Drei Fragen und Antworten: Warum ABAP-Entwickler jetzt umdenken mĂĽssen
Der Wechsel von Dynpro zu SAP Fiori Elements fordert ABAP-Entwickler heraus. Marian Zeis erklärt, worauf es beim Umstieg ankommt.
(Bild: iX)
Der Übergang von klassischen Dynpro- und Web-Dynpro-Oberflächen zu SAP Fiori Elements stellt viele ABAP-Entwickler vor grundlegende Herausforderungen. Statt imperativer Programmierung in der SE80 bestimmen nun CDS-Annotationen und das ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) das Erscheinungsbild der Oberflächen. Marian Zeis, unabhängiger SAP-Entwickler und aktiv in der AG UI-Technologien der DSAG engagiert, ordnet ein, was der Wandel für die Praxis bedeutet.
(Bild:Â Andriy Bezuglov / Adobe Stock)
Die Online-Konferenz betterCode() ABAP am 29. April 2026 eröffnet Entwicklerinnen und Entwicklern die Möglichkeit, ihre ABAP-Kenntnisse zu erweitern. ABAP Cloud, das ABAP RESTful Application Programming Model und der Einsatz von SAP Joule for Developers stehen im Fokus.
heise developer: Was ist die größte Herausforderung bei der UI-Entwicklung mit SAP Fiori Elements, wenn man bisher mit Web Dynpro ABAP oder Dynpro gearbeitet hat?
Zeis: Wenn man bisher primär mit Dynpro, Web Dynpro ABAP oder klassischen ALVs gearbeitet hat, ist die größte Herausforderung aus meiner Sicht, dass man plötzlich nicht mehr nur in der klassischen ABAP-Welt unterwegs ist.
Der erste Bruch ist schon beim Werkzeug: Man arbeitet nicht mehr hauptsächlich in der SE80, sondern in Eclipse mit den ABAP Development Tools. Dazu kommt mit RAP und Fiori Elements ein deutlich stärkerer service- und annotationsgetriebener Ansatz.
Die eigentliche Herausforderung ist für mich aber, dass Frontend-Themen näher an den ABAP-Entwickler heranrücken. Im Standard kann Fiori Elements zwar viel über Annotationen und Metadaten abbilden, aber sobald man erweitern will oder spezielleres Verhalten benötigt, kommt man schnell auch mit UI5 und teilweise JavaScript in Berührung. Genau dieser Wechsel im Denken ist für viele die größte Umstellung.
heise developer: Inwieweit muss oder sollte man die Benutzeroberflächen schon bei der Backend-Entwicklung mitdenken? Muss man mit ABAP CDS eine ganz neue Sprache lernen, um Annotationen verwenden zu können?
Zeis: Die Bedienoberfläche sollte man aus meiner Sicht sehr früh mitdenken, möglichst schon beim Datenmodell und bei den Services. Das war früher im Kern auch schon so, aber im RAP-Umfeld ist es noch wichtiger, weil sich die spätere Oberfläche stark aus dem Backend-Modell ableitet.
Gerade bei Fiori Elements steckt viel UI-Logik schon in den CDS-Views und Annotationen. Wenn das Modell fachlich unsauber ist oder die Daten nicht sinnvoll geschnitten sind, sieht man das später direkt in der Anwendung. Gute Oberflächen entstehen deshalb hier zu einem großen Teil schon im Backend.
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Zu ABAP CDS würde ich sagen: Ja, man muss etwas Neues lernen, aber nicht komplett bei null anfangen. Es ist eine andere Denkweise, weil es stärker um Modellierung, Semantik und Annotationen geht. Und genau daran führt künftig kaum ein Weg vorbei. Gerade wenn SAP in Richtung generativer UI denkt, werden saubere Fachobjekte und ein gutes Backend-Modell eher noch wichtiger.
heise developer: Werden ABAP- und UI-Entwicklung überhaupt noch benötigt, wenn Anwenderinnen und Anwender bald nur noch über Joule mit dem SAP-System interagieren?
Zeis: ABAP wird uns aus meiner Sicht auf jeden Fall noch lange begleiten. Dass SAP ABAP weiter als modern positioniert und insbesondere auch im Cloud-Umfeld ausbaut, zeigt deutlich, dass das kein Auslaufmodell ist.
Bei der UI-Entwicklung ist die Frage spannender. Mit Joule und generativer UI kommt natürlich eine neue Art der Interaktion dazu, also stärker kontextbezogene und dynamische Oberflächen. Das wird sicher verändern, wie man SAP-Anwendungen künftig denkt.
Trotzdem glaube ich nicht, dass ABAP- und UI-Entwicklung dadurch überflüssig werden. Es wird weiterhin viele Prozesse geben, bei denen strukturierte Oberflächen, Listen, Formulare oder geführte Abläufe sinnvoller sind als eine reine Chat-Interaktion. Ich glaube deshalb eher an eine Koexistenz: Joule wird wichtiger, aber klassische Anwendungen verschwinden nicht einfach.
heise developer: Herr Zeis, vielen Dank fĂĽr das Interview!
In der Serie "Drei Fragen und Antworten" will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vorm PC, die Sicht des Managers oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
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