Digitale Vorreiter in Deutschland: Universitätsstädte schlagen Metropolen
Wo in Deutschland sind die meisten Unternehmen zu Hause, die digital die Nase vorn haben? Ein neuer Index soll es zeigen.
(Bild: GaudiLab/Shutterstock.com)
Universitätsstädte und Metropolen wie München und Frankfurt sind in Deutschland die größten Sammelbecken für die digital avancierten Unternehmen. Das geht aus dem Digitale-Vorreiter-Index hervor, den der Consulting-Arm des wirtschaftsnahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) erstellt hat. Demnach steht Heidelberg mit 8,1 Prozent Anteil digitaler Vorreiter bei den dort heimischen Unternehmen vorn. Darauf folgen der Landkreis München mit 8 Prozent, Frankfurt auf Rang drei mit 7,8 Prozent und die Stadt München mit 7,6 Prozent.
(Bild: IW)
Großstädte und deren benachbarte Landkreise bringen demnach vor allem den Vorteil mit, Anziehungspunkt für Startups im Digitalbereich zu sein. In Städten wie München oder Berlin kommen diese Jungfirmen laut den IW-Forschern mehr als viermal so häufig vor wie im Bundesschnitt. Zuletzt hatte Berlin allerdings seine Rolle als deutscher Spitzenreiter bei den Startups eingebüßt.
Universitäten als Impulsgeber
Besonders schneiden aber Universitätsstädte wie Karlsruhe (7,1 Prozent), Darmstadt (7 Prozent) und Bonn (6,4 Prozent) stark in dem Ranking ab und liegen deutlich vor den Millionenstädten Berlin (5,8 Prozent), Hamburg (5,7 Prozent) und Köln (5,5 Prozent). Die Dichte digitaler Vorreiter sei laut IW eben nicht allein auf einzelne Unternehmen zurückzuführen, sondern werde auch entscheidend von Institutionen geprägt, die Wissen, Infrastruktur und Netzwerke bereitstellen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen seien hier wichtiger Impulsgeber.
Im Bundesschnitt hat das IW einen DVI-Wert von 3,8 Prozent ermittelt. Gerade gering verdichtete, ländliche Gegenden liegen mit 2,4 Prozent deutlich darunter. Besonders ausgeprägt sind die geringen Werte in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands mit im Schnitt 2 Prozent. Landkreise wie Vorpommern-Rügen oder Spree-Neiße markieren mit einem Wert von 1,3 Prozent das untere Ende.
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Methodisch haben die Forscher für ihren Index die Webpräsenzen von rund 2,5 Millionen Unternehmen herangezogen – den Angaben nach wurden damit alle deutschen Firmen mit einer Website erfasst. Mithilfe eines semantischen Modells wurden die Websites nach Wortwolken mit über 200 eindeutigen Begriffen durchsucht, die auf die Nutzung fortgeschrittener digitaler Technologien hindeuten. Werden dabei Begriffe aus mindestens zwei Wortwolken getroffen, reicht das für die Klassifizierung als digitales Vorreiter-Unternehmen, bei dem Technologien einen integralen Bestandteil der Produkte beziehungsweise des Geschäftsmodells darstellen. Der Index sei statistisch hoch signifikant korreliert mit Befragungsergebnissen zur Digitalisierung von Unternehmen sowie mit regionalen Digitalisierungsindikatoren, etwa der digitalen Start-up- oder Patentdichte, dem KI-Automatisierungspotenzial oder der Breitbandverfügbarkeit.
(axk)