IW-Studie: Einkommen überholen Spritpreise – Tanken wird erschwinglicher
Autofahrer ärgern sich über gestiegene Spritpreise. Doch laut IW arbeiten Beschäftigte derzeit weniger für Benzin als in früheren Krisen.
Weil eine große Menge Rohöl nicht per Pipeline geliefert wird, sondern durch den Golf von Hormuz verschifft werden muss, verknappt der Krieg gegen den Iran gegenwärtig das Öl auf dem Weltmarkt.
(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek / Shutterstock.com)
- dpa
Viele Autofahrer in Deutschland ärgern sich über die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs. Nach einer Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) müssen Beschäftigte derzeit im Schnitt vier Minuten und 53 Sekunden für einen Liter Benzin arbeiten – und damit weniger als bei anderen großen Krisen der Vergangenheit.
Als Grundlage der Berechnung diente der durchschnittliche Nettolohn, der laut IW zuletzt 25,56 Euro pro Stunde betrug, sowie ein Preis von 2,08 Euro für einen Liter Superbenzin. Während der Öl-Krise 1974 waren für einen Liter 6,3 Minuten Arbeit nötig, 2011 und 2012 infolge des Arabischen Frühlings knapp sechs Minuten. Der Ukraine-Krieg trieb den Wert 2022 auf 5,2 Minuten.
Kaufkraft ist gewachsen
Der Preis für einen Liter Benzin habe sich seit 1960 zwar versiebenfacht, sagte IW-Ökonom Christoph Schröder. „Doch der durchschnittliche Nettolohn ist im selben Zeitraum fast um das Zwanzigfache gestiegen: von 1,29 Euro auf 25,56 Euro pro Stunde.“ Wer 1960 tanken wollte, habe dafür rund 14 Minuten gearbeitet – fast dreimal so lange wie heute. „Weil die Einkommen die Preise so deutlich überholt haben, können sich Beschäftigte an der Zapfsäule heute mehr leisten als früher.“
Die Arbeitszeit pro Liter ist Schröder zufolge zwar noch weit entfernt von den Spitzenwerten früherer Krisen. „Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen, dürfte sich das allerdings ändern.“ Bei einem Preis von 2,30 Euro pro Liter Superbenzin müssten Beschäftigte laut IW fünf Minuten und 24 Sekunden arbeiten.
Zahlreiche Leser machen uns auf einen möglichen Fehler in den Zahlen des IW aufmerksam. Recht offensichtlich dürften die 25 Euro netto und nicht brutto sein, denn sonst käme man auf ein deutlich zu hohes durchschnittliches Einkommen. Die Zahlen des IW sollen allerdings dadurch zustandekommen, dass es nur die tatsächlich geleistete Arbeitszeit ohne Urlaub, Feiertage, Krankheit usw. aufgrund der sogenannten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts zugrundelegt. Es ergibt sich ein Monatsverdienst je Arbeitnehmer (einschließlich Teilzeit) von brutto 4026 und netto bei 2782 Euro. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir das jetzt nicht noch vertiefen. Wir bedauern allerdings, in diesem Fall eine Meldung der dpa ungeprüft und ohne die nötige Einordnung übernommen zu haben.
(fpi)