Warhorse Studios entlassen Übersetzer angeblich zugunsten von KI-Übersetzungen
Ein Übersetzer bei Warhorse verliert seinen Job eigenen Angaben zufolge, weil das tschechische Studio verstärkt auf KI-Übersetzungen setzen möchte.
Screenshot aus „Kingdom Come Deliverance 2“
(Bild: Warhorse)
Ein Übersetzer beim tschechischen Studio Warhorse wurde möglicherweise entlassen, weil sein ehemaliger Arbeitgeber verstärkt auf KI-Übersetzungen bauen möchte. In einem Reddit-Post macht Max Hejtmánek seinem Ärger Luft und bekommt große Aufmerksamkeit – sowohl auf Reddit als auch in der Spielepresse.
Hejtmánek hat eigenen Angaben zufolge knapp vier Jahre bei Warhorse gearbeitet, um Texte vom tschechischen Original nach Englisch zu übersetzen. Er habe dabei vorrangig am gleichermaßen erfolgreichen wie textlastigen Rollenspiel „Kingdom Come Deliverance 2“ und dessen DLCs gearbeitet und etwa Dialoge, Item-Namen und Quest-Einträge übersetzt. Am 27. März sei er dann überraschend entlassen worden.
Übersetzer fühlt sich betrogen
Warhorse habe die Entlassung mit Bestrebungen begründet, Kosten einzusparen, schreibt Hejtmánek in einem Reddit-Post. Darin nennt er sich „Max H“, später bestätigte er seine Identität gegenüber dem Spielemagazin PC Gamer. Warhorse habe ihm gesagt, man wolle künftig KI für alle Übersetzungen nutzen. Hejtmánek schreibt, er fühle sich von seinem Arbeitgeber betrogen. Vor seiner Entlassung habe er sich mehrmals vehement dagegen ausgesprochen, KI für Übersetzungen einzusetzen.
Warhorse hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen von Hejtmánek geäußert. Es ist nicht bekannt, wie und in welchem Umfang das Studio aus Prag tatsächlich KI-Übersetzungen in künftigen Spielen einsetzen möchte. Unklar ist außerdem, wie viele menschliche Übersetzer noch bei dem Studio angestellt sind.
„Der zunehmende Einsatz von KI hat große Auswirkungen auf die Menschen in der Spieleindustrie und vielen anderen Bereichen“, schreibt Hejtmánek in seinem Reddit-Post im Unterforum zu „Kingdom Come: Deliverance“. „Ihr solltet wissen, wie sehr das Unternehmen, dessen Spiele ihr liebt, die Arbeit seiner Angestellten schätzt.“
Videos by heise
KI-Einsatz ist verpönt
In den Gaming-Communitys ist der Einsatz von KI in der Spieleentwicklung verpönt – besonders dann, wenn er sichtbar wird. Mehrfach gab es in den vergangenen Monaten etwa Fälle, bei denen es KI-Artworks in fertige Spiele geschafft haben. Auffällig oft behaupteten die Entwickler dann, es habe sich nur um Platzhalter gehandelt, die versehentlich veröffentlicht wurden. Zuletzt ist das so bei „Crimson Desert“ passiert, vorher unter anderem bei „Anno 117“ und „The Alters“.
Die Entwickler von „Clair Obscur: Expedition 33“ mussten zwei Indie Game Awards zurückgeben, weil zum Launch eine KI-generierte Platzhalter-Textur zu sehen war. In „Tomb Raider IV-VI Remastered“ wurde offenbar sogar eine KI eingesetzt, um die französische Stimme von Lara Croft zu erstellen. Solche sicht- und hörbaren Fälle sorgen oft für massive Kritik von Spielern. Dabei ist bekannt, dass viele Studios hinter den Kulissen intensiv mit KI arbeiten.
Die tschechischen Warhorse Studios haben mit den beiden „Kingdom Come Deliverance“-Spielen geschichtstreue Rollenspiele entwickelt, die hervorragende Rezensionen einheimsten und wirtschaftliche Erfolge feierten. Teil 2 war bei den Game Awards 2025 als „Spiel des Jahres“ nominiert. Die DLC-Entwicklung für „Kingdom Come Deliverance 2“ gilt als abgeschlossen – woran Warhorse nun arbeitet, ist nicht bekannt.
(dahe)