Mutmaßlicher US-Angriff auf Schule in Iran: Palantir-System rückt in den Fokus
Nach dem tödlichen Luftangriff auf eine iranische Schule gerät Palantirs Maven in die Kritik.
(Bild: Spyro the Dragon / Shutterstock.com)
Nach dem tödlichen US-Luftangriff auf eine Grundschule im iranischen Minab mit mehr als 160 Toten, der nach übereinstimmenden Untersuchungen am 28. Februar im Rahmen eines US-Angriffs erfolgt sein dürfte, gerät Palantirs „Maven Smart System“ in die Kritik. Eine Analyse lenkt den Blick auf veraltete Daten und die sogenannte Kill-Chain, an deren Ende der Angriff steht.
Anders als zunächst vielfach berichtet, spielte ein Chatbot wie Claude bei der Zielauswahl nach bisherigen Erkenntnissen offenbar keine entscheidende Rolle. Die Bombardierung deutet laut vorliegenden Analysen weniger auf ein isoliertes Technikversagen als vielmehr auf Entscheidungen entlang der gesamten Prozesskette hin – von der Datenpflege bis zum Ende der Kill-Chain.
Es verdichten sich Hinweise, dass die Zielerfassung auf „Maven Smart Systems“ basierte, einer von Palantir weiterentwickelten militärischen Plattform zur Analyse von Aufklärungsdaten. Maven verknüpft Satellitenbilder, Sensordaten und Geheimdienstinformationen, um mögliche Ziele zu identifizieren und in einem stark beschleunigten Prozess zur Freigabe von Angriffen vorzulegen.
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Nach Medienberichten war das getroffene Gebäude in einer US-Datenbank weiterhin als militärisches Objekt geführt worden, obwohl es bereits seit Jahren als Grundschule genutzt wurde. Offenbar wurde diese Information nicht aktualisiert – mit fatalen Folgen. Maven habe diese fehlerhafte Einstufung demnach übernommen und sie wurde ungeprüft in den automatisierten Entscheidungsprozess eingespeist.
Palantirs Software ist darauf ausgelegt, die sogenannte Kill-Chain massiv zu beschleunigen. In Militärübungen konnten damit tausende Zielentscheidungen in kurzer Zeit getroffen werden. Kritiker warnen jedoch, dass diese Geschwindigkeit zulasten menschlicher Kontrolle und sorgfältiger Prüfung gehen kann.
Die auf der Plattform Substack und inzwischen auch im Guardian veröffentlichte Analyse legt nahe, dass ein System wie Maven im konkreten Fall eine zentrale Rolle gespielt haben könnte. Demnach sei nicht ein KI-Sprachmodell verantwortlich gewesen, sondern die Kombination aus veralteten Daten und einem stark beschleunigten, softwaregestützten Zielprozess. Der Fehler sei nach dieser Darstellung dort entstanden, wo ein militärischer Datenbankeintrag über Jahre hinweg nicht aktualisiert wurde und anschließend von einem System wie Maven ohne ausreichende menschliche Überprüfung weiterverarbeitet worden sei.
Pentagon plant weiteren KI-Ausbau
Unterdessen plant das US-Verteidigungsministerium, Maven weiter auszubauen und dauerhaft in der Militärstrategie zu verankern. Nach einem internen Memo soll das System als offizielles „Program of Record“ etabliert werden, womit langfristige Finanzierung und ein Einsatz über alle Teilstreitkräfte hinweg gesichert wären. Die Entscheidung könnte noch vor Ende des laufenden Haushaltsjahres im September fallen.
Maven wurde ursprünglich 2017 zur automatisierten Auswertung von Aufklärungs- und Drohnenbildern gestartet. In den vergangenen Jahren erhielt Palantir milliardenschwere Aufträge zur Weiterentwicklung des Systems. Gleichzeitig treiben Militär und Industrie die Integration von KI in militärische Abläufe weiter voran. Vertreter des Pentagons betonen, künftige Konflikte würden maßgeblich datengetrieben und mit KI-Unterstützung geführt.
(mack)