Mittwoch: DSA-Urteil gegen TikTok, Delta-Flugzeuge mit Amazon Leo statt Starlink

TikTok-Schummelei bei DSA + Konkurrenzkampf um Flugzeug-WLAN + Nvidia-Milliarden fĂĽr Marvell + Claude-KI fĂĽr Zero-Day-Exploits + Claude-Quellcode im Internet

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Mädchen schaut auf Smartphone mit umherfliegenden Symbolen; Mittwoch: TikTok-Pflichten, Flugzeug-WLAN, Nvidia-Marvell-Deal, KI-Exploit-Generierung & Claude-Quellcode-Leak

(Bild: Shutterstock.com/ Kaspars Grinvalds)

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TikTok versucht, sich um Pflichten aus dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) herumzuwinden, sowohl technisch als auch juristisch. Denn die EU-Verordnung schreibt den einfachen Schutz personenbezogener Daten sowie leichte Meldungen rechtswidriger Inhalte vor. Das ist bei TikTok zu kompliziert, hat jetzt ein Oberlandesgericht entschieden. In den USA sollen 500 Flugzeuge von Delta Air Lines ab 2028 mit schnellen Internetzugängen über Amazon-Satelliten ausgestattet werden. Damit knabbert Amazon Leo an Starlink-Marktanteilen, obwohl Amazons Satelliten-Internet bislang nicht weltweit verfügbar ist. Derweil investiert Nvidia zwei Milliarden US-Dollar in den Dateninfrastrukturanbieter Marvell. Kunden von Nvidia sollen dadurch mehr Auswahl und Flexibilität erhalten. Nvidia geht es aber auch um die Unterstützung der Entwicklung von KI-Fabriken, die Hochgeschwindigkeitsverbindungen und eine beschleunigte Infrastruktur erfordern – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

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TikTok muss seine Webseite für Nutzer in Deutschland umprogrammieren, urteilt das Oberlandesgericht Bamberg (OLG). Die aktuelle Gestaltung verstößt mehrfach gegen die als DSA (Digital Services Act) bekannte EU-Verordnung. TikTok muss es Nutzern leicht machen, die Nutzung personenbezogener Daten für die Auswahl der vorgesetzten Videos auszuschalten. Außerdem muss die Meldung rechtswidriger Inhalte benutzerfreundlich gestaltet werden. Beides ist laut dem von der Verbraucherzentrale Bayern erstrittenen Urteil nicht gegeben, obwohl der DSA das in Artikel 38 respektive 16 vorschreibt. Da das OLG die Revision beim Bundesgerichtshof zulässt, wird TikTok das wohl in Anspruch nehmen und hat seine Webseite bisher nicht verbessert nach dem Urteil des OLG Bamberg: TikTok schummelt bei DSA-Pflichten.

Amazon hat einen mehrjährigen Vertrag mit Delta Air Lines über die Internetversorgung von 500 Flugzeugen über den Satellitendienst Leo geschlossen. Das Satelliten-Internet Leo befindet sich weiterhin im Aufbau und ist bislang nur eingeschränkt und für einzelne Organisationen verfügbar. Allerdings sieht sich Amazon für dieses Jahr mit weiteren Raketenstarts im Plan. Es gibt zwar noch offene Fragen zur offiziellen Genehmigung des Satellitennetzwerks, aber offenbar ist Delta zuversichtlich genug, Amazon Leo Elon Musks Marktführer Starlink vorzuziehen. Es ist Amazons zweiter Auftrag einer Fluglinie, aber Starlink kooperiert aufgrund seines ausgebauten Netzes bereits mit mehr als vier Airlines für Flugzeug-WLAN: Delta setzt auf Amazon Leo statt Starlink für Satelliten-Internet in Flugzeugen.

Wie viel Geld Delta Amazon dafür bezahlt, wurde nicht veröffentlicht, aber Nvidia nennt Zahlen: 2 Milliarden US-Dollar investiert der US-Chip-Konzern in Marvell Technology. Beide Unternehmen gehen zudem eine strategische Partnerschaft ein. Diese soll Kunden, die auf Nvidia-Architekturen aufbauen, die Nutzung der von Marvell entwickelten, kundenspezifischen KI-Chips in Kombination mit Nvidias Netzwerkkomponenten und Prozessoren erleichtern. Dadurch erhalten die Kunden „mehr Auswahl und Flexibilität bei der Entwicklung von Infrastrukturen der nächsten Generation“, heißt es. Marvell wird demnach kundenspezifische Chips und mit Nvidias NVLink Fusion kompatible Netzwerklösungen beisteuern: Nvidia steigt mit Milliarden-Deal bei Marvell ein.

Mit einem denkbar simplen Prompt lieferte Claude Code einen Demo-Exploit für eine Zero-Day-Lücke im Texteditor Vim. Eigentlich sollen sogenannte Guardrails, also Leitplanken, den Missbrauch der LLMs für das Schreiben von gefährlichen Exploits verhindern. Jedenfalls will Claude-Hersteller Anthropic das Problem mit Sicherheitsvorkehrungen in den Griff bekommen. Doch diese lassen sich offenbar erstaunlich einfach umgehen. Der Hinweis, es gäbe den Exploit zur „Remote Code Execution“ genügte, und Claude Code legte munter los. Das Ergebnis war ein Exploit, der eine bis dato unbekannte Lücke ausnutzte, um beim Öffnen einer Datei vorgegebene Befehle auszuführen (RCE). Die Vim-Entwickler bestätigten den Bug und behoben ihn mit Version 9.2.0172: Claude serviert Zero-Day-Exploits frei Haus.

Wer dies überprüfen will, kann dies anhand des Quellcodes von Anthropics CLI-Tool Claude Code nachvollziehen, denn dieser ist am 31. März 2026 anscheinend unbeabsichtigt öffentlich zugänglich geworden. Auslöser war nach übereinstimmenden Berichten eine mitveröffentlichte Source-Map-Datei im npm-Registry. Als wahrscheinliche Ursache gilt eine fehlerhafte Paketkonfiguration bei der Veröffentlichung über npm. Der Code umfasst rund 1900 Dateien mit über 512.000 Zeilen. Anthropic reagierte schnell: Die betroffene Paketversion wurde bereits aus dem npm-Registry entfernt und durch eine bereinigte Version ohne Source-Maps ersetzt. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens fehlt bislang aber: Kompletter Quellcode von Anthropics Claude Code im Netz.

Auch noch wichtig:

(fds)