DLR: Multispektralkamera JANUS fotografiert interstellaren Kometen 3I/ATLAS
Ende 2025 näherte sich der Komet 3I/ATLAS der Sonne. Um das zu beobachten, aktivierte die ESA ihre Sonde JUICE.
Hubble-Aufnahme von 3I/ATLAS
(Bild: NASA, ESA, STScI, D. Jewitt (UCLA), M.-T. Hui (Shanghai Astronomical Observatory). Image Processing: J. DePasquale (STScI))
Eine einmalige Begegnung hatte das europäische Raumfahrzeug Jupiter Icy Moons Explorer (JUICE): Es passierte den interstellaren Kometen 3I/ATLAS. Die Europäische Weltraumagentur (European Space Agency, ESA) aktivierte vorzeitig mehrere Instrumente der Sonde, um die Begegnung festzuhalten.
(Bild:Â ESA/JUICE/JANUS)
Zu den aktivierten Instrumenten gehörte die Multispektralkamera JANUS, die hauptsächlich vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde. Sie beobachtete den Kometen zwischen dem 5. und 25. November 2025, kurz nach dem Passieren des sonnennächsten Punktes seiner Bahn. Die kürzeste Entfernung von JUICE zum Kometen betrug 63 Millionen Kilometer.
In der Zeit nahm die Kamera über 120 Bilder auf. Dabei kamen sieben Filter im Spektralbereich von 380 bis 1.015 Nanometern – das ist von blau bis zum nahen Infrarot – zum Einsatz. Es sind laut dem DLR die ersten Bilder, die die intensive Aktivität des Kometen kurz nach dem Perihel zeigen. Das Verhalten von 3I/ATLAS in Sonnennähe war demnach typisch für einen Kometen. Seine interstellare Herkunft machte da keinen Unterschied.
JUICE erfasst Details des Kometen
3I/ATLAS habe eine ausgedehnte Koma gezeigt, die den Kometenkern verdeckt habe, teilte das DLR mit. Die Koma ist eine Staub- und Gaswolke, die den Kern und den Schweif des Kometen umgibt. Daneben seien auf den Bildern der Schweif sowie morphologische Strukturen wie Jets, jetähnliche Strukturen, Ströme, Filamente und Ablösungen zu sehen.
(Bild:Â ESA/JUICE/JANUS)
„JANUS hat noch viel früher als geplant hervorragende Leistungen erbracht und sehr schwache Strukturen im Schweif des Kometen sowie eine genaue Radiometrie der helleren Koma in der Nähe des Kerns aufgezeigt“, sagte Ganna Portyankina vom DLR-Institut für Weltraumforschung. Wegen der Position von JUICE zu den Empfangsantennen auf der Erde konnte die Sonde die Fotos erst Mitte Februar 2026 übertragen.
Ziel von JUICE ist das Jupiter-System. Dort soll die 2023 gestartete, europäische Sonde Mitte 2031 ankommen. Ziel der Mission ist, das Jupiter-System und vor allem die Monde Ganymed, Europa und Kallisto zu erforschen. Die Mission soll Ende 2025 mit einem Aufschlag der Sonde auf Ganymed enden.
Keine Wissenschaft auf dem Weg zum Jupiter
Auf dem Weg zum Jupiter waren ursprĂĽnglich keine wissenschaftlichen Aufgaben geplant. Von der Erde aus war der Komet 3I/ATLAS auf dem Weg um die Sonne ab Herbst 2025 nicht mehr sichtbar. Das war jedoch die aktivste und damit wissenschaftlich interessanteste Phase des Kometen. Die ESA aktivierte die Sonde JUICE, weil diese von ihrer Position auf der anderen Seite der Sonne 3I/ATLAS im Blick hatte.
3I/ATLAS ist ein interstellarer Komet. Entdeckt wurde er Anfang Juli 2025. Er ist erst der dritte bekannte Himmelskörper, der aus dem interstellaren Raum in unser Sonnensystem gekommen ist. Dafür steht „3I“, „ATLAS“ (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) ist ein automatisches Frühwarnsystem für Asteroiden. Dazu gehören mehrere Observatorien, die den Himmelskörper entdeckten. Er wurde sogar für ein außerirdisches Raumschiff gehalten.
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Der Erde am nächsten kam 3I/ATLAS Ende vergangenen Jahres. Die Begegnung war jedoch harmlos: Er passierte unseren Planeten in einer Entfernung gut 270 Millionen Kilometern. Nach seiner Durchquerung des Sonnensystems wird er nie wieder dorthin zurückkehren.
(wpl)