Bluesky stellt KI-Assistenten „Attie“ für eigene Social-Feeds vor

Mit "Attie" testet Bluesky KI als Werkzeug für mehr Nutzerkontrolle und rückt zugleich sein offenes Protokoll  in den Fokus.

vorlesen Druckansicht
Person hält Handy in der Hand mit Bluesky-Logo

Das KI-Experiment „Attie“ ist aktuell noch eine eigenständige App.

(Bild: Diego Thomazini/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Bluesky stellt mit „Attie“ einen KI-Assistenten vor, der es Nutzern ermöglicht, eigene Social-Media-Feeds per natürlicher Sprache zu erstellen.

„Man beschreibt, welche Art von Beiträgen man sehen möchte, und der Coding-Agent erstellt daraus den entsprechenden Feed“, schreibt Innovationschefin Jay Graber in einem Blogpost. „Attie“ sei ein Experiment mit agentischen sozialen Anwendungen, aber zugleich eine eigenständige App und vollständig optional für Bluesky-Nutzer.

Zum Start lässt sich „Attie“ nutzen, um Feeds zu erstellen und anzusehen. Perspektivisch sollen diese auch in Bluesky und anderen Anwendungen auf Basis des AT Protocol verfügbar werden. Konkrete Angaben dazu, wann und wie „Attie“ integriert wird, gibt es bislang nicht. Der Plan geht über die Erstellung von Feeds hinaus: Langfristig sollen Nutzer mit „Attie“ eigene Social-Apps per Vibe Coding entwickeln und Werkzeuge für andere bereitstellen können.

Videos by heise

Laut TechCrunch hat das Team noch nicht entschieden, ob „Attie“ künftig kostenpflichtig sein wird. Die App befindet sich derzeit in einer geschlossenen Beta. Graber stellt „Attie“ als Gegenentwurf zu gängigen KI-Strategien großer Plattformen dar: Diese setzten KI vor allem ein, um Nutzer länger zu binden, Trainingsdaten zu gewinnen und Inhalte über schwer nachvollziehbare Systeme zu steuern. „Attie“ solle demgegenüber stärker auf Nutzerkontrolle abzielen, etwa durch selbst erstellte Feeds und anpassbare Software, schreibt Graber in dem Blogpost.

Technisch basiert der KI-Assistent auf dem Modell Claude von Anthropic und nutzt das von Bluesky entwickelte Authenticated Transfer Protocol (AT Protocol), ein offenes, dezentrales Protokoll für soziale Netzwerke, bei dem Identitäten, Inhalte und Feeds nicht an eine einzelne Plattform gebunden sind. Der KI-Assistent wurde am Wochenende auf der Atmosphere-Konferenz, einer Entwickler-Veranstaltung rund um das AT Protocol, offiziell vorgestellt. Als „Atmosphere“ bezeichnet Bluesky das entstehende Ökosystem auf Basis des Protokolls.

„Attie“ ist das erste Produkt des neu formierten „Exploration Team“ um Graber. Graber war zuvor CEO von Bluesky, trat diesen Monat jedoch zurück, um sich wieder stärker auf Produktentwicklung zu konzentrieren, und hat nun die Rolle der Chief Innovation Officer inne. Die operative Leitung des Unternehmens hat Toni Schneider übernommen, der zuvor als CEO des WordPress-Betreibers Automattic tätig war.

Im gleichen Zeitraum gab Bluesky bekannt, eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen zu haben. Schneider steht vor zentralen Herausforderungen: Vor allem muss Bluesky einen Weg finden, sein Netzwerk mit mehr als 40 Millionen Nutzern zu monetarisieren und langfristig profitabel zu betreiben. Diskutiert würden unter anderem Abonnements sowie Hosting-Angebote für Nutzer, die eigene Communities auf Basis des Protokolls betreiben wollen. Für Schneider liegt das Potenzial weniger in einzelnen Anwendungen als im AT Protocol selbst: Es soll, ähnlich wie WordPress, als offenes Fundament für ein Ökosystem aus unabhängigen, dezentralen Diensten dienen, die miteinander interagieren.

(tobe)