KI-Update: Der Sora-Stopp, KI-Schmeichelei, Nudifier, Bessere Siri, Roboterhände

Das "KI-Update" liefert werktäglich eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

OpenAI schaltet seinen KI-Videogenerator Sora ab. Die App erreichte nach dem Start zwar eine Million Nutzer, doch die Zahl sank rasch auf unter 500.000. Gleichzeitig verschlang Sora rund eine Million US-Dollar pro Tag an Rechenkosten.

OpenAI arbeitet stattdessen an einem neuen KI-Modell mit dem Codenamen Spud und will seine Ressourcen auf Programmierwerkzeuge, Geschäftskunden und eine Super-App konzentrieren. Sora soll als Forschungsprojekt weiterleben, das Team arbeitet nun an Robotik. Auch der geplante Milliarden-Deal mit Disney platzte: Der Konzern wollte eine Milliarde US-Dollar investieren und über 200 Figuren lizenzieren, erfuhr aber erst weniger als eine Stunde vor der Ankündigung von der Abschaltung.

KI-Chatbots bestätigen ihre Nutzer fast 50 Prozent häufiger als Menschen, selbst wenn diese lügen oder Gesetze brechen. Das ergab eine Studie im Fachjournal Science. Elf führende KI-Modelle bestätigten in Reddit-Beiträgen, in denen die menschliche Community den Fragesteller klar als im Unrecht sah, dessen Handlungen trotzdem in rund der Hälfte der Fälle. Schon eine einzige schmeichlerische Antwort senkte die Bereitschaft, sich zu entschuldigen, um bis zu 28 Prozent.

Die Autoren sehen ein strukturelles Problem: Wenn Entwickler Modelle anhand kurzfristiger Zufriedenheitsbewertungen optimierten, verstärke das genau jenes Verhalten, das Nutzern langfristig schade. Sie fordern verhaltensbasierte Prüfungen vor der Markteinführung.

Wer länger mit KI arbeitet, holt mehr aus ihr heraus. Anthropic analysierte rund eine Million Gespräche mit Claude und fand, dass erfahrene Nutzer eine vier Prozentpunkte höhere Erfolgsrate aufweisen als Neulinge, selbst bei identischen Aufgaben. Erfahrene Anwender arbeiten häufiger schrittweise mit dem Chatbot zusammen, statt eine einzige Anweisung zu geben.

Die Studie warnt, dass dieser Erfahrungsvorsprung bestehende Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verschärfen könnte.

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Das EU-Parlament hat mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt, sogenannte Nudifier-Apps zu verbieten, sofern diese ohne Zustimmung der abgebildeten Personen sexuell explizite Inhalte erzeugen. Zusätzlich streben die Abgeordneten eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte bis November 2026 an.

Die EU-Staaten müssen noch zustimmen, haben sich aber bereits ähnlich positioniert, was eine rasche Einigung ermöglichen dürfte.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Der Bundesrat hat zu den „Digital-Omnibus“-Plänen der EU kritisch Stellung genommen. Die geplante Neudefinition personenbezogener Daten könnte zu mehr Rechtsunsicherheit führen, seltener nötige Einwilligungen den Datenschutz schwächen. Die von der EU geforderte Einwilligung aller Passanten für Fahrzeugkameradaten sei unrealistisch und könnte die Entwicklung autonomer Systeme in Europa stark behindern.

Auch beim KI-Einsatz in der Strafverfolgung warnt der Bundesrat vor übermäßiger Bürokratie. Insgesamt fordert er praktikablere Regeln, die Innovation, Sicherheit und Datenschutz besser ausbalancieren.

Digitalminister Karsten Wildberger hat vor dramatischen Arbeitsplatzverlusten durch KI gewarnt. Jobs wie Programmierer würden zunehmend wegfallen, ebenso Arbeitsplätze in Callcentern. „Die Zeiten, dass man darauf spekulieren kann: Ich habe einen Job für die nächsten 30 Jahre, die sind vorbei“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Deutschland müsse in Sachen KI deutlich aufholen: „Wenn wir das nicht tun, sind unsere Arbeitsplätze und auch Industrie und Wirtschaft viel mehr in Gefahr. Nicht teilnehmen ist keine Option.“

Die englischsprachige Wikipedia weist ihre Autoren an, keine KI-Modelle fĂĽr die Erstellung von Artikeln zu verwenden. Ausnahmen gelten fĂĽr Ăśbersetzungen und Textbearbeitung, wobei Redakteure die fremde Sprache ausreichend beherrschen mĂĽssen. Die deutschsprachige Wikipedia hat bereits ein umfassendes KI-Verbot beschlossen.

Wikipedia räumt ein, dass die Erkennung reiner KI-Texte schwierig sein könne. Redakteure sollen sich auf die Einhaltung der Kerninhaltsrichtlinien konzentrieren, bevor sie einen Artikel wegen vermeintlichen KI-Einsatzes ablehnen.

Google hat Gemini mit einer Importfunktion für Erinnerungen und vergangene Unterhaltungen aus anderen KI-Chatbots ausgestattet. Nutzer werden angeleitet, ihrem bisherigen Chatbot eine Anweisung zu geben, die eine Kurzfassung seiner Erinnerungen erstellt. Diese wird dann in Gemini übertragen und für künftige Gespräche gespeichert.

Die Funktion ist in Deutschland noch nicht verfĂĽgbar.

Apples Siri soll mit den kommenden Betriebssystemen deutlich besser werden. Dank Googles Gemini bekommt Siri erstmals echte Chatbot-Funktionen mit längeren Dialogen und Gedächtnis. Apple plant zudem eine eigene Siri-App, die alte Chats sammelt und durchsuchbar macht, um ChatGPT und Claude direkte Konkurrenz zu machen.

Apps sollen eine „Frag Siri“-Funktion erhalten, die Dynamic Island zur Siri-Steuerung dient. Weitere Details will Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC präsentieren. Unklar bleibt, wann früher erwartete Funktionen wie Nutzerkontexterkennung kommen.

Wissenschaftler des MIT haben ein smartphonegroßes Gerät entwickelt, das am Handgelenk getragen per Ultraschall die Bewegungen einer menschlichen Hand erfasst. Eine darauf trainierte KI leitet aus den Bildern in Echtzeit die tatsächlichen Bewegungen ab und überträgt sie auf eine Roboterhand.

In Tests erkannte das System Gebärdensprache, das Halten eines Stifts und sogar Klavierspielen. Künftig könnten die Daten auch die Feinmotorik humanoider Roboter verbessern, etwa für medizinische Operationen.

GitHub wird ab dem 24. April Interaktionen mit dem Programmierassistenten Copilot für das Training eigener KI-Modelle verwenden. Wer das nicht möchte, kann per Opt-out widersprechen. Die Änderung gilt nur für bestimmte Tarife.

GitHub begründet den Schritt damit, Entwicklungsworkflows besser verstehen und bessere Code-Beispiele liefern zu wollen. Interne Versuche hätten die erhofften Verbesserungen bestätigt.

(mali)