Vera C. Rubin Observatory findet 11.000 neue Asteroiden im Sonnensystem
Das Rubin Observatory hat erneut seine Leistungsfähigkeit gezeigt und 11.000 neue Himmelskörper im Sonnensystem entdeckt. Astronomen erwarten weitere Funde.
Modell des inneren Sonnensystems mit den von Rubin entdeckten Asteroiden in hellblau. Bereist bekannte sind dunkelblau dargestellt.
(Bild: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA/R. Proctor)
Forscher haben mit dem Mitte 2025 eröffneten Vera C. Rubin Observatory in Chile erneut einen Rekordfund gemacht: Sie haben mehr als 11.000 Asteroiden in unserem Sonnensystem entdeckt, darunter auch sehr weit entfernte sowie erdnahe.
Das Minor Planet Center (MPC) der International Astronomical Union (IAU) habe die Daten bestätigt, teilte das National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (NOIRLab) mit. Die Daten stammen von etwa einer Million Beobachtungen, die über einen Zeitraum von anderthalb Monaten durchgeführt wurden. Das sei die größte einzelne Serie von Asteroidenentdeckungen, die im vergangenen Jahr eingereicht worden sei.
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Die Astronomen entdeckten über 11.000 bislang unbekannte Asteroiden im Asteroidengürtel und im Kuipergürtel jenseits des Neptun. Daneben wurden 80.000 bekannte Asteroiden beobachtet. Einige davon waren zwischenzeitlich verloren gegangen – das bedeutet, ihre Umlaufbahnen waren nicht kalkulierbar und dadurch ihre zukünftigen Positionen nicht vorherzusagen.
380 neue transneptunische Objekte
Spektakulär sind rund 380 neue transneptunische Objekte (TNO), die das Rubin-Observatorium in weniger als zwei Monaten entdeckt hat. Bisher waren nur etwa 5000 der eisreichen Himmelskörper im Kuipergürtel bekannt, die über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten gefunden wurden. Zwei der TNOs, 2025 LS2 und 2025 MX348, kreisen auf extrem langgestreckten Umlaufbahnen um die Sonne. Sie entfernen sich rund 1.000 Astronomische Einheiten (AE) von der Sonne und gehören zu den 30 bekannten Kleinplaneten, die am weitesten entfernt sind. Eine AE entspricht der mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne, etwa 150 Millionen Kilometer.
Die Suche nach TNOs gleiche der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, sagte Matthew Holman vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics. Es seien neue Algorithmen nötig gewesen, um dem Computer beizubringen, aus Millionen flimmernder Lichtquellen am Himmel die entfernten Objekte des Sonnensystems herauszufiltern.
Unter den neu entdeckten Himmelskörpern sind schließlich auch 33 sogenannte erdnahe Objekte (Near Earth Objects, NEO). Das größte davon ist etwa 500 Meter groß. Keines davon stelle jedoch eine Gefahr für die Erde dar, betonten die Forscher. Sie erwarten, dass das Rubin-Observatorium bis zu 90.000 weitere NEOs finden wird, sobald es vollständig im Einsatz ist.
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Das ist nur die Spitze des Eisbergs
Die jetzt eingereichten Daten seien nur die Spitze des Eisbergs und zeigten, dass das Observatorium bereit sei, sagte Mario Juric, leitender Rubin-Wissenschaftler. „Was früher Jahre oder Jahrzehnte dauerte, wird Rubin in wenigen Monaten finden.”
Das Vera C. Rubin Observatory steht in Chile, auf dem Berg Cerro Pachón in einer Höhe von 2647 Metern. Es verfügt über einen 8,4 Meter großen Hauptspiegel und die weltweit größte Digitalkamera: Die ist so groß wie ein Kleinwagen, wiegt 2,8 Tonnen und hat eine Auflösung von 3200 Megapixeln. Das Teleskop kann mit hoher Geschwindigkeit große Bereiche des Nachthimmels in bislang unerreichter Auflösung erfassen und damit zeitliche Veränderungen sichtbar machen. Das soll es ermöglichen, kurzlebige Phänomene wie Sternenexplosionen zu beobachten. Daneben soll es nach Asteroiden suchen sowie Erkenntnisse über Dunkle Materie und Dunkle Energie liefern.
Bereits die in der ersten Betriebswoche entstandenen Bilder zeigten knapp 2000 neue Asteroiden sowie zahlreiche Himmelskörper, die ihre Helligkeit ändern. Die Bilder zeigen unter anderem den Trifidnebel und den Lagunennebel in der Milchstraße sowie eine gigantische Aufnahme mit rund 10 Millionen einzelnen Galaxien.
(wpl)