Heruntergeladene Songs: Spotify fordert 300 Millionen Dollar von Anna's Archive
Die Schattenbibliothek Anna's Archive hat 300 Terabyte an Spotify-Dateien heruntergeladen. Der Streaming-Dienst fordert 300 Millionen Dollar Schadenersatz.
(Bild: em113 / Shutterstock.com)
Spotify und Musiklabels fordern von der Schattenbibliothek Anna’s Archive wegen Urheberrechtsverletzungen und der Umgehung von Schutzmaßnahmen über 300 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Anna’s Archive hatte über 300 Terabyte an Dateien von Spotify heruntergeladen und teilweise veröffentlicht.
Auf eine Klage von Spotify und Musiklabels reagierten die Betreiber von Anna’s Archive nicht. Daher beantragen die Kläger beim zuständigen Gericht in New York nun ein Versäumnisurteil, das sie dem Richter Jed Rakoff vorgelegt haben. Darin beziffern sie den Schaden auf eine Gesamthöhe von 322 Millionen US-Dollar, von denen 300 Millionen an Spotify gehen sollen. Der Rest soll unter den Labels Sony, Warner und Universal aufgeteilt werden.
Schadenersatzsumme „extrem konservativ“
Die geforderte Schadenersatzsumme setzt sich aus zahlreichen Urheberrechtsverstößen sowie Umgehungen von Kopierschutzmaßnahmen zusammen. In einem zweiten Gerichtsdokument beschreiben die Kläger die geforderte Summe als „extrem konservativ“: Der Satz für Urheberrechtsverletzungen berechne sich nur aus einer knapp 150 Songs umfassenden kleinen Auswahl der von Anna’s Archive heruntergeladenen Titel, die bereits identifiziert wurden.
Bei Bedarf könne man weitere Songs identifizieren, wodurch sich die geforderte Schadenersatzsumme mehr oder weniger beliebig erhöhen ließe: Pro Werk fordern die Kläger die gesetzlich vorgegebene Maximalsumme von 150.000 US-Dollar, was bei knapp 150 Songs mit „nur“ 22 Millionen Dollar auf die Gesamtsumme von 322 Millionen US-Dollar einzahlt. Bei den insgesamt 86 Millionen heruntergeladenen Musikstücken könnten die Kläger rein rechnerisch eine Billionensumme für sich beanspruchen.
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Domains sollen gesperrt werden
Tatsächlich sind das nur Zahlenspiele: Dass der Betreiber von Anna’s Archive die von Spotify und Musiklabels geforderten 322 Millionen US-Dollar zahlt, ist praktisch ausgeschlossen. Praxisrelevanter sind Verfügungen, die die Kläger ebenfalls vorschlagen: Verschiedene Domains von Anna’s Archive sollen dauerhaft geschlossen werden. Nach einer einstweiligen Verfügung wurde bereits die .org-Adresse der Schattenbibliothek gesperrt. Anna’s Archive ist aber weiterhin über andere Domains aufrufbar.
Im Februar hatte Anna’s Archive mit der Veröffentlichung der Spotify-Dateien begonnen, die gerichtlich durch eine einstweilige Verfügung untersagt war. In einem Reddit-Thread schrieben die Betreiber später, es habe sich dabei um ein Versehen gehandelt. Man habe die Veröffentlichung vorerst gestoppt, weil sie den zusätzlichen Ärger durch die Anwälte der Musiklabels nicht wert sei.
Anna’s Archive wird üblicherweise als Meta-Suchmaschine für Dokumente und Bücher genutzt. Im vergangenen Dezember hatte das Archiv-Projekt bekannt gegeben, insgesamt 86 Millionen Musikstücke von Spotify heruntergeladen zu haben. Dabei handele es sich um 37 Prozent der gehosteten Aufnahmen, die zusammen aber 99,6 Prozent aller tatsächlichen Streams ausmachten. Kopiert wurden also auch und vor allem populäre Stücke. Zusätzlich hat Anna’s Archive eigenen Angaben zufolge Metadaten von 256 Millionen Aufnahmen gesichert.
(dahe)