietet ganze Referenzserver an, die auf klassische luftgekĂĽhlte Racks abzielen. Ein 36-Kilowatt-Rack mit 30 Blades beherbergt 60 CPUs. Supermicro will einen wassergekĂĽhlten 200-Kilowatt-Server mit AGI CPUs vorstellen. Weitere Systeme kommen von Asrock Rack und Lenovo. Asrock Rack und Supermicro zeigen ihre Server bereits.

Erste Systeme sollen in kleiner StĂĽckzahl bereits verfĂĽgbar sein. Eine breitere VerfĂĽgbarkeit erwartet ARM im zweiten Halbjahr.

Supermicros Mainboard mit zwei ARM AGI CPUs.

(Bild: Supermicro)

(mma)