Zahlen, bitte! Made in China: Die vierte industrielle Revolution
China strebt in seiner Industriepolitik beharrlich bis 2049 die TechnologiefĂĽhrerschaft in vielen Zukunftsbereichen an. Ein kompakter Blick nach Asien.
(Bild: heise medien)
Während sich die USA unter Trump weiter in ihrem Iran-Krieg verzetteln, hält China unter Xi Jinping am Ziel fest, das Land mit der vierten industriellen Revolution zur technologischen Weltspitze zu machen. Im März 2026 verbreitete die Nachrichtenagentur Xinhua eine Rede von Xi, in der er feststellte: „Der Grad an Eigenständigkeit und Stärke in Wissenschaft und Technologie wird deutlich verbessert. Die Gesamteffektivität des nationalen Innovationssystems wird signifikant gesteigert, wobei die landesweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung jährlich durchschnittlich um mehr als 7 % steigen werden.“
Die Felder, in denen China Weltspitze werden soll, sind breit gefächert: Neben der IT und der Robotik erwähnt Xi gern Raumfahrttechnik, Schiffbau und Eisenbahntechnik sowie die Neurowissenschaften und die Biochemie. Auch die Künstliche Intelligenz spielt bei diesem Programm eine gewichtige Rolle. Für die vierte industrielle Revolution gibt es einige Zahlen, die belegen, dass China die Grundlagen für das Vorhaben gelegt hat, bis zum 100. Geburtstag der Volksrepublik im Jahre 2049 die weltweite Industrieproduktion zu dominieren.
(Bild: CC BY 3.0, ä¸ć–°ç˝‘)
Spitzenplätze beim Wissenschaftsnachwuchs
Im Leiden-Ranking nach den einflussreichsten Veröffentlichungen von 2025 führt eine chinesische Universität, und Harvard liegt als ehemaliger Champion auf dem dritten Platz. Auch im Index der Fachzeitschrift Nature sieht es nicht anders aus. China führt das Ranking bei den ins Ausland geschickten Studentinnen und Studenten in den naturwissenschaftlichen MINT-Fächern an. Die Zahlen zeigen, dass China die vierte industrielle Revolution einläuten kann, wie England die erste industrielle Revolution, Deutschland die zweite industrielle Revolution und die USA die dritte mit dem digitalen Zeitalter.
Mit der Produktion von Batterien und Elektroautos hat es China in 10 Jahren geschafft, die Marktführerschaft zu erlangen. Das Land ist überdies Weltspitze bei der Installation von Industrierobotern – der mittlerweile in chinesischer Hand befindliche Augsburger Industrieroboterhersteller Kuka lässt grüßen. 2024 wurden allein in China insgesamt 295.000 Industrieroboter installiert. Das sind 54 % des Weltmarktes. Und erstmals kam die Mehrheit der Roboter aus chinesischer Produktion.
(Bild:Â CC BY-SA 4.0, Industrie117)
Ähnliches könnte der Kunststoffbranche passieren. Auch im Bereich der Industrie 4.0, einem Begriff, der in Deutschland geprägt wurde, hat China mittlerweile die Nase vorn. Glaubt man dem chinesischen Generalkonsul Huang Yiyang, sind deutsche Firmen ganz begeistert vom neuen Geschäftsklima in China und fühlen sich eher wie in einem „Fitnessstudio“. Was kann da schon schiefgehen?
Schließen wir mit dem Fazit von Tanner Greer und Nancy Yu: „Die chinesische Strategie beruht auf zwei Annahmen: erstens, dass die Welt tatsächlich am Beginn eines wirtschaftlichen Wandels steht, der in seinem Ausmaß mit der industriellen Revolution vergleichbar ist, und zweitens, dass China diese neue technologische Revolution anführen wird, sollte sie stattfinden. Keine dieser Annahmen ist gewiss.“
Europa sollte an seiner wirtschaftlichen Fitness arbeiten, will es nicht vom teuren Studio abhängig sein.
(mawi)