archinstall 4.0: Neue Oberfläche, neue Architektur

archinstall 4.0 ersetzt die curses-Oberfläche durch Textual, ergänzt Firewall- und UKI-Support und modernisiert die interne Architektur grundlegend.

vorlesen Druckansicht
Ein Pinguin mit "OPEN SOURCE" Schriftzug auf einem dreieckigen Patch vor Weltraumhintergrund.

(Bild: heise medien)

Lesezeit: 3 Min.

Arch Linux stellt sein Installationswerkzeug archinstall mit Version 4.0 grundlegend um. Die Entwickler ersetzen die bisherige curses-basierte Oberfläche durch das TUI-Framework Textual. Das soll die Bedienung im Terminal modernisieren und vor allem die Wartung der Menülogik erleichtern. Der Umbau schafft zugleich die Grundlage für neue Funktionen. Die Entwickler bitten die Nutzer ausdrücklich um Feedback – insbesondere zur Bedienbarkeit und zur Barrierefreiheit.

archinstall ist ein von Arch-Linux-Entwicklern gepflegtes Installationsskript, das im offiziellen Repository der Distribution enthalten ist. Es bietet eine teilautomatisierte Alternative zur klassischen manuellen Installation und richtet sich an Nutzer, die reproduzierbare Systeme aufsetzen möchten. Anders als bei vielen anderen Distributionen verzichtet Arch Linux auf einen grafischen Installer. Stattdessen führt archinstall Nutzer durch die Einrichtung von Datenträgern, Bootloader, Netzwerk und Desktop-Umgebungen – allerdings auf der Kommandozeile. Obwohl archinstall im offiziellen ISO-Image enthalten ist, bleibt die manuelle Installation via pacstrap der vom Hauptprojekt empfohlene Weg, um Arch Linux einzurichten.

Kern der neuen Version ist die Migration auf Textual, ein Python-Framework für terminalbasierte Benutzeroberflächen. Es trennt Oberfläche und Logik klarer als die bisherige curses-Implementierung. Menüs lassen sich flexibler gestalten und einfacher erweitern. Zudem unterstützt Textual ereignisbasierte Abläufe. Das zeigt sich an den neuen asynchronen Menüs: Eingaben blockieren nicht mehr den gesamten Ablauf, was interaktive Funktionen wie das Filtern von Listen während der Eingabe erleichtert.

Neben dem UI-Umbau bringt archinstall 4.0 auch neue Funktionen mit. So können Nutzer jetzt während der Installation eine Firewall auswählen – etwa mit firewalld – statt dies erst nach dem ersten Systemstart nachzuholen. Beim Bootloader und Systemstart nehmen die Entwickler mehrere Anpassungen vor: Sie korrigieren GRUB und EFISTUB und ergänzen Unterstützung für Unified Kernel Images. UKI bündelt Kernel, Initramfs und Metadaten in einer einzelnen EFI-Datei, was Secure-Boot-Setups erleichtern kann.

Für KDE-Systeme passt archinstall die Voreinstellungen an und setzt auf das Paket plasma-desktop statt plasma-meta. Auch beim Umgang mit verschlüsselten Datenträgern (LUKS2) und der Datenträgerverwaltung fließen Verbesserungen ein. Außerdem dokumentiert das Projekt nun, wie sich das Arch-Installationsmedium in virtuellen Maschinen starten lässt.

Videos by heise

Ein großer Teil der Änderungen betrifft jedoch den internen Aufbau von archinstall. Die Entwickler stellen zentrale Komponenten wie Netzwerk-, Authentifizierungs- und Mirror-Handling auf Dependency Injection um. Das verringert Kopplungen zwischen Modulen und erleichtert sowohl Tests als auch spätere Erweiterungen. Parallel treiben sie die Typisierung voran, etwa durch TypedDict und präzisere Typannotationen. Strengere Linting- und Testregeln sollen die Codequalität absichern.

Auch die Systemkomponenten selbst strukturieren die Maintainer neu. Funktionen für Datenträger, LVM und LUKS wandern in eigene Module, redundanter Code entfällt. Nicht mehr unterstützte oder wenig genutzte Optionen – etwa NTFS als Root-Dateisystem – entfernt das Projekt. Zahlreiche Detailkorrekturen beheben zudem Fehler im Partitionsmenü, bei Netzwerk-Setups mit iwd oder im Zusammenspiel mit Bootloadern.

Alle Informationen zum Update finden sich in den Release Notes auf GitHub. Eine ausfĂĽhrliche Dokumentation und Anleitung steht auf der Webseite des Projekts bereit.

(fo)