Wikipedia verbietet KI-generierte Artikel, KI darf nur noch unterstützen

KI-generierte Artikel verstoßen oft gegen inhaltliche Richtlinien, sagt die Wikipedia. KI für Übersetzungen oder Textbearbeitung bleibt aber zulässig.

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Wikipedia-Schriftzug auf einem Smartphone

(Bild: Allmy/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die englischsprachige Wikipedia weist ihre Autoren an, keine KI-Modelle für die Erstellung von Artikeln zu verwenden. Denn per künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Texte würden oft gegen etliche Wikipedia-Richtlinien für Inhalte verstoßen. Es gibt allerdings Ausnahmen, in denen KI genutzt werden darf, etwa bei Übersetzungen und grundsätzlicher Textbearbeitung. Sowohl Autoren als auch Moderatoren sind dabei aber bestimmten Regeln unterworfen.

Die deutschsprachige Wikipedia hat bereits ein umfassendes KI-Verbot beschlossen, nachdem eine Mehrheit von fast zwei Dritteln der Teilnehmer den Vorschlag für neue KI-Richtlinien im Februar angenommen hat. Demnach sind Artikel, die mit großen Sprachmodellen (LLMs, Large Language Models) erzeugt wurden, ausdrücklich verboten. Ausnahmen sind auch hier maschinelle Übersetzungen, die sich auf KI stützen, KI-unterstützte Fehlererkennung und reine Recherche mit KI.

Die englischsprachige Wikipedia hat dies nun ebenfalls in die eigenen Richtlinien integriert. Verboten sind damit Artikel, die komplett per KI generiert oder mithilfe von KI umgeschrieben wurden. Allerdings warnt die Wikipedia, dass die Erkennung reiner KI-Texte schwierig sein kann. Denn manche Menschen „können einen ähnlichen Schreibstil wie LLMs haben“. Deshalb sollten Artikel nicht allein wegen eines KI-nahen Stils abgelehnt werden; Redakteure sollen sich auf die „Einhaltung der Kerninhaltsrichtlinien des Textes“ konzentrieren sowie die letzten Änderungen des fraglichen Autors betrachten, bevor sie einen Artikel wegen des KI-Verbots ablehnen.

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KI wird auch nicht grundsätzlich verteufelt. Sprachmodelle sind erlaubt, etwa für die Nachbearbeitung von Texten, solange die KI „keine eigenen Inhalte hinzufügt“. Auch werden KI-unterstützte, maschinelle Übersetzungen von Wikipedia-Artikeln anderer Sprachen akzeptiert. Allerdings wird dabei vorausgesetzt, dass der Redakteur die fremde Sprache ausreichend beherrscht, um bestätigen zu können, dass die Übersetzung korrekt ist. Zudem sollen eventuelle KI-Halluzinationen im Text entfernt und die Quellen des Originalartikels geprüft werden.

Die neuen KI-Richtlinien sind eine weitere Reaktion auf die Zunahme von KI-Artikeln bei der Online-Enzyklopädie. Schon im August 2025 reagierte die Wikipedia auf die KI-Flut mit einer angepassten Richtlinie zur Schnelllöschung. Das soll Administratoren ermöglichen, offensichtlich maschinell erstellte und ungeprüfte Beiträge ohne die übliche einwöchige Diskussionsphase zu löschen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.

Denn normalerweise erfordert das Löschen eines Wikipedia-Artikels einen Konsens, der in einer siebentägigen Diskussion gefunden wird. Sollten Artikel offensichtliche Zeichen eines KI-Modells zeigen, können sie umgehend gelöscht werden, wie zuvor bereits bei eindeutigen Fällen wie Vandalismus oder reiner Werbung. Mit der nun um das Verbot von KI-generierten Artikeln erweiterten Richtlinie will die Wikipedia sowohl im englischsprachigen als auch deutschsprachigen Raum präventiv handeln, statt nur schneller löschen zu können.

(fds)